12.09.2012, 15:08  Aktualisiert: 12.09.2012, 21:07 
Innovation

Digitales Leben nach dem Tod

QR-Codes auf Grabsteinen sollen bald auch in Österreich die Erinnerung an Verstorbene lebendig halten.

Innsbruck – Auf japanischen Grabsteinen öffneten bereits vor vier Jahren die ersten sogenannten QR-Codes das Tor zu einem virtuellen Gedächtnisraum. QR, das steht kurz für „Quick Response“, die schwarz-weißen Quadrate werden mit Smartphone oder Tablet gescannt, um ihr digitales Leben zu entfalten: Websites, Fotos, Audiofiles oder Videos erscheinen am Display. Bislang wurde diese Möglichkeit Links zu hinterlegen vor allem zu Werbezwecken genutzt. Nun soll dadurch auch hierzulande eine neue Gedächtniskultur Einzug halten. Zumindest wenn es nach den Plänen des sozialen Trauerportals Aspetos, www.aspetos.at , geht. Denn ab Herbst sollen QR-Codes für sämtliche Trauerprofile zur Verfügung gestellt werden.

Die auf der Plattform hochgeladenen Videos, Nachrufe oder Kondolenzbücher könnten dann direkt am Grab abgerufen werden. Dieser Brückenschlag zwischen realem und virtuellem Leben soll bei der Trauerarbeit helfen: „Der QR-Code ist eine Erweiterung der Gedenkstätte. Bislang waren auf dem Grabstein ja meist nur Name, Geburts- und Sterbedatum zu lesen. Nun gelangt man mittels Code und Smartphone direkt zu einer Gedenkseite, die von den Hinterbliebenen persönlich gestaltet und freigeschaltet werden kann“, erläutert Christine Pernlochner-Kügler von Aspetos.

Online für alle Ewigkeit

In Dänemark und Deutschland sorgten die ersten QR-Codes auf Grabsteinen unlängst für Schlagzeilen. Eine Diskussion über Pietät und Datenschutz ist entbrannt. Für Alexander Legniti vom städtischen Friedhofsreferat Innsbruck stellen QR-Codes auf Grabsteinen jedenfalls „Neuland“ dar. In Deutschland wurde etwa eine Störung der Besucher durch lärmende Inhalte befürchtet, Ligneti beruhigt diesbezüglich. „Das ist durch die Friedhofsordnung genau geregelt. Lärm zu machen ist ebenso wie Radfahren oder Rauchen verboten“. Jedes neue Grabdenkmal müsse grundsätzlich bewilligt werden. Eine Inschrift oder einen QR-Code bei einem bereits existierenden Grabstein hinzuzufügen stehe den Hinterbliebenen jedoch frei, „solange es sich dabei nicht um etwas unsittliches oder störendes handelt“, ergänzt Ligneti.

Bei Aspetos glaubt man jedenfalls, dass QR-Codes in Zukunft häufig auf Grabsteinen anzutreffen sein werden. Bedarf für das Online-Erinnern sei auf jeden Fall gegeben, so Jörg Bauer von Aspetos: „Das zeigen alleine die 40.000 Kerzen, die auf unserer Trauerplattform monatlich angezündet werden“. Auf die heutige Ankündigung demnächst QR-Codes zur Verfügung zu stellen, seien auch gleich zwei konkrete Anfragen eingegangen. „Ein älterer Herr hat angefragt, ob er den QR-Code schon jetzt haben kann. Er könne nicht so lange warten“, erzählt Bauer. (sire)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mi, 12.09.2012  15:08
aktualisiert: Mi, 12.09.2012  21:07
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