05.02.2012
Kino-Kritik

Die heißen Fronten im Kalten Krieg

In Tomas Alfredsons John-le-Carré-Verfilmung „Dame, König, As, Spion“ brilliert Gary Oldman als George Smiley.

Von Peter Angerer

Innsbruck – Für acht Romane über der Kalten Krieg hat der britische Autor John le Carré die Londoner Agentenzentrale­ Circus erfunden, die sich an der Kreuzung von Charing­ Cross Road und Cambridge Circus befand und überwiegend von Universitätslehrern aus Cambridge und Oxford bevölkert wurde. Smiley, die Hauptfigur der Romane, stattete le Carré mit biografischen Eigenschaften aus, denn bis zu seinem ersten Welterfolg mit „Der Spion, der aus der Kälte kam“ war der Autor unter seinem bürgerlichen Namen David Cornwell als Agent des britischen Geheimdienstes in Hamburg stationiert. In der Verfilmung spielte Richard Burton 1965 den Agenten Alec Leames, der sich als alkoholkranker Verräter des Circus dem Geheimdienst der DDR anbot, um einen vor der Enttarnung stehenden Doppelagenten zu schützen. Ausgedacht hatte sich diese Intrige der pensionierte Smiley, der sich als Grimmelshausen-Spezialist eigentlich nur noch seiner Liebe zur deutschen Literatur und seiner etwas exzentrischen Ehefrau Anne widmen wollte. Zehn Jahre später, Smiley ist beim Circus wieder für den „Kindergarten“ (Nursery) und die sowjetischen Satellitenstaaten zuständig, wird er selbst das Opfer einer internen Intrige. Damit beginnt – 1973 – die Geschichte­ von „Dame, König, As, Spion­“, die bereits einmal mit dem grandiosen Alec Guinness für das Fernsehen verfilmt wurde.

Der schwedische Regisseur Tomas Alfredson orientiert sich bei seiner Version am Stil von „Der Spion, der aus der Kälte kam“. James Bond würde, müsste er in einem dieser MI6-Räumen arbeiten, sofort kündigen. George Smiley (Gary Oldman) hat damit kein Problem, denn auch in seinem Haus in Chelsea wackelt das Stiegengeländer. Eben noch muss das ganze Haus gezittert haben, mag sich Smiley denken, als er Bill Haydon (Colin Firth) dabei beobachtet, wie er sich die Schuhe bindet und eine haarsträubende Geschichte erzählt. Smiley­ weiß, dass Haydon der Geliebte seiner Frau ist, doch die frivole Sparsamkeit geht ein wenig zu weit. Der Verzicht auf ein Hotelzimmer muss also Teil einer Inszenierung sein, um Smiley das Offensichtliche übersehen zu lassen. Aber Haydon hintergeht nicht nur seinen Kollegen Smiley, er betrügt auch das Land. Haydon hatte auch ein Verhältnis mit Toby Ester­hase (David Dencik), der in Budapest enttarnt wurde und nicht anders konnte, als unter Folter dem KGB die großen Circus-Geheimnisse zu verraten. Aber auch hinter diesem Vorgang steckt eine Inszenierung, da Esterhase nur Geheimnisse preisgeben konnte, die dem KGB längst bekannt waren. Seither lehnen die „Vettern“ (CIA) intime Kontakte mit dem Circus ab. Deshalb wird Smiley­ Ende des Jahres 1973 vom Staatssekretär gebeten, im Circus nach dem Maulwurf zu suchen und den vor der Auflösung befindlichen Geheimdienst zu retten.

Gary Oldman war bereits 1992 „Bram Stokers Dracula“ und 2001 der perverse Milliardär Verger in „Hannibal“. Streit gab es immer nur, wenn Oldman darauf bestand, ohne Maske zu spielen. In „Dame, König, As, Spion“ hat Oldman als einziges Requisit eine Brille zur Verfügung. Was er mit der und seinen Augen macht, hat ihm eine Oscar-Nominierung eingebracht. Für seinen Minimalismus bei der Darstellung von Smileys Leidensfähigkeit sollte es wohl auch den Hauptpreis geben.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 05.02.2012
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