Männer am Ende der Nabelschnur
Von Alexandra Plank
Innsbruck – In der Wahrnehmung unserer Eltern bleiben wir ein Leben lang Kinder im Alter von etwa acht Jahren. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Unsere Mütter können also nicht anders, sie müssen uns betütteln. „Für unsere Mütter sind wir Kinder mit schütternem Haar“, stöhnt Erich, ein erfolgreicher Unternehmer im Stück „Muttersöhnchen“. Er leidet darunter, dass Mamas Liebe sich immer hinter dem übermächtigen Vater versteckt hat. Manfred Schild, der Leiter des Kellertheaters, will mit seiner Komödie der rätselhaften Verbindung zwischen Mutter und Sohn auf den Grund gehen. Vier völlig unterschiedliche Männer treffen sich, um gemeinsam ein Fußballspiel anzusehen. Doch schnell gerät das Spiel ums runde Leder zur Nebensache, denn die Mannsbilder leiden unter einer perfiden Manndeckung. Die Mutter kontrolliert jede ihrer Bewegungen.
Ja, das ist der Stoff, aus dem Komödien sind. Wenn die Mama etwa anruft, um den wöchentlichen Besuch einzufordern und dabei zum wiederholten Mal jammert, wie schwer doch die Geburt des Sprösslings gewesen sei. Trotz witziger Einsprenkel bleibt das Spiel um die wichtigste Frau im Leben der Männer in der ersten Halbzeit lahm. Das liegt vielleicht daran, dass Schild sich zu sehr verkopft und mit einem PR-Berater einen pseudointellektuellen Gschaftler einführt, der die Leichtigkeit einbremst. Doch der Neunmalkluge wird demaskiert, seine Lebensabschnittspartnerin hat ihm den Laufpass gegeben, weil sie eine Beziehung zu dritt (Mama ante portas) nicht ertragen hat. In der zweiten Halbzeit erlebt der Zuseher gekonnte Pässe, feines Umdribbeln und wohlvorbereitete Schüsse aufs Tor. Die Komödie flutscht. Das Ende ist so süß wie eine riesige Portion Zuckerwatte. Den Mamas wird‘s gefallen, denn von Liebesbezeugungen ihrer Kinder können sie ja erwiesenermaßen nie genug bekommen. Sie wissen schon, die Schmerzen, die durchwachten Nächte, die unzähligen Becher mit Wasser, die man dem Nachwuchs gereicht hat und die aneinandergereiht eine Fläche ausmachen, die größer ist als ein Fußballfeld.
Eine starke Ensembleleistung zeigen Harald Haller als gefühlsbetonter Tischler, Wolfgang Hundegger als neunmalkluger PR-Berater, Hans Danner als souveräner Geschäftsmann und Daniel Lenz als Looser, der noch bei Muttern wohnt. Haller und Lenz verlegen sich jedoch streckenweise zu sehr aufs Grimassenschneiden. Die Bühne (Luis Graninger) lässt Stadionflair aufkommen, die Kostüme (Andrea Spiegel) charakterisieren die Typen trefflich. Das Publikum war begeistert. Die Mamas können stolz auf ihre Brut sein.



