23.02.2012
Bühne

Geduldspiel in den Archiven der Museen

Das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum dehnt die Provenienzforschung aus. Im Visier ist die Zeit vor 1938 und nach 1945.

Von Sabine Strobl

Innsbruck – Provenienzforschung bedeutet jahrelange Archivarbeit. Akt für Akt, Papierchen für Papierchen muss in die Hand genommen und gesichtet werden. Das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum hat seit ein paar Wochen immerhin eine Teilzeitkraft mehr, um die Herkunft von Kunstwerken und Gegenständen, die in der Nazizeit erworben wurden, sicherzustellen. Wie Direktor Wolfgang Meighörner im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung betont, geht es dabei nicht nur um den Zeitraum 1938 bis 1945. Durchforstet werden jetzt die Jahre zurück bis 1933 und nach 1945. „Das war eine turbulente Zeit, der wir uns intensiv widmen“, sagt Meighörner.

Hilfreich ist dabei der gute Archivbestand des Ferdinandeums. Schwieriger wird die Herkunftsrecherche von Kunstwerken im Landesbesitz, da hier der Aktbestand laut Meighörner lückenhaft ist. Wer heute Provenienzforschung betreibt, geht aber auch aus den eigenen Archiven hinaus und sucht die Zusammenarbeit mit privaten Institutionen und anderen Museen. Derzeit entstehen länderübergreifende Netzwerke. Das nächste Treffen von Nachforschern steht etwa im April in Graz an, informiert Claudia Sporer-Heis, Kustodin der Historischen Sammlungen im Ferdinandeum: „Wir werden nur weiterkommen, wenn die Netzwerke funktionieren“, sagt die Historikerin, „viele Augen sehen mehr.“ Wie die beiden Museumsfachleute eingestehen, hat sich die Zusammenarbeit mit dem Kunsthandel bislang als schwierig erwiesen. „Einige Personen geben Auskunft, andere aber auch nicht“, erklärt Meighörner. Die Gangart bezüglich Provenienzforschung im Landesmuseum steht für die nächste Zeit also fest: Ausdehnung über die Jahre 1938 bis 1945 hinaus, Kontakt mit dem Kunsthandel sowie Überprüfung der eigenen Käufe und der Bestände des Landes.

Steht man mit der Nachforschung zu ehemaligen Eigentümern und Erben von Kunstobjekten an, bleibt das Netz. Auch Werke von Albin Egger-Lienz finden sich auf der Internetseite der Tiroler Landesmuseen. Diese Werke ließ Gauleiter Franz Hofer in drei Kisten 1945 auf Schloss Friedberg unterbringen. 1951 wurden die Kisten im Ferdinandeum als Leihgabe des Landes inventarisiert. Der Sammlerkreis war vor dem Zweiten Weltkrieg in Tirol sehr klein. Interessant ist, dass Egger-Lienz aber unter Wiener Sammlern gefragt war. Die Aufforderung im Netz, Informationen über die Herkunft der Werke an das Museum zu leiten, blieb bislang erfolglos. Meighörner ist davon nicht unbedingt überrascht. Auch andere Aktionen bringen nicht immer Licht ins Dunkel. So erinnert er sich an eine Ausstellung der Oberösterreichischen Landesmuseen mit Werken fragwürdiger Herkunft, Hinweise kamen keine. Für Meighörner gibt es drei Gründe, warum sich wegen der Egger-Lienz-Zeichnungen und -Bilder niemand gemeldet hat. „Erstens könnten die Werke nicht echt sein. Zweitens lebt auch von den Erben niemand mehr. Drittens könnte sie Gauleiter Hofer korrekt erworben haben.“

Dass in der Nazizeit Kunst ein gefragtes Raubgut war, hat Sporer-Heis unter anderem 2002 in den „Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum“ dokumentiert. Zuerst durften Juden ihre Kunstwerke nur zu niedrigen Preisen verkaufen, dann wurden ihre Güter beschlagnahmt. Sie kamen 1938 in Wien in das Zentraldepot. Hitler suchte Werke für das geplante Führermuseum in Linz aus, den Rest „verteilte“ das Institut für Denkmalpflege für wenig bis gar kein Geld. Inventarlisten der jüdischen Sammlungen wurden herumgereicht und Wünsche der Museen entgegengenommen. Auch das Tiroler Landesmuseum hat „entzogenes Vermögen“ erhalten. 1945 wurde ein Großteil zurückgegeben. Seit 1998 besteht das Bundesgesetz über die Rückgabe von Kunstgegenständen aus den Österreichischen Bundesmuseen und Sammlungen. Das Ferdinandeum verweist seit 2002 auf weitere Rückgaben und deren Dokumentation. Die israelische Kultusgemeinde hat in den letzten Jahren bezüglich Provenienzforschung immer wieder gedrängt. Meighörner: „Es ist seit 2002 viel passiert. Neue Statusmeldungen kommen in den nächsten Tagen.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 23.02.2012
sperrstunde

    IL BARBIERE DI SIVIGLIA

    Wann: 19.05.2013
    Wo: Tiroler Landestheater - Grosses Haus

    7. SYMPHONIEKONZERT

    Wann: 23.05.2013
    Wo: Congress Innsbruck, Saal Tirol

    36. Innsbrucker Wochenendgespräche

    Wann: 25.05.2013
    Wo: Tiroler Landestheater -

    Trailer: Eine Dame in Paris

    Anne verlässt Estland nach Paris, um sich dort...

    Trailer: Pieta

    Der südkoreanische Filmemacher Ki-duk Kim füh...

    Stoker - Die Unschuld endet - Trailer

    An ihrem 18. Geburtstag kommt India Stokers Vat...
    Parship
    Jobs
    Unterkunftssuche
    Panoramabilder
    Panoramabilder
    Panoramablick
    Events · Kino · TV · Motor · Multimedia · Musik · Stars · Leben ·
    AGB Kontakt Impressum