Die letzten Stunden vor dem Start des Stratosphärensprungs
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Felix Baumgartner wird voraussichtlich am Dienstag den Sprung aus 36 Kilometern Höhe wagen.
Foto: Reuters
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Roswell – Die letzten 24 Stunden, bevor der Salzburger Felix Baumgartner aus einer Höhe von 36 Kilometern springen will, sind angebrochen. Wenn das Wetter weiterhin mitspielt, wird der Stratosphärensprung am Dienstag stattfinden. Baumgartner, der sich seit fünf Jahren auf die Mission „Red Bull Stratos“ vorbereitet hat, will trotz Aufregung in den letzten Stunden zur Ruhe kommen. „Ich mache mir wahrscheinlich die meiste Zeit Sorgen, wenn ich in den Stunden vor dem Sprung versuche zu schlafen - dann ist alles ruhig, und ich bin mit meinen Gedanken alleine. Wenn mein Tag beginnt, hab‘ ich dennoch viel zu tun, damit ich mich ablenken kann.“
Baumgartner startet mit einem leichten Ausdauertraining in den Tag, hat ihm High-Performance-Direktor Andy Walshe verordnet. Danach geht Baumgartner zurück ins Hotel, um sich auszuruhen. Dabei will er seine Familie und seine Freunde bei sich haben. Den Kopf bekommt er frei, wenn er Unterstützungsbriefe aus der ganzen Welt liest, die er gesammelt hat.
Zu Mittag will der 43-Jährige mit seiner Crew zusammen essen. Seine Speisen dürfen 24 Stunden vor dem Start jedoch nichts Blähendes enthalten, das könnte ihm durch den niedrigen Luftdruck in der Stratosphäre Probleme bereiten.
Zwölf Stunden, bevor der Ballon mit Baumgartner in der Kapsel abhebt, wird der Salzburger schlafen gehen. Der Schlaf ist für seinen Körper enorm wichtig, ehe er 4,5 Stunden vor dem Start aufgeweckt wird. „Wenn ich bereit bin, dann bin ich immer bereit“, so Baumgartner. Eine Stunde später wird er im Startbereich ankommen, um von seinem Team - darunter Chef-Meteorologe Don Day - empfangen und gebrieft zu werden.
Zweieinhalb Stunden vor dem Start wird der 43-Jährige in seinem Trailer einem letzten medizinischen Check unterzogen, ehe er in seinen Raumanzug steigt. Danach muss Baumgartner zur Vorbereitung auf die Stratosphäre zwei Stunden lang reinen Sauerstoff einatmen, um den Stickstoff aus dem Blut zu bekommen. 30 Minuten vor dem Launch betritt Baumgartner seine Kapsel, wo er den Countdown abwartet.
Sieben Mediziner an Baumgartners Seite
Fünf Jahre hat sich Felix Baumgartner auf seinen Sprung aus der Stratosphäre vorbereitet. Um die Schallgeschwindigkeit im freien Fall sicher übertreffen zu können, muss der Salzburger Extremsportler körperlich und mental in Topform sein, um trotz der Einschränkungen eines Volldruckanzuges, der extremen Bedingungen in der Stratosphäre und des selbst auferlegten Drucks, die Mission erfolgreich zu absolvieren. Seit Joe Kittinger seinen Sprung aus einer Höhe von 31 Kilometern im Jahre 1960 absolviert hat, sind viele Leute beim Versuch, ähnliche Rekorde aufzustellen, gescheitert oder gar umgekommen. Wenn Baumgartner springt, ist er unter ständiger medizinischer Beobachtung. Sieben Ärzte werden sich um sein Wohl kümmern.
Baumgartner wird von einem tatkräftigen medizinischen Team unterstützt, das von Raumfahrtmediziner Jonathan Clark geleitet wird. Clark war bereits sechs Mal als Arzt auf einem Space-Shuttle. Während des Sprungs achten sieben Mediziner sowie ein Kontingent von gut ausgebildetem medizinischen Personal auf das Wohlergehen des Extremsportlers. Das medizinische Team ist während des Sprungs sowohl am Boden als auch in der Luft stationiert, um im Notfall so schnell wie möglich zu Baumgartner zu gelangen.
Clark wird den gesamten Flug des Salzburgers vom Mission Control Center aus beobachten, um von dort sein Team zu koordinieren. Wenn bei der Mission Control nur ein Anzeichen von Schwierigkeiten im Aufstieg oder im freien Fall erkannt wird, kann das medizinische Team sofort eingreifen. Am Startplatz, am Boden und in der Luft stehen die Helfer bereit. Ein weiterer Arzt ist bei Baumgartner im Trailer, untersucht ihn ein letztes Mal und ist dabei, wenn er zur Vorbereitung reinen Sauerstoff bekommt. Er begleitet ihn auch zur Kapsel, wenn der Extremsportler bereits seinen Raumanzug trägt.
Dieser Arzt steigt danach in einen Helikopter, um den Aufstieg und den Fall aus der Luft aus zu beobachten. Zeitgleich begleiten zwei Fahrzeuge mit den Medizinern den Aufstieg von Baumgartner. Baumgartner ist zudem mit vier GPS-Geräten ausgestattet. Der Bergehubschrauber ist speziell ausgerüstet, um im Fall von Lungenschädigungen mit flüssigem Sauerstoff sofort eingreifen zu können. Eine Lungenschädigung ist eine besondere Gefahr, wenn man mit dem niedrigen Druck in der Stratosphäre in Kontakt gerät. Zudem kann dieser Arzt im Feld sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen, traumatische Kopf-oder Wirbelsäulenverletzungen stabilisieren oder Wunden behandeln.
„Wir können innerhalb von Sekunden bei Felix sein“, erzählte Clark. Beim ersten Testsprung war das Bodenteam schneller als der Helikopter - aufgrund des unwegsamen Geländes, erklärte der Mediziner. Bei einem Notfall sei jedoch der Hubschrauber die „erste Antwort“, so Clark. Dieser würde dann Baumgartner zu einer nahe stehenden Flugrettung bringen, die ihn so schnell wie möglich in das nächste Spital bringen wird. Mehrere Krankenhauseinrichtungen seien informiert und stünden mit Druckkammern, die mit der Behandlung von Dekompressions-Verletzungen vertraut sind, bereit.
„Felix ist in einem enorm guten körperlichen Zustand“, zeigte sich Clark optimistisch. „Alle Daten, die beim Sprung gewonnen werden - Körpertemperatur, Puls oder Blutdruck - werden wissenschaftlich ausgewertet“, so der Mediziner.
Das gesamte medizinische Personal arbeitet ehrenamtlich und außerhalb ihrer Dienstzeit für das Projekt Stratos. (APA)
aktualisiert: So, 14.10.2012 17:12

