15.01.2012
Architektur

Der Alltag der tierischen Spitzensportler

Seit 2008 kümmern sich auch Frauen als Bereiterinnen in der Spanischen Hofreitschule um die 72 Lipizzaner.

Wien – Ein speziell erstellter Menüplan, Granderwasser, Solarium und persönliche Betreuung: Was sich anhört wie ein Wellnessurlaub, gehört zum Alltag in der Spanischen Hofreitschule – zumindest für die Lipizzaner. Denn den edlen Hengsten soll es an nichts fehlen. „Diese Pferde werden behandelt wie Spitzensportler“, unterstrich Oberstallmeister Johannes Hamminger bei einem Blick hinter die Kulissen des Traditionsbetriebs. Derzeit leben 72 Rösser in der Stallburg in der Wiener Innenstadt.

Der Tag in der Spanischen Hofreitschule beginnt früh: „Die Pfleger kommen um 6 Uhr. Dann werden die Pferde gefüttert – Heu und Hafer, manchmal auch Müsli, Äpfel, Karotten“, erklärte Oberbereiter Andreas Hausberger. Dabei gibt es für jeden Lipizzanerhengst einen eigenen Menüplan, der an der Wand neben der Box hängt. Um 7 Uhr kommen dann die ersten Pferde in die Reitbahn. „Dann reitet die erste Gruppe der Bereiter. Jede Partie dauert 30 Minuten. Anschließend werden die Pferde wieder gewechselt“, erklärte Hausberger den täglichen Ablauf. Nach besonders anstrengenden Trainingseinheiten werden die Tiere unter die Wärmelampen – das Solarium – gestellt, um die Durchblutung der Muskeln anzuregen und Muskelkater zu vermeiden. Mittels Magnetfeldtherapie wird zudem der Stoffwechsel der Rösser angeregt.

Um 13 Uhr findet die Mittagsfütterung statt. Nachmittags dürfen sie noch in der Schrittmaschine ihre Runden drehen. Das dient laut Oberstallmeister Hamminger der Konditionsförderung. Um 18 Uhr werden die Tiere ein letztes Mal gefüttert, dann endet der Tag in der Hofreitschule.

Während die Bereiter für das tägliche Training der Rösser zuständig sind, so obliegt das Wohl der Tiere den Pflegern. Diese füttern und putzen die Vierbeiner und bringen sie auch in die Reitbahn. Jeder Pfleger ist für sechs bis acht Pferde verantwortlich. Derzeit leben 72 Lipizzaner in der Stallburg. Deren Wert wird nicht verraten – nur so viel: Jeder Hengst ist laut Hausberger bei Auslandstourneen auf 400.000 Euro versichert. „Und das ist aber nur ein Teil des Wertes“, erklärte der Oberbereiter.

2008 gab es eine einschneidende Neuerung in der Spanischen Hofreitschule: Seither werden auch Frauen als Bereiterinnen aufgenommen. Davor war dieser Beruf nur Männern vorbehalten. „Es hat sich nichts geändert. Wir sind froh, dass wir Frauen haben. Es sind sehr, sehr talentierte Reiterinnen“, lobte Hausberger seine Kolleginnen. Derzeit gibt es fünf Elevinnen (so werden die Lehrlinge genannt) im Traditionsunternehmen. Laut Hofreitschul-Geschäftsführerin Elisabeth Gürtler ist das weibliche Interesse an der Bereiter-Ausbildung sehr groß: Die Nachfrage komme „eigentlich fast hauptsächlich“ von Damen: „Ich glaube, jetzt müssen wir mal aufpassen, dass wir noch genügend Herren da haben werden. Denn wenn wir hier die Bewerbungen anschauen, dann wären wir bald eine reine Damentruppe. Aber das kann‘s auch nicht sein. Es muss auch Leute geben, die Kraft haben. Viele Pferde lassen sich nicht von Damen reiten.“ (APA)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 15.01.2012
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