Archiv

Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 30.08.2013

Christina Stürmer

„Ich nehme nicht mehr alles ganz so ernst wie früher“

Zwei Jahre lang hat sich die Popsängerin Christina Stürmer eine Pause vom Musikgeschäft gegönnt. Warum diese Auszeit Gold wert war, sie sich reifer fühlt und warum sie heute nicht mehr jedem Journalisten Privates erzählt.

Entgegen aller Gerüchte noch immer mit dem Gitarristen ihrer Band liiert und glücklich: Christina Stürmer, die wieder voll im Pop-Geschäft ist. Foto: APA/Hochmuth

© APA/GEORG HOCHMUTH Entgegen aller Gerüchte noch immer mit dem Gitarristen ihrer Band liiert und glücklich: Christina Stürmer, die wieder voll im Pop-Geschäft ist. Foto: APA/Hochmuth

Seit diesem Sommer zählt Christina Stürmer zu den Dreißigjährigen. Den runden Geburtstag nahm sie locker, sagt sie. Trotzdem will sie es jugendlich unkompliziert angehen und bietet im Interview sofort das „Du“ an.

Nach zwei Jahren Auszeit bist du zurück. Du warst plötzlich weg und genauso plötzlich wieder da, warum?

Christina Stürmer: Ich wollte einfach eine große Pause machen, weil ich gespürt habe, dass ich an die Grenzen meiner Kräfte kam. Nicht, dass ich in ein großes Loch gekippt wäre, nein, aber es war so, dass ich nach der Deutschland-Tour fast so etwas wie ein angehendes Burn-out hatte. Ich war sehr reizbar und nicht gut drauf. Die Pause hab’ ich mir aber nicht nur deshalb gegönnt, sondern auch, weil ich mir einmal richtig viel und gut Zeit für ein nächstes Album nehmen wollte.

Was hast du in dieser Zeit alles gemacht?

Stürmer: Einerseits hab’ ich richtig entspannt und mit viel Ruhe mit den Jungs am Album gearbeitet, andererseits hab’ ich auch einfach nur nichts getan oder bin im Garten abgehangen. Oder habe kurze Urlaubstrips gemacht – etwa nach London.

Hattest du keine Angst, dass die Pause ein Risiko im schnelllebigen Pop-Business ist?

Stürmer: Diese Angst war natürlich da. Nicht so groß, aber doch. Ich dachte oft: Vielleicht finden die draußen mich mittlerweile blöd, vielleicht sind zehn Jahre Stürmer genug. Aber zum Glück kam’s anders.

Hätte es einen Plan B gegeben?

Stürmer: Nein, nicht wirklich. Obwohl: Ohne Musik wäre ich heute wahrscheinlich Kindergartenpädagogin. Ich bilde mir ein, dass ich einen ganz guten Draht zu kleinen Kindern habe.

Du hast dich innerhalb von zehn Jahren vom Castingshow-Girlie zur ernst zu nehmenden Musikerin entwickelt, ging das Ganze im Nachhinein betrachtet zu schnell?

Stürmer: Ja, schon. Mit Starmania hab’ ich einen Crashkurs fürs Pop-Business gehabt. Ich war ein junges Ding, das keine Ahnung hatte. Nach so einer Castingshow ist man erst einmal fremdbestimmt. Da sind einfach nur viele Menschen um einen herum, die sagen: Mach das so. Zieh das an. Stell dich so hin. Da muss man erst hineinwachsen und sich selbst finden. Irgendwann hab’ ich kapiert, dass ich das Ganze selbst steuern muss, weil ich sonst kaputt werde. Ich musste in den letzten zehn Jahren viel lernen.

Und auch aushalten. Du kamst von Anfang an immer sehr offen und natürlich rüber. Wie viel davon hast du dir der Karriere wegen abgewöhnen müssen?

Stürmer: Ich bin gelassener worden. Und nehme nicht mehr alles so ernst. Lernen musste ich, dass ich nicht jedem alles erzähle, was mein Privatleben anbelangt. Da bin ich sicherlich vorsichtiger geworden, vor allem bestimmten Journalisten bestimmter Blätter gegenüber. Ganz am Anfang habe ich alles ausposaunt, das mach’ ich heute nicht mehr. Wenn mir ein Journalist heute zu viele Fragen privater Natur stellt, werde ich sehr schnell still.

Darf ich dann überhaupt fragen, was an den Schlagzeilen der letzten Tage in manchen Zeitungen dran ist, dass du dich von deinem langjährigen Freund, dem Gitarristen deiner Band, getrennt hast?

Stürmer (lacht): Das haben wir auch aus der Zeitung erfahren. Das ist Blödsinn. Unsere Freunde haben gemeint: Die haben noch ein Sommerloch oder?

Dann stimmt es auch nicht, dass du deine Nervosität vor Konzerten mit einem Glas Whiskey bekämpft?

Stürmer: Das ist halbwahr. Die Jungs meiner Band und ich haben irgendwann wirklich so eine Art Ritual entwickelt, bei dem wir kurz vor dem Konzert noch einmal alle zusammensitzen und da kam es auf, dass wir mit einem Stamperl Whiskey anstoßen. Aber so wie es in den Medien rüberkam, ist es nicht. Das klingt ja so, als ob die Stürmer ein Alkoholproblem hat und literweise Whiskey runterstülpt.

Und warum geht bei der diesjährigen Tour pro verkauftem Ticket ein Euro an die Brustkrebsprävention?

Stürmer: Vor ein paar Jahren war eine Frau im Bekanntenkreis von Brustkrebs betroffen. Die Diagnose kam aus dem Nichts heraus. Da kam diese Idee auf. Vielleicht auch, weil ich selbst eine Frau und keine zwanzig mehr bin.

Stehst du jetzt mit dreißig noch zu deinen Tattoos, die du dir in jungen Jahren stechen hast lassen?

Stürmer: Mit sechszehn hab’ ich mir ein chinesisches Sternzeichen am Schulterblatt stechen lassen. Das habe ich heute nicht mehr. Stattdessen ist da jetzt ein Banner mit dem Satz: „Wenn du dich selber suchst, hör auf den Herz.“

Ähnlich klingt dein neuer Albumtitel „Ich hör auf mein Herz“. Was überwiegt bei dir persönlich bei Entscheidungen: Bauch, Herz, Kopf?

Stürmer: Kopfmensch bin ich sicherlich weniger. Entscheidungen müssen sich für mich letztendlich immer gut in Bauch und Herz anfühlen. Da bin ich sicherlich eher der intuitive Typ.

Welche Rolle spielt das Alter?

Stürmer (lacht): Klar, man wird älter. Und reflektiert mehr. Manches tue ich heute bewusster, ich esse zum Beispiel weniger Fleisch und wenn, dann bio. Ich lass’ auch das Wasser beim Zähneputzen nicht zu lange rinnen. Vielleicht hat das alles wirklich mit dem Älterwerden zu tun. Wenn es so ist, ist’s mir aber egal. Ich fühl’ mich wohl.