24.09.2012
Gesundheit

Schlüsselsafe schürt Ängste

Seit beim Hausnotruf mehrere Rettungsdienste anrücken, werden Hausschlüssel in einem Safe vor Ort deponiert. Das ängstigt Senioren – und spießt sich mit dem Denkmalschutz.

Von Elke Ruß

Innsbruck – Es klingt ganz einfach: Der Patient trägt ein Armband mit einem Handsender, den er im Notfall drückt. Sofort stellt das Gerät eine Verbindung zur Hausnotrufzentrale des Roten Kreuzes her. Muss diese Retter losschicken, liegt der Wohnungsschlüssel in einem Tresor in der Zentrale bereit.

Seit Juli 2011 ist das anders: So wie neben der Post andere Zusteller Zugang zum Briefkasten haben, müssen auch mehrere Rettungsorganisationen in die Wohnung können: Durch eine Änderung im Tiroler Rettungswesen stehen jetzt für die Alarmierung nämlich Rotes Kreuz, Johanniter, Arbeiter Samariterbund und die Malteser zur Verfügung. Die Schlüssel der Hausnotrufklienten werden deshalb sukzessive vor Ort in Schlüsselsafes deponiert.

Einer Hallerin macht dies große Sorgen: „Sicherheitskräfte rufen uns immer wieder medial auf, Türen und Fenster besser als bisher zu schützen. Ist es dann nicht fahrlässig, seine Schlüssel direkt vor dem Haus, neben der Haustür zu deponieren?“, fragt sie. Dadurch seien „alle Häuser, in denen ältere, alleinstehende Menschen leben, gekennzeichnet“.

Sogar die Rettungskräfte selbst würden raten, die „auffallenden Kästchen“ zu verstecken. Außerdem habe das Denkmalamt die Montage vorübergehend untersagt, berichtet die Seniorin. Jetzt seien die Schlüssel im Haller Krankenhaus deponiert.

Tatsächlich rät das Rote Kreuz von der Anbringung des Safes direkt neben der Tür ab, bestätigt Tobias Gössler vom RK-Hausnotruf. „Er kann auch hinter dem Haus, im Schuppen oder sogar beim Nachbarn montiert sein, wenn der einverstanden ist“, sagt Gössler. „Wir bemühen uns sehr um eine optimale Lösung für den Kunden und stehen auch mit den Hausverwaltungen in Verbindung.“

Wie er zum Ablauf erklärt, müssen Neukunden das Kastl um 30 Euro kaufen, Stammkunden können zwischen Kauf und Leihgabe (bei späterer Demontage) wählen. Bei einem Notruf verständigt die Hausnotrufzentrale die Leitstelle, diese schickt den nächsten verfügbaren Wagen los. Sobald er den Einsatzort erreicht, kontaktiert die Crew die Hausnotrufzentrale und erfährt Versteck und Code des Schlüsselsafes. „Diesen Code geben wir keinem Dritten bekannt, auch nicht der Leitstelle“, betont Gössler. Alternativ kann den Schlüssel auch eine Vertrauensperson bekommen – sie müsse für die Rettungskräfte aber „tatsächlich immer erreichbar sein“.

Die Deponierung der Schlüssel in Bezirkskrankenhäusern – und sogar bei großen Firmen mit Nachtportierdienst wie Swarovski – nennt Gössler nur eine „Übergangslösung“, bis flächendeckend die Schlüsselsafes montiert seien. „Das ist teilweise schon ausgelaufen.“

Das Problem mit dem Denkmalamt gibt es primär in Hall, nicht aber z. B. in der Innsbrucker Altstadt, erklärt Gössler: „In Innsbruck montieren wir keine Safes, weil die Schlüssel da in der Hausnotrufzentrale sind. Und die ist rund um die Uhr besetzt.“

Landeskonservator Werner Jud bestätigt ein Telefonat zum Thema mit dem Roten Kreuz, spielt den Ball aber wieder zurück. Er finde es „fragwürdig, die ganze Stadt mit Kästen zuzupflastern, die keiner mehr herunterholt“. Es gebe Fälle, wo sie nur drei Monate gebraucht würden, dann seien die Klienten im Heim. In der Stadt gebe es häufig auch keine Hinterhöfe, um die Kästen zu verstecken. „In der Altstadt sind sie problematisch. Wieso können die Schlüssel nicht zentral deponiert werden?“, fragt Jud. Wenn nicht im Krankenhaus, „wieso nicht in einer Polizeistation, die immer besetzt ist?“ Die Diskussion sei noch nicht zu Ende. Vorläufig müsse man „jeden Einzelfall beurteilen. Generelle Verbote gibt es natürlich keine.“

Safe oder nicht: Auch niemand, der das Kastl von sich aus ablehnt, muss fürchten, vom Hausnotruf ausgeschlossen zu werden: Kein Safe bedeutet aber oft Umwege und Verzögerungen, weil die Einsatzkräfte erst den Schlüssel (oder Schlüsseldienst) holen müssen. Laut Gössler bestehen einzelne Kunden trotzdem darauf, dass ihr Schlüssel in der z. B. nachts unbesetzten RK-Bezirkszentrale bleibt. „Es gibt auch Kunden, die generell sagen: Kein Schlüssel – im Notfall brecht die Tür auf!“

Mittlerweile habe man in Tirol 4000 Kunden und 2500 Safes. Einbrüche und sonstige Zwischenfälle seien ihm keine bekannt, betont Gössler. Der Hausnotruf selbst ist übrigens nicht an ein ärztliches Attest gebunden. „Den Dienst kann jeder haben, den nutzen teilweise auch Firmen für ihre Portiere.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mo, 24.09.2012
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