19.03.2012, 11:56  Aktualisiert: 19.03.2012, 12:09 
Kinoerfolg

„Ziemlich beste Freunde“: Nun erzählt der echte Pfleger

Abdel Sellou, das Vorbild für die Figur des Pflegers Driss, hat nun „die wahre Geschichte“ aufgeschrieben.
Omar Sy ist seit dem Kinohit „Ziemlich beste Freunde“ einem Millionenpublikum bekannt. Das Vorbild für seine Rolle hat nun ein Buch geschrieben.
Foto: EPA

Von Sabine Glaubitz, dpa

Paris – Das entwaffnende, breite „Was kostet die Welt“-Lachen ist Millionen Zuschauern bekannt. Es gehört dem französischen Schauspieler Omar Sy, der den Pfleger Driss in dem auf Tatsachen beruhenden Erfolgsfilm „Ziemlich beste Freunde“ spielt. In dem Buch „Einfach Freunde“ outet sich nun Abdel Sellou, der wahre Betreuer des querschnittsgelähmten Ex-Geschäftsführers von Pommery, Philippe Pozzo di Borgo. Dabei erzählt er, was er jahrelang verschwiegen hat: seine Vergangenheit.

Was er zwischen seinem 4. und 20. Lebensjahr erlebt habe, reiche eher für einen Dokumentarfilm als für eine Komödie, erklärte Abdel Sellou. Oder für mehr als 200 gedruckte Seiten, auf denen der in Algerien geborene Franzose erzählt, wie er als Kind nach Paris kam, mit 16 Jahren Touristen beklaute und als Volljähriger erstmals ein Gefängnis von innen kennenlernte.

Sellou und Sy gleichen einander wie der Apfel dem Ei: Der eine ist klein, untersetzt und kommt aus Nordafrika, der andere hochgewachsen, schwarz und aus einer der Pariser Vorstädte, deren Probleme Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy mit einem Hochdruckreiniger lösen wollte. Humor haben beide. Sellou sagt von Omar, dass dieser ein schwarzer Stängel sei, er hingegen wie Shrek.

Alle guten Dinge sind drei. Zuerst war da die 2001 erschienene Autobiografie des Ex-Chefs der Champagnerfirma, dann der sensationelle Kinoerfolg und nun die in Deutschland und Frankreich zeitgleich erschienene Lebensgeschichte Sellous. Reiner Marketingcoup, um auf die Erfolgswelle des Films aufzuspringen? „Nach dem Film fragten mich alle, wer denn dieser Abdel sei. Einige glaubten, ich sei ein Nutznießer gewesen“, erklärte der Franzose algerischen Ursprungs in einem Interview mit der französischen Presse.

Bisher löste das Buch kaum Reaktionen aus. Dabei ist es kurzweilig und unterhaltsam geschrieben, vor allem wenn Sellou seine Monate im Gefängnis wie einen „Club Med“-Aufenthalt beschreibt, nur ohne Sonne und Miezen.

Heute lebt Sellou in Algerien und Paris, ist Unternehmer und Vater dreier Kinder. Über seine früheren Dummheiten lacht er mittlerweile. Im Französischen heißt der Originaltitel „Tu as changé ma vie“ (Du hast mein Leben verändert), ein Titel, der auch treffend auf den Film gepasst hätte.

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mo, 19.03.2012  11:56
aktualisiert: Mo, 19.03.2012  12:09
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