Treu bis in den frühen Tod
Von Helmut Pechlaner
Uns Menschen ist eine lebenslängliche Partnerschaft mit Treue keinesfalls in die Wiege gelegt. Ist ein solches Verhalten sinnvoll, ist es angeboren? Wie läuft das bei unseren tierischen Verwandten?
Hier entscheiden die angeborenen Verhaltensweisen, welche sich in der stammesgeschichtlichen Entwicklung über Jahrmillionen bewährt haben. Aber eines gilt für die gesamte höhere Lebewelt unseres Planeten: Wer der Vater des gewünschten Nachwuchses wird, das entscheidet die Mutter!
Nur das prächtigste Männchen, besonders auffällig (schön) gefärbt, behaart oder befiedert, wird als das Gesündeste von den Weibchen erhört. Viele Männchen wollen durch besonders auffälliges Benehmen, durch Geruch oder Geschenke den Weibchen imponieren. Partnerschaftliche Treue ist in der Tierwelt die ganz, ganz große Ausnahme.
Die genetisch allernächsten Verwandten von uns Menschen sind die Bonobos. Diese Menschenaffen sind das Paradebeispiel für eine Gruppe, in der keinerlei sexuelle Schranken bestehen. Von allen Gruppenmitgliedern wird akzeptiert, dass auch als Zeichen des Wohlfühlens oder der Versöhnung sexueller Kontakt jederzeit mit jedem/jeder möglich ist.
Bei den Rhesusaffen wird es schon komplizierter. Die Weibchen haben zwar kein Problem damit, dass ein Macho die Sippe beherrscht, trotzdem verstehen sie es geschickt, durch entsprechende Ablenkungsmanöver sich mit anderen jungen Männchen zu paaren.
Auch bei unseren Murmeltieren in den Alpen gibt es ein männliches Familienoberhaupt, das die Weibchen bewacht, beschützt und allein für deren Nachwuchs sorgen will. Doch auch hier gehen die Weibchen hinter seinem Rücken auf Nummer sicher. Sie verschwinden an den fruchtbaren Tagen für einige Stunden in Richtung benachbarter Murmeltierkolonie und paaren sich dort mit anderen Männchen.
So konnte Walter Arnold nachweisen, dass in einem Wurf von sechs jungen Murmeltieren drei Väter beteiligt waren. Haben wir nicht vor Kurzem von einem „Vater“ gelesen, der glaubte, mit seiner Partnerin vier eigene Kinder aufzuziehen, doch alle waren Kuckuckskinder?
Ein russischer Autor schreibt: „Elche sind fakultativ monogam.“ Das heißt, sie haben immer nur einen Partner, je nach Gelegenheit. Tatsächlich schließt sich eine Elchkuh einem kräftigen Bullen an, die beiden bleiben zusammen, bis sich Nachwuchs ankündigt, dann wird der Bulle freigegeben, bis ihn eine andere Elchkuh als Partner haben will. Elefantenherden bestehen aus einer Leitkuh, ihren Töchtern, vielleicht auch Schwestern und den Kindern. Elefantenbullen streifen einsam durch den Lebensraum. Sie werden erst angelockt, wenn ein Weibchen brünstig ist. Dann müssen kämpfende Bullen der Elefantendame ihre Stärke beweisen, bis diese sich für einen entscheidet. Nach der Paarung hat dieser wieder zu verschwinden.
„Treue, bis dass der Tod euch scheidet“, das gibt es auch in der Tierwelt kaum, meist nur mit Ausnahmen. Rabenvögel, vor allem der mächtige Kolkrabe, gelten als lebenslang treu, das Gleiche gilt für unseren Steinadler, wobei sogar behauptet wird, dass diese Vögel nach Verlust ihres Partners einsam bleiben. Doch auch hier gilt der Grundsatz: „Gelegenheit macht Liebe.“
Die einzigen Fälle von „Treu bis zum Tod“ im Tierreich hängen wohl damit zusammen, dass der Tod unmittelbar nach der Paarung stattfindet. Spinnen, wie die Schwarze Witwe, fressen das Männchen gleich nach der Kopulation auf. Die männlichen Bienen, die Drohnen, müssen auch gleich nach dem Paarungsflug mit der Bienenkönigin sterben.
Aber auch in der Welt der Säugetiere gibt es Vergleichbares: Alle australischen Breitfußbeutelmäuse werden als Halbwaise geboren. Der Paarungsakt der Eltern ist derartig intensiv, lang und Kräfte raubend, dass jede männliche Breitfußbeutelmaus gleich anschließend stirbt, der Vater stirbt für seine Kinder!





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