Bachmann-Preis: Pubertierende Mädchen und die Niere einer Toten
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Das ORF-Theater in Klagenfurt ist Schauplatz des Ingeborg-Bachmann Preises. Dieser ist mit 25.000 Euro dotiert und wird zum 35.Mal vergeben.
Foto: APA/GERT EGGENBERGER
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Klagenfurt - Mit Olga Martynova und Lisa Kränzler haben sich am Freitag zwei Autorinnen deutlich preisverdächtig präsentiert. Sowohl Kränzlers Pubertätsgeschichte als auch Martynovas Erzählung über einen jungen Burschen wurden von der Jury sehr gut bewertet, wenn auch nicht ohne Einschränkungen. Nicht ganz so gut erging es der Österreicherin Cornelia Travnicek, bei ihr reichten die Bewertungen von „gespickt mit wunderbaren kleinen Handgriffen“ bis zum Verdikt „banal und simpel“. Etwas besser erging es Inger-Maria Dahlke, Simon Froehling konnte nicht überzeugen.
Die aus Russland stammende Martynova las „Ich werde sagen: Hi!“, das Porträt eines Burschen, der seine Ferien bei Tante und Onkel verbringt. Er interessiert sich für Mädchen, aber auch für das Schreiben. Der Text enthält witzige Einschübe, thematisiert die Multikulturalität und macht Ausflüge zur Bibel und zur Archäologie. Hubert Winkels gefiel der Text sehr gut, er habe eine Leichtigkeit, die sich aber nicht sofort erschließe. Daniela Strigl lobte den „hintersinnigen, anarchischen Witz“, Meike Feßmann sah einen „souveränen und luftigen Text“. Corina Caduff lobte die Qualität der verwendeten Sprache, war aber nicht ganz überzeugt. Juryvorsitzender Burkhard Spinnen hüllte sich überraschenderweise in Schweigen.
Kränzlers Ich-Erzählerin beschreibt ihre Kindheit, von der Kindergarten-Aufführung über die Wirrungen einer Mädchenfreundschaft bis zur Rettung eines jungen Kätzchens vor einem grausamen Bauern. Sie thematisiert die Gefühle, die sich in der beginnenden Pubertät einstellen und die ersten sexuellen Erfahrungen samt dem Thema Missbrauch. „Packend und gelungen“, befand Hildegard Keller, Spinnen hingegen lobte die „Souveränität“, sah aber das Geheimnis hinter dickem Glas verborgen. Caduf lobte die „absolut durchgearbeitete“ Sprache, Strigl war nur teilweise überzeugt.
In Travniceks „Junge Hunde“ geht es um eine junge Frau, die sich anlässlich der Übersiedlung ihres Vaters ins Altersheim an ihre eigene Jugend erinnert, samt Partys und den kleinen Katastrophen, die sich beim Erwachsenwerden so ergeben. Feßmann lobte den „warmen Pragmatismus“, der ihrer Autorin zu eigen sei. Strigl war ebenso angetan wie Winkels, wenig begeistert zeigte sich Paul Jandl, dessen Urteil „banal und simpel“ lautete.
Der Schweizer Simon Froehling verschränkt in seinem Romanauszug „Ich werde dich finden“ das Schicksal zweier Familien. Eine Frau stürzt beim Klettern ab und wird dabei tödlich verletzt. Sie hinterlässt einen Mann und eine kleine Tochter. Zugleich rettet sie einem jungen Mann das Leben, der eine Spenderniere braucht, und jene der Toten bekommt. Die Juroren waren eher weniger angetan, Keller bemängelte, die Figuren seien ihr zu blass. Jandl ortete Kitsch, Spinnen hingegen würde dem Autor gerne weiter folgen.
Am Samstag wird das Wettlesen von Matthias Nawrat begonnen, gefolgt von Matthias Senkel. Den Abschluss machen die beiden Österreicher Leopold Federmair und Isabella Feimer. Am Sonntag ab 11.00 Uhr folgt die Preisverleihung. (APA)
aktualisiert: Fr, 06.07.2012 16:32



