19.03.2012
Bühne

Mörderischer Fremdenverkehr

14 Autoren haben sich im Zillertal auf die Suche gemacht und das Böse gefunden.

Von Christian J. Winder

Mayrhofen –Ich hatte keine Ahnung, wirklich nicht, dass das Zillertal so ein Ort ist. Sie verstehen schon, einer wo es mörderisch zur Sache geht. Wir kennen diese Häufung von unfreiwilligen Todesfällen eher aus den großen Städten, und wenn schon Tirol, dann im Einsatzbereich der SOKO Kitzbühel. Aber das Zillertal!“

Der Kulturmanager Jeff Maxian und Erich Weiding, Autor und Buchhändler, haben für den auf Regionalkrimis spezialisierten Gmeiner-Verlag die Anthologie „Mords-Zillertal“ zusammengestellt, in der dem Mördergeist entlang des Ziller auf den Grund gegangen wird. Dafür haben sie 14 Autoren und Autorinnen eingeladen – und ein ebenso vielfältiges wie gehaltvolles Ergebnis erhalten.

Da erzählt etwa Andreas Pittler eine „Zillertaler Spiegelgeschichte“, aus der Zeit gleich nach Kriegsende und fährt weit in die Vergangenheit zurück, als die Protestanten aus dem katholischen Tal getrieben wurden. Alte Wunden, die noch immer nicht verheilt sind, brechen auf. Paul Lascaux, der Schweizer Krimischreiber mit kulinarischem Schwerpunkt, lässt einen Auftragskiller seiner Arbeit nachgehen. Exakt, wie es sein soll, da kann die Berg­idylle noch so locken.

Freilich spielt der Tourismus eine große Rolle in dieser feinen Sammlung böser Geschichten: Wie er die Menschen verändert, wie Fremde einfach da sind und da sterben, wie Einheimische auswandern und wieder zurückkommen, weil sie – trotz allem – die Heimaterde lieb haben (auch wenn dieses Heimweh tödlich endet, wie in „Popstar stürzt in Zillertal Klamm – tot!“).

Der Mix an Opfern und Tätern, an Schauplätzen und Motiven ist den Herausgebern gut gelungen, auch die Liste der Autoren mit kriminalistischen Edelfedern wie Claudia Rossbacher oder Nicola Förg ist eine wahre Freude. Viel macht – neben der Qualität der Geschichten an sich – freilich auch aus, dass die Orte der Handlung, die Situationen, ja auch die genannten kulinarischen Details, vertraut sind. Es ist halt etwas anderes, wenn eine Mordsgeschichte nicht irgendwo fernab, in Amerika etwa, stattfindet, sondern vor der Haustür. Da könnte ja überall eine Leiche im Keller sein ...

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mo, 19.03.2012
sperrstunde

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