14.01.2012
Auto Test

Neuer Ringe-Träger als Erfolgsgarant

Die Verwandtschaft und die Nachbarschaft müssen sich anschnallen: Der fahrdynamische und komfortable Audi Q3 hat das Zeug, dem erfolgreichen VW Tiguan ans Zeug zu flicken – und dem BMW X1.
Infobox

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Turbodiesel

Hubraum: 1968 ccm

Drehmoment: 380 Nm bei 1750 U/min

Leistung: 130 kW/177 PS

L/B/H: 4385/1831/1608 mm

Gewicht: 1660/2185 kg

Kofferraumvolumen: 460–1365 l

Tankinhalt: 64 l

Höchstgeschwindigkeit: 212 km/h

0–100 km/h: 8,2 Sekunden

Verbrauch: 7,0 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: ab 39.900 Euro

CO2-Emission: 156 g/km

Von Markus Höscheler

Innsbruck – Audis jüngste Erfahrungen mit kleineren Modellreihen fördern Zwiespältiges zu Tage. Zwar gelang dem Ingolstädter Hersteller mit dem Kleinwagen A1 ein viel beachteter, hochwertig gestalteter Wurf – doch die Kunden haben den Dreitürer bisher nicht so angenommen, wie es sich die Entscheidungsträger in Bayern und deren Aufpasser in Wolfsburg wohl erwartet haben. Möglich, dass sich die A1-Verkäufe besser entwickeln, wenn die fünftürige Variante (Sportback) in Kürze auf den Markt kommt.

Bessere Karten, von Anfang an, hat der Q3. Er bewegt sich seit Herbst in einem Segment, das stetig im Wachsen begriffen ist: kompakte Sports Utility Vehicles. Hier sammelt sich immer mehr Konkurrenz, hier verblüffen Freunde und Feinde mit stark nachgefragten Fahrzeugen, etwa Volkswagen mit dem Tiguan oder BMW mit dem X1. Verständlich ist es daher, dass sich die Vier-Ringe-Marke die profitversprechende Chance nicht entgehen lassen möchte, zumal sie mit der Q-Reihe schon zahlreiche Erfolge feiern konnte. Der wuchtige Q7 konnte von Beginn an stark begeistern, der etwas kürzer ausgefallene Q5 schafft das heute noch. Und dennoch: Es gibt Spielraum im kompakten Bereich – und den soll der Q3 für sich in Anspruch nehmen.

Unvermeidlich ist bei seinem Auftritt die markentypische Front. Unbescheiden dominiert der Singleframe-Kühlergrill mit oben angeschrägten Ecken die Front, schlank gehalten sind die Frontscheinwerfer, die Platz lassen für Audi-Lichtspiele, also dem besonderen LED-Tagfahrlicht. Das ärgert vor allem die Mitbewerber, die Kunden freut es jedoch weiterhin.

Doch nicht nur deswegen stellt sich ein dauerhaftes Wohlgefühl ein: Der Q3 ist attraktiv gezeichnet, erkennbar etwa an der coupéförmig geschwungenen Dachlinie und dem schräg abfallenden Heckfenster. Das kostet zwar Übersicht nach hinten beim Rangieren und natürlich auch Ladevolumen, doch das befindet sich immer noch im nutzbaren Bereich. Allein netto bietet der Q3 460 Liter an – da kapituliert manche Mittelklasselimousine. Für unsere Reisebedürfnisse hat sich Audis Neuling jedenfalls in bester Hinsicht empfohlen.

Größte Erwartungen hatten wir, was das 177 PS starke Vierzylinder-Dieselaggregat betraf. Es sollte harmonisch abgestimmt sein, rasch reagieren, über Ausdauer verfügen und nebenbei einen verantwortungsvollen Umgang mit dem zur Verfügung stehenden Treibstoff pflegen. Respekt müssen wir zollen, denn die Ingenieure haben einen Selbstzünder mit besten Manieren unter die Fronthaube verbaut: zurückhaltend im Ton, reaktions- und antrittsfreudig sowie genügsam.

Im Test benötigte der Q3 lediglich 7,0 Liter je 100 Kilometer – und das bei eher ungünstigen Rahmenbedingungen. So wiegt das kompakte SUV fast schon 1,7 Tonnen, auch geschuldet dem vorzüglich traktionssicher agierenden Quattro-Antrieb und dem Siebengang-S-tronic-Doppelkupplungsgetriebe. Dieses sorgt für geschmeidige, nahezu zugkraftunterbrechungsfreie Stufenwechsel.

Präzise empfanden wir die Lenkung, ausreichend komfortabel und sehr berechenbar das Fahrwerk. Klar, dass wir angesichts des stressfreien Vorankommens Zeit genug hatten, um die Einrichtung des ab 39.900 Euro erhältlichen Q3 2.0 TDI quattro genauer zu beäugen. Die verwendeten Materialien beeindrucken mit ihrer Qualität, ihr Handwerk ebenso. Zusätzliche Behaglichkeit erfuhren wir durch die Sonderausstattung, insbesondere die Lederausführung. Gemeinsam mit weiteren Annehmlichkeiten, etwa dem bewährten Navigationssystem MMI plus, sorgt das feine Gestühl allerdings dafür, den zuvor erwähnten Basispreis um zahlreiche Tausender zu erhöhen. Und zwar um erfolg- und genussversprechende Tausender.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 14.01.2012
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