„Servus Kaiser“ hört er jeden Tag
Mit Florian Scheuba und Thomas Maurer machen Sie am Freitag und Samstag mit „Wir Staatskünstler“ in Innsbruck Station. In einer Stadt also, in der gerade um die politische Führung gestritten wird. Inwieweit werden die Wahlen bei Ihnen zum Thema werden?
Robert Palfrader: Wir versuchen in kleinen Sequenzen die Verhältnisse vor Ort zu kommentieren – meistens bereiten wir das im Auto auf der Hinfahrt vor. Ein längerer Teil zu diesem Thema ist allerdings nicht geplant, aber wir werden sicher das eine oder andere dazu zu sagen haben.
Der Großteil der Bevölkerung kennt „Wir Staatskünstler“ aus dem Fernsehen. Inwieweit unterscheidet sich das Bühnen- vom TV-Programm?
Palfrader: Es ist ein Kabarettprogramm, das politische Satire zum Inhalt hat. Man kann sich das so vorstellen, dass ein Best-of der Fernsehsendungen in einen Prolog und einen Epilog eingebettet ist. Selbst wenn man also alle Folgen von „Wir Staatskünstler“ im Fernsehen gesehen haben sollte, kommt man trotzdem auf seine Rechnung.
Wie entsteht das Programm? Werkelt da jeder allein vor sich hin oder kleben Sie während des kreativen Prozesses aufeinander?
Palfrader: Wir schreiben immer zusammen. Für den Mantel, wie wir ihn nennen, haben wir uns ins Waldviertel zurückgezogen. Im Haus meiner Frau, das sie von ihren Großeltern geerbt hat, haben wir uns da zu dritt einkaserniert und von früh bis spät an dem Ding gearbeitet. Die Sendungen selber schreiben wir entweder beim Thomas oder beim Florian im Büro.
Zusammen ist man weniger allein, aber auch weniger frei, seinen Willen durchzusetzen. Wo liegen die Tücken des Teamwork-Prozesses?
Palfrader: Bei drei Leuten funktioniert das noch recht gut. Zum einen hat man schnell eine Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht, zum anderen gibt es schon Punkte, über die man diskutiert – und da muss halt dann jeder früher oder später den Schwanz einziehen und nachgeben. Nachdem wir nicht nur Kollegen sind, sondern auch sehr enge Freunde, funktioniert das recht gut. Sogar überraschend gut. Wir sind ja monatelang fast jeden Tag aufeinandergepickt. Ohne Respekt für sein Gegenüber hätte das sicher nicht geklappt. Man muss aber nicht nur professionell arbeiten, sondern auch psychisch recht gesund sein.
„Wir Staatskünstler“ war nicht nur ein Kritiker-, sondern auch ein Publikumserfolg. Haben Sie damit gerechnet?
Palfrader: Das hat uns sehr überrascht und natürlich wahnsinnig gefreut. Noch dazu, weil wir alles selber machen mussten – wir hatten keine Autoren und keine Redaktion und mussten uns auch um jede Graphik selber kümmern. Aber am Ende waren wir froh, dass es so gelaufen ist, weil wir wollten mit der Sendung ja etwas erreichen. Nämlich dass sich die Leute ein bisschen mehr um die Politik kümmern. Sobald es eine Öffentlichkeit gibt, die sich an politischen Vorgängen interessiert zeigt, die nicht in Ordnung sind, müssen die politisch Verantwortlichen nämlich vorsichtig werden. Und das wäre wichtig.
Ist Österreich ein fruchtbarer Boden für politische Satire? Oder blöd gefragt: Ist es manchmal nicht fast zu leicht, zu Kabarettstoff zu kommen?
Palfrader: Genau mit dieser Frage setzen wir uns auch im Bühnenprogramm auseinander. Und versuchen dabei zu vermitteln, wie schwierig dieser Job ist. Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen freiwilliger und unfreiwilliger Komik. Auch die Aussage, dass schlechte Zeiten gute Zeiten fürs Kabarett bedeuten, stimmt nur bedingt. Abgesehen davon würde ich wahnsinnig gerne in einem funktionierenden demokratischen Staat leben, in dem ich mich anderen Dingen widmen könnte. Mir wär‘s lieber, wenn ich mich nicht mit Korruption auseinandersetzen müsste, sondern mich aufs Schauspielen konzentrieren könnte – und dabei Produkte wie „Braunschlag“ herauskommen.
Apropos: Ihren Innsbruck-Stopp nutzen Sie auch dafür, um die Werbetrommel für „Braunschlag“ zu rühren. Einem TV-Schmankerl, das im Herbst im ORF startet, allerdings schon jetzt auf DVD erhältlich ist und zu Recht mit Lob überhäuft wird. Was ist das Erfolgsrezept von „Braunschlag“?
Palfrader: Meiner bescheidenen Meinung nach liegt das an zwei Faktoren. David Schalko hat einfach ein großartiges Drehbuch geschrieben. Und als Regisseur hat er nicht nur ein außergewöhnliches Ensemble zusammengestellt, sondern am Set auch eine Stimmung erzeugt, die so fruchtbar war, dass das Arbeiten ein pures Vergnügen war.
In der Serie spielen Sie Bürgermeister Gerry Tschach, der den drohenden finanziellen Untergang seiner Gemeinde mit einer gefakten Marien-Erscheinung verhindern will und sich von einem Schlamassel in das nächste hineintheatert. Beliebt ist dieser Gerry nicht. Hat es Spaß gemacht, so ein „Mordstrumm-Oaschloch“ zu verkörpern?
Palfrader: Es war total spannend, weil diese Figur ja sehr vielschichtig ist und ihre Stärken und Schwächen hat. Der Gerry Tschach ist ja eigentlich kein schlechter Mensch. Er ist nur ein bisschen verloren und ein bisschen verzweifelt. Und diese Verzweiflung, dieses Scheitern an seinen eigenen Ansprüchen und in jeder relevanten Beziehung im Leben hat diese Figur so spannend gemacht. Weil letztendlich scheitern wir ja alle. Spätestens dann, wenn wir tot sind.
„Braunschlag“ hat schon jetzt das Zeug zum Kult. Und Sie haben offenbar ein Händchen für Kultrollen. Man denke nur an „Echt fett“ oder „Wir sind Kaiser“. Wann fangen solche Kult-rollen an, zu nerven?
Palfrader: Mir rufen die Leute noch heute „Beauty“ hinterher. Und „Servus Kaiser“ höre ich sowieso jeden Tag. Aber das ist Teil des Jobs. Wenn man sein Gesicht in die Welt hinaushält und will, dass das so viele Menschen wie möglich sehen, dann wird man zwangsläufig erkannt. Und das ist auch okay so. Ich will nur nicht angesprochen werden, wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin. Aber dadurch, dass ich das schon mehrmals gesagt habe, passiert das auch kaum noch. Falls es doch einmal vorkommt, kann ich übrigens recht patzig werden. Aber wenn ich allein unterwegs bin, stört‘s mich nicht, wenn mich wer deppat anredet. Manchmal macht es sogar Spaß.
Das Gespräch führte Christiane Fasching


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