31.03.2012
Bühne

Neues bleibt draußen vor der Tür

Sponsorengelder sind knapp, Projekte müssen ins Profil der Geber passen, längerfristig sein und eine Gegenleistung beinhalten. Neue Initiativen haben derzeit wenig Chancen auf Unterstützung. Auch in Tirol.

Von Sabine Strobl

Innsbruck – Literatur hat es nicht leicht, Sponsoren zu finden, da es auf den ersten Blick keinen sichtbaren Erfolg gebe, „aber mit Literatur kann man mit wenig Geld viel machen“, erklärt Valerie Besl, Mitorganisatorin vom Haller Literaturfestival Sprachsalz im Gespräch mit der TT. Das renommierte Tiroler Literaturfest ist im Februar mit dem Bank Austria Kunstpreis ausgezeichnet worden. Damit wurden zum 10-Jahr-Jubiläum 70.000 Euro in die Kassen geschwemmt. In Zeiten, in denen Veranstalter um Subventionen der öffentlichen Hand kämpfen müssen, werden Sponsorenleistungen immer wichtiger. Sie umfassen nicht nur Geld, sondern auch Sach- und Dienstleistungen. Diesbezüglich hat Sprachsalz bereits ein Netz spinnen können, das mit der Unterkunft im Parkhotel seinen Ausgangspunkt hat. Eine neue Entwicklung zeichnet sich laut Besl in Deutschland ab. Dort werden beispielsweise trendige Krimifestivals neuerdings von den Verlagen finanziert.

50 Millionen Euro investieren kleinere und mittlere Betriebe in Österreich in Kulturprojekte. Ein Drittel der Summen kommt noch als Know-how und Sachleistungen hinzu. Damit hat sich der Einsatz in den letzten zwanzig Jahren versiebenfacht. Dies geht aus einer Untersuchung des Komitees „Initiativen Wirtschaft und Kunst“ (IKW) hervor. Ein Trend der letzten Jahre zeigt aber auch, dass die klassischen Sponsoren Banken und Versicherungen wie die öffentliche Hand den Rotstift ansetzen oder Zuwendungen einfrieren. Es wird nicht mehr ein bestimmtes Budget nach dem Gießkannenprinzip verteilt. Die 90er-Jahre seien vorbei, in denen man sich auf Kultur gestürzt habe, heißt es auch von der Marketingabteilung der landeseigenen Hypo-Bank. „Heute fragen Sponsoren genauer nach und überlegen, welche Veranstaltung zu ihnen passt“, erklärt Marketingleiter Herbert Waltl. Von den unterstützten Projekten wurde heuer zwar keines gestrichen, doch neue Ini­tiativen kommen kaum zum Zug. Der Marketingfachmann schätzt die Situation für den kulturellen „Nachwuchs“ als schwierig ein: „Veranstalter haben heute keine Zeit mehr, um etwas zu probieren. Ich bezweifle, dass man heute einen Tanzsommer oder ein Festival der Träume gründen könnte.“

Dass neue Initiativen kaum Chancen haben, hält auch Maria-Luise Mayr für bedenklich. Die Geschäftsführerin der Klangspuren Schwaz, die vergangenes Jahr mit dem Bank Austria Kunstpreis ausgezeichnet wurden, sagt: „Die Ideen der 20- bis 30-Jährigen kommen zu kurz. Ich habe auch das Gefühl, dass sie als Veranstalter resignieren.“ Viele etablierte Veranstalter teilen sich das Subventions- und Sponsorengeld. Für Neues bleibt kaum Platz. Ein Weg wäre es, junge Veranstalter mit eigenen Schienen in bewährten Einrichtungen starten zu lassen. „Diesbezüglich besteht von Landesseite Handlungsbedarf“, wendet sich Mayr an die Politik. Die Klangspuren sind unter anderem mit GE-Jenbach eine Partnerschaft eingegangen. So ist bereits aus dem Lehrlingsprojekt „Wie klingt mein Arbeitsplatz?“ eine CD hervorgegangen. Das Unternehmen hat einen seit Jahren gleichbleibenden fünfstelligen Betrag für verschiedene Kulturprojekte zur Verfügung. Wie Kommunikationsleiterin Martina Streiter erklärt, soll das Engagement den 1600 Mitarbeitern und ihren Familien zugutekommen. So wird das Kinderprogramm der Klangspuren auch den Mitarbeiterkindern angeboten.

Mäzenatentum ist überholt. In Tirol geht es um heimische Projekte, professionelle Konzepte und gegenseitigen Nutzen. „Networking über Kultur“, sagt Martin Reiter, Marketingchef der Tiroler Versicherung, und: „Wir unterstützen prinzipiell Tiroler Geschichten.“ Zu den Veranstaltungen für Kunden wird meist ein Rahmenprogramm angeboten. Wie der Marketingprofi betont, seien in der Versicherung das Kultur- und Sportbudget (ein sechsstelliger Betrag) gleich hoch. Die Kultur muss es also sportlich angehen.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 31.03.2012
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    7. SYMPHONIEKONZERT

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