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Innsbrucker Physiker Zoller mit renommiertem Wolf-Preis geehrt

Der 60-jährige Tiroler Peter Zoller wird für seine „grundlegenden theoretischen Beiträge zur Quanteninformationsverarbeitung, Quantenoptik und zur Physik von Quantengasen“ geehrt.

Jerusalem, Innsbruck, Wien - Der Innsbrucker Quantenphysiker Peter Zoller (60) ist Sonntag Nachmittag in Jerusalem mit dem renommierten Wolf-Preis für Physik 2013 ausgezeichnet worden. Er teilt sich die von der Wolf-Stiftung in Israel vergebene, mit 100.000 Dollar (75.809,26 Euro) dotierte Auszeichnung mit seinem aus Spanien stammenden Fachkollegen Ignacio Cirac. Die beiden Physiker werden für ihre „grundlegenden theoretischen Beiträge zur Quanteninformationsverarbeitung, Quantenoptik und zur Physik von Quantengasen“ geehrt.

„Es ist eine große Ehre und ein Privileg, diesen Preis mit Ignacio Cirac zu erhalten. Dies ist eine Anerkennung für eine lange und fruchtbare wissenschaftliche Zusammenarbeit“, wird Zoller in einer Aussendung des Europäischen Forschungsrats (ERC) zitiert, der dem Physiker Ende vergangenen Jahres einen hoch dotierten Förderungspreis zuerkannt hat. Zoller forscht und lehrt an der Universität Innsbruck und ist Wissenschaftlicher Direktor am Institut für Quantenphysik und Quanteninformation (IQOQI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Cirac ist Direktor am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching, davor wirkte er von 1996 bis 2001 als Professor für Theoretische Physik an der Uni Innsbruck. Die beiden Physiker verbindet eine langjährige Zusammenarbeit. 1995 schlugen sie ein Modell eines Quantencomputers vor, der auf der Wechselwirkung von Lasern mit kalten, in Magnetfallen gespeicherten Ionen basiert.

In diesem vorgeschlagenen Aufbau gelang Zollers Innsbrucker Kollegen Rainer Blatt 2004 die erste Teleportation mit Atomen, also die Übertragung von Quanteninformation von einem auf ein anderes Atom. Zwei Jahre später schaffte es Blatts Gruppe, acht Ionen miteinander zu verschränken, was als Erzeugung des ersten „Quantenbytes“ in die Annalen einging. Mittlerweile arbeiten die Wissenschafter mit einem aus 14 verschränkten Ionen bestehenden Quantencomputer, womit Blatt seit 2011 den Weltrekord hält.

Wolf-Preis gehört zu den angesehensten Wissenschaftsauszeichnungen

Der seit 1978 vergebene Wolf-Preis zählt heute zu den angesehensten Wissenschaftsauszeichnungen und wird in den Gebieten Chemie, Mathematik, Medizin, Physik, Landwirtschaft und Kunst verliehen. Von den bisherigen 50 Physik-Preisträgern wurden 15 in den nachfolgenden Jahren mit dem Nobelpreis bedacht. Unter den Preisträgern für Physik finden sich etwa Stephen Hawking, Roger Penrose, der aus Österreich stammende US-Wissenschafter Victor Weisskopf und der Wiener Physiker Anton Zeilinger (2010). Die Ehrung am Sonntag nahm der israelische Staatspräsident Shimon Peres im israelischen Parlament, der Knesset, vor.

Zoller wurde am 16. September 1952 in Innsbruck geboren und studierte in seiner Heimatstadt Physik. 1977 wurde er promoviert und Assistent am Institut für Theoretische Physik. Zwischen 1978 und 1980 forschte er als Max Kade Stipendiat an der University of Southern California und ging nach Auckland (Neuseeland). 1981 habilitierte sich Zoller in Innsbruck. 1991 wurde er zum Professor für Physik am Joint Institute for Laboratory Astrophysics (JILA) der University of Colorado in Boulder (USA) berufen, 1994 kehrte er an die Uni Innsbruck zurück, seit 2003 ist er auch einer der IQOQI-Direktoren.

Zoller erhielt u.a. die Blaise-Pascal-Medaille in Physik (2011), die Benjamin Franklin Medaille für Physik (2010), den BBVA Foundation Frontiers of Knowledge Award (2009), die Dirac-Medaille, den International Quantum Communication Award (beide 2006), die Niels Bohr-Goldmedaille der UNESCO, die Max Planck-Medaille (beide 2005) sowie 1998 mit dem Wittgenstein-Preis die höchste österreichische Wissenschafts-Auszeichnung. Der ERC hat ihm gemeinsam mit drei Forschern aus Deutschland, Frankreich und Israel einen mit knapp 10 Mio. Euro dotierten „Synergy Grant“ zuerkannt, einen Förderpreis für wegbereitende Pionierforschung von kleinen Gruppen von Wissenschaftern mit einander ergänzenden Fähigkeiten und Kenntnissen. (APA)