HIV schon als Baby: Uganda sagt Mutter-Kind-Übertragung Kampf an
![]()
Uganda hat der Mutter-Kind-Übertragung den Kampf angesagt – und will mit einem neuen Programm Zehntausende Kinderleben retten.
Foto: AP
|
||
Addis Abeba, Kampala – Aids ist weltweit noch immer stigmatisiert. Ungeschützter Sex, Drogen, schmutzige Nadeln werden mit dem Begriff assoziiert. Dass aber unzählige Kinder bereits mit dem Virus auf die Welt kommen, wird häufig vergessen. Speziell in Afrika, wo viele Familien in weit entlegenen Regionen fernab jeder Krankenversorgung leben, ist das ein schweres Los. Uganda hat der Mutter-Kind-Übertragung den Kampf angesagt – und will mit einem neuen Programm Zehntausende Kinderleben retten.
Etwa 15 bis 45 Prozent der frischgeborenen Kinder infizierter Mütter ohne Medikamente tragen nach Auskunft der Weltgesundheitsorganisation WHO das Virus in sich. Stillen erhöht den Anteil weiter. Das größte Ansteckungsrisiko besteht bei der Geburt.
Problem: Tablette muss in Kliniken verabreicht werden
Für lange Zeit wurde in der Prävention von Mutter-Kind-Übertragung (PMTCT) Nevirapin genutzt. „Studien in Uganda haben gezeigt, dass die einmalige Einnahme des Medikaments zu Beginn der Wehen die Möglichkeit einer Übertragung um 11 bis 50 Prozent verringern kann“, sagt die Kinderärztin Sabrina Bakeera-Kitaka.
„Das einzige Problem mit dieser Präventionsmethode ist, dass die Tablette in Kliniken verabreicht werden muss - und nur 42 Prozent aller Frauen in Uganda bringen ihre Kinder in Krankenhäusern zur Welt.“ Dies stelle nach wie vor eine große Gefahr für die Kinder HIV-positiver Mütter dar, betont Bakeera-Kitaka.
Programm „Option B+“ sieht lebenslange Einnahme des Medikaments vor
Das neue Programm heißt „Option B+“ und sieht die lebenslange Einnahme eines antiretroviralen Medikaments statt der Einmaldosis vor. „Eine Tablette beinhaltet drei Wirkstoffe - Zidovudin, Nevirapin und Combivir - und muss einmal täglich eingenommen werden. Das ist selbst für ungebildete Mütter leicht zu verstehen“, erklärt die Kinderärztin. „Das Infektionsrisiko verringert sich auf diese Weise auf 0 bis 4 Prozent.“
Seit HIV Anfang der 1980er-Jahre erstmals in Uganda aufgetaucht war, haben sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Kampala 2,5 Millionen Menschen mit dem Virus angesteckt. Die Hälfte von ihnen starb später an Aids. Weiterhin gibt es jährlich rund 130.000 Neuinfektionen - 25.000 davon sind Kinder, die das Virus bereits in sich tragen, wenn sie das Licht der Welt erblicken.
Die millionenschweren Projekte, mit denen das Land seit Jahren versucht, die Krankheit einzudämmen, werden vorwiegend vom Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (GF), UNAIDS und dem US-Hilfsprogramms Pepfar finanziert. Nun hat die Regierung zunächst 25.000 Packungen des Medikaments für 2,5 Millionen Dollar (1,9 Millionen Euro) angekauft. Das neue Programm wird zunächst in zehn Distrikten getestet, in denen die Zahl der Neuinfektionen traditionell am höchsten ist.
Plan vermutlich nicht umsetzbar
Besonders wichtig ist es dabei, den betroffenen Schwangeren und Müttern die Vorteile von „Option B+“ genau zu erklären, sagt Maria Nannyonga, die das Programm im Nsambya-Krankenhaus in der Nähe von Kampala leitet. „Bisher haben wir uns immer auf die Babys konzentriert, aber jetzt geht es auch um die Mütter, die nun selbst aktiv werden müssen. Wir werden ihnen genau erklären, wie sie das Medikament einnehmen müssen, damit sie ihre Kinder nicht infizieren und selbst nicht resistent gegen die Wirkstoffe werden.“
Das Problem ist - wie so oft - dass der Plan theoretisch perfekt, aber praktisch vermutlich nicht umsetzbar ist. Denn es handelt sich bisher lediglich um einen kostspieligen Versuch, der nur wenigen Auserwählten zugutekommt. Dickson Wabwire, der eine Klinik in Mukono östlich der Hauptstadt leitet, bringt es auf den Punkt: „Dies ist wirklich eine sehr effiziente Methode und die Ergebnisse sind hervorragend. Aber so viele Frauen, die die Tabletten benötigen, haben weiterhin keinen Zugang dazu.“ (dpa)
aktualisiert: Mi, 26.09.2012 10:03



