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Happy Birthday

Vom „Stockinger“ zum Oscar und nach Cannes: Markovics wird 50

Der vielseitiger österreichische Schauspieler machte sich zuletzt auch als Regisseur einen Namen. Zurzeit arbeitet der Präsident der Akademie des Österreichischen Films an einem neuen Drehbuch.

Wien – Er gilt als akribischer Arbeiter, grüblerisch, detail- und sprachverliebt, als ein „Eigenbrötler ohne Starallüren“, wie der „Standard“ einmal schrieb, und nur auf wenige Schauspieler können sich die Österreicher so gut als einen ihrer Lieblinge einigen wie auf Karl Markovics. Der „Stockinger“, der Sidekick in der TV-Serie „Kommissar Rex“, machte ihn einem größeren Publikum bekannt und erhielt sogar sein eigenes Spin-Off. Parallel blieb Markovics aber auch immer der Bühne und vor allem dem Kino erhalten. In der Hauptrolle des Salomon Sorowitsch im NS-Drama „Die Fälscher“ hatte er 2008 einen wesentlichen Anteil am ersten österreichischen Auslandsoscar, und als Neoregisseur gelang ihm mit „Atmen“ drei Jahre darauf ein internationaler Festival- und Kinohit. Am Donnerstag nun feiert Markovics seinen 50. Geburtstag.

„Wie jeder andere Tag“

An ein großes Fest scheint der Filmenthusiast dabei gar nicht erst zu denken. „Geburtstage sind etwas, was von außen auf einen zukommt“, so Markovics zur APA. „Für mich haben sie so viel mit mir zu tun wie jeder andere Tag. Ich freue mich, da zu sein.“ Tatsächlich trifft man den Schauspieler und Regisseur selten auf gesellschaftlichen Anlässen, auch dieser Tage arbeitet er lieber „gerade an meinem neuen Drehbuch“. Dass er als Präsident der 2009 von ihm mitgegründeten Akademie des Österreichischen Films und der damit verbundenen Filmpreisgala stets Mitte Jänner einem großen Fest für die gesamte Branche vorsteht, entbehrt da nicht einer gewissen Ironie. Aber es demonstriert auch seine Verbundenheit mit der Arbeit und den Respekt, den er dafür rundum genießt.

Schon als Bezirksinspektor Stockinger Status als geheimer Serienheld

Geboren wurde Karl Markovics am 29. August 1963 in Wien als Sohn einer Verkäuferin und eines Buschauffeurs, seinem Berufswunsch konnte eine nicht geglückte Aufnahmeprüfung am Max-Reinhardt-Seminar nur bedingt etwas anhaben. Markovics heuerte 1982 zunächst beim Serapionstheater an, 1987 wechselte er zum Wiener Ensemble. Vier Jahre später übernahm er in „Hund und Katz“ von Michael Sturminger seine erste kleine Kinorolle, viele weitere - etwa in „Indien“, „Hinterholz 8“, „Wanted“ oder „Komm, süßer Tod“ - sollten in den 90er Jahren folgen, u.a. die Hauptrolle neben Julia Stemberger in Houchang Allahyaris Politsatire „Geboren in Absurdistan“. Zu jener Zeit hatte er als menschenscheuer Bezirksinspektor Stockinger aus „Kommissar Rex“ bereits den Status eines geheimen Serienhelden.

Oscar- und Emmy-Gewinner

Dass er sich nicht nur auf den Fernsehdarsteller festnageln lassen wollte (trotz der Senatsratsrolle in der Serie „MA 2412“ und zahlreicher TV-Engagements), machte Markovics nicht zuletzt mit seinen regelmäßigen Auftritten auf der Bühne klar, unter anderem am Theater in der Josefstadt und am Wiener Volkstheater, wo er im Jahr 2005 mit Eugene Ionescos „Die kahle Sängerin“ auch erstmals selbst ein Stück inszenierte. Zudem arbeitete er mehrmals mit der Regisseurin Elisabeth Scharang an Dramatisierungen zeitgeschichtlicher Stoffe - u.a. verkörperte er den Briefbombenattentäter Franz Fuchs („Franz Fuchs - Ein Patriot“) und wurde dafür 2008 für einen Emmy in der Kategorie „Bester Schauspieler“ nominiert. Im gleichen Jahr gab es dann den Oscar für Stefan Ruzowitzkys „Die Fälscher“.

Dass es den „Stockinger“ einmal zur Oscar-Verleihung nach Los Angeles verschlagen würde, hätte man lange Zeit wohl ebenso wenig für möglich gehalten wie die Blitzkarriere von Christoph Waltz in Hollywood. Aber Markovics ließ sich auf seinem Weg nicht beirren, spielte weiter auch größere Fernsehparts wie in Joseph Vilsmaiers „Die Gustloff“ und kleinere Kinorollen wie in „Die verrückte Welt der Ute Bock“ und schrieb parallel an seinem ersten Drehbuch. Mit „Atmen“ feierte er dann auch 2011 in einer Nebenreihe in Cannes seine Premiere und erhielt anschließend zahlreiche Auszeichnungen (darunter Hauptpreise in Zürich und Sarajevo) sowie beim anonymen Akademie-Voting auch immerhin gleich sechs Österreichische Filmpreise.

Gelobt wurde Markovics‘ Debüt für seinen poetischen Minimalismus und die stilsichere Komposition. Wie er als Regisseur seinen Hauptcharakter sich selbst erforschen lässt, erinnerte dabei durchaus auch an die Qualitäten des Schauspielers Markovics. Dieser wurde 2007 und 2008 mit der Romy für den beliebtesten Schauspieler prämiert, 2008 auch mit dem Großen Diagonale-Schauspielpreis und 2010 mit dem Nestroy-Ring. Markovics ist mit der Theaterschauspielerin Stephanie Taussig verheiratet und Vater zweier adoptierter Kinder. Er wohnt in der Nähe von Wien. Sein neues Drehbuch soll, wie er der APA verriet, „eine Geschichte über Gott und die Welt werden, buchstäblich“. Von dieser Arbeit wird sich Markovics wohl auch an seinem Geburtstag nur schwer abhalten lassen. (APA)