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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 07.06.2013

Google Maps

Die digitale Vermessung der Welt

Sich von Google Maps durch ein Jahrhunderthochwasser lotsen lassen? Kein Problem, zumindest theoretisch.

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Von Patricio Hetfleisch

Innsbruck, Zürich – Navigationsgeräte im Auto oder am Handy sind heute eine Selbstverständlichkeit. Doch die Herausforderungen für Anbieter von solchen Diensten sind größer geworden. Etwa, wenn sich Straßenverläufe ändern oder wenn – so wie in der vergangenen Woche – Brücken und sogar Autobahnen aufgrund eines Hochwassers nicht mehr befahrbar sind und sich Nutzer dennoch zuverlässige Funktionen erwarten.

Auch beim weltweit wohl fortschrittlichsten Anbieter Google Maps sind solche Fragestellungen immer wichtiger geworden. „Mapping the World“, also nichts weniger als die digitale Vermessung der Welt, lautet der Anspruch, den das Unternehmen an sich selbst stellt. Nur: Das Arbeiten an den Karten hört nie auf, weil sich die Realität ständig verändert. Beim Google-Maps-Team, das für Europa zuständig ist, hat man das beim Hochwasser drastisch vor Augen geführt bekommen. „Theoretisch ist es einfach. Eine Brücke ist gesperrt, wir nehmen sie aus der Routenplanung heraus und bei der Suche nach einer Verbindung wird diese dann einfach umfahren“, erklärt Raphael Leiteritz, Produktmanager von Google Maps in Europa, Afrika und dem Mittleren Osten im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. Doch benachbarte Brücken könnten ebenfalls gesperrt, die alternativen Routen damit ebenso unpassierbar sein. „Ein weiteres Problem ist, dass die Karten sehr komplex und in Schichten aufgebaut sind.“ Eine Lösung, die in Echtzeit für alle funktioniert, ist also alles andere als einfach zu finden.

Dabei ist Google mit Updates der Karten bereits um einiges schneller geworden. Änderungen, die vor Jahren nur alle paar Monate gemacht werden konnten, passieren heute teilweise in wenigen Minuten. „Das liegt auch daran, dass wir mit viel mehr eigenem Datenmaterial arbeiten als früher. Lizensiertes Kartenmaterial durften wir oft nicht ändern. Das hat uns die Arbeit erschwert.“

Um Änderungen kümmern sich heute Hunderte Mitarbeiter des so genannten „Ground Truth“-Teams bei Google. Dessen Mitarbeiter nehmen Feedbacks von Usern entgegen, gehen ihren Hinweisen nach und sorgen für Verbesserungen des Datenbestandes. Das Team ist auch zuständig für Karten, die teilweise vollständig auf Informationen von Usern beruhen. „In manchen Ländern wie Indien ist die Kartographie insgesamt einfach nicht so weit, wie etwa in Österreich.“ Dort gebe es aber interessierte Leute, die viel Zeit investieren, um Straßen, Gebäude usw. mit dem Map Maker von Google einzugeben. Der Map Maker funktioniere inzwischen wie „Wikipedia für Landkarten“, sagt Leiteritz.

Der Aufwand, den Google in den letzten acht Jahren betrieben hat, mündet nun in einem Neustart der Google Maps. „Es ist das größte Update seit dem Start des Angebots vor acht Jahren“, erklärt Leiteritz nicht ohne Stolz. Mit der neuen Version werden die Maps fit für das Zeitalter der mobilen Endgeräte wie Smartphones oder Tablet. „Inzwischen kommen weit über 50 Prozent aller Zugriffe auf unsere Maps von mobilen Endgeräten“, streicht Leiteritz die Rolle von Smartphones und Co. hervor. Die neuen Maps seien übersichtlicher, intuitiver benutzbar und vor allem für mobile Endgeräte optimiert.

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