Häuptlinge von einst und jetzt
Von Stefanie Kammerlander
Gottlob, der Beruf eines Rauchfangkehrers hat ihn nur vorübergehend interessiert, nämlich in den paar Stunden des Faschingsumzuges. Manfred Scheuer, heute Bischof der Diözese Innsbruck und als Erzbischof von Salzburg im Gespräch, war in seiner Kindheit bei einigen Faschingsfesten in verschiedenen Rollen anzutreffen. Etwa als kleiner Prinz in Begleitung eines Schaffners. Der ältere Bruder Franz steckte in dieser damals sehr beliebten Uniform.
Die Hitliste der Faschingskostüme führten vor Jahrzehnten bei den Buben der Cowboy und der Indianer an – dicht gefolgt von Handwerksberufen. Aus einem einfachen Grund. Mit ein wenig handwerklichem Geschick konnten diese Verkleidungen von Müttern kostengünstig hergestellt werden. Meist ergänzte nur ein simples gekauftes Accessoire die Maskerade.
„Meine Oma hat alle Faschingskostüme selbst genäht“, erzählt die Tiroler Künstlerin Patricia Karg. Allerdings konnte der kleine Blondschopf von damals noch nicht mitentscheiden, in welche Rolle er schlüpfen würde. „Nur meine erste Verkleidung, das Rotkäppchen, war ganz allein für mich genäht worden. Später erbte ich Jahre hindurch die Kostüme meiner Schwestern. Und die waren immer männlich“, lacht die Frau, deren Kreativität sich später in der Bildhauer und Malerei voll entfalten sollte. Patricia Karg erinnert sich an Maskierungen als Räuberhauptmann, als Kaminkehrer, Spanier, Chinese, Clown, Indianer und auch als Kunstmaler.
Vater Karg war in diesem Fall fast „seherisch“ unterwegs, als er damals seiner Phantasie freien Lauf ließ. Auf das Künstleroutfit hatte er Dorfgeschichten gemalt und geschrieben. Für Festgäste war es nun sehr interessant zu erfahren, was denn auf dem Hemd zu lesen und zu bestaunen sei. Und so drehten und wendeten sie die kleine Kunstmalerin, um die Botschaften zu entziffern. „Das Outfit begleitet mich heute noch täglich“, erzählt Patricia Karg. Und den Fasching, den liebt sie noch immer heiß.
Die Berufskarriere von Reinhard Schretter (vom gleichnamigen Baustoffhersteller in Vils), Präsident der Tiroler Industriellenvereinigung, ist bekannt. Er kann allerdings auch auf eine beachtliche Faschingskarriere verweisen. Immerhin steckte er bereits 1957, als Zweijähriger, in seinem ersten Kostüm – er war das „Gänseliesele“. Zwei Jahre später wünschte sich der Knirps von damals ein Jägerskostüm, weil er seinen Vater oft in Jägerkleidung gesehen hatte. Im Jahr darauf mutierte der Fünfjährige zur Gärtnerin – mit passendem Hütchen, fehlenden Milchzähnen und mit Zöpfen. Und als Achtjähriger eroberte er als fescher Indianer mit Kriegsbemalung und Federschmuck das Festterrain.
Als trommelnder Bub in der ersten Reihe der Faschingstruppe – das war seinerzeit die Ausnahme von der Regel. Wenn es nach dem Willen des kleinen Marc gehen sollte, wäre er in jedem Fasching Cowboy gewesen. „Ich glaube, dass ich sicher zehnmal der Westernheld war“, erzählt der Volksmusikstar Marc Pircher. Nur ein einziges Mal sei er als Kind in anderer Kostümierung anzutreffen gewesen, als Pumuckl. „Cowboy- und Westerngeschichten haben mich eben von klein auf interessiert“, sagt Marc Pircher. Und an der Faszination hat sich bis heute nichts geändert.



