26.03.2012, 16:30 
International

Mali macht Front gegen Putschisten

„Sanogo, hau ab!“ – Rund vier Tage nach dem Militärputsch in Mali wächst der Widerstand gegen die Umstürzler.
Der Widerstand gegen Sanogo nimmt zu.
Foto: REUTERS

Bamako – Nach dem Militärputsch in der westafrikanischen Republik Mali haben am Montag mehr als tausend Personen gegen die von Hauptmann Amadou Sanogo angeführte Junta in der Hauptstadt Bamako demonstriert. Die Kundgebungsteilnehmer folgten dem Aufruf der „Einheitsfront zum Schutz der Demokratie und der Republik“ (FUDR), zu der sich 38 politische Parteien und Organisationen am Sonntag zusammengeschlossen haben. Die FUDR hat die Bevölkerung zum Widerstand aufgerufen.

„Sanogo, hau ab!“, skandierte die protestierende Menge, „wir verlangen die Wiederherstellung der Verfassungsordnung“ und „Nieder mit den Putschisten, es lebe die Demokratie!“. Der Chef des Gewerkschaftsbundes, Siaka Diakité, nannte den Putsch in einer Rede „eine schwere Hypothek auf die so teuer bezahlte Demokratie“. In der Universität von Bamako protestierten hunderte Studenten gegen die Junta.

Der Kandidat der „Union für die Republik und die Demokratie“ (URD) bei der kommenden Präsidentenwahl, Ex-Finanzminister Soumaila Cissé, begab sich unterdessen in das militärische Hauptquartier Kati bei Bamako, um mit Hauptmann Sanogo Gespräche zu führen. Die Verfassung müsse von allen respektiert werden, „das Militär hat in den Kasernen zu bleiben“, sagte Cissé.

Eine Zusammenkunft des französischen Botschafters in Bamako, Christian Rouyer, mit Sanogo, der den kurz vor dem Ende seiner Amtszeit stehenden Präsidenten Amadou Toumani Touré gestürzt hat, führte zu einer heftigen Polemik in Frankreich. Entwicklungsminister Henri de Raincourt bestritt am Sonntagabend im Fernsehen kategorisch, dass die ehemalige Kolonialmacht bei der Destabilisierung der verfassungsmäßigen Ordnung in Mali die Hände im Spiel gehabt hätte.

Die FUDR, der auch die beiden stärksten Parteien des Landes angehören, verurteilte am Sonntag den Putsch und bezeichnete die Junta, die sich „Komitee für die Wiederherstellung der Demokratie und die Wiederaufrichtung des Staates“ (CNRDRE) nennt, als illegal. Lediglich die Oppositionspartei SADI („Solidarité africaine pour la démocratie et l‘indépendance“) unterstützte die Putschisten, die ihr Vorgehen mit dem angeblichen Versagen der Regierung bei der Bekämpfung des Tuareg-Aufstands im Norden des Landes zu rechtfertigen versuchen. Dieser Aufstand steht direkt mit der Entmachtung des libyschen Regimes von Muammar al-Gaddafi in Zusammenhang, an der Frankreich maßgeblichen Anteil hatte.

Raincourt stellte klar, dass Frankreich nach wie vor Touré, über dessen Aufenthaltsort keine Informationen vorlägen, als rechtmäßiges Staatsoberhaupt Malis anerkenne. Nach Angaben der Junta sei er „in Sicherheit“ und es gehe ihm „gut“. Tourés Amtszeit endet am 8. Juni. Bei der Präsidentenwahl, die am 29. April stattfinden soll, kandidiert er nicht. Die französische Regierung habe der Junta die Forderung zur Kenntnis gebracht, die Wahl ordnungsgemäß abzuhalten. Hauptmann Sanogo, der in den USA ausgebildet wurde, habe darauf bisher nicht geantwortet. Der französische Minister räumte ein, dass Mauretanien und Niger wesentlich energischer bei der Bekämpfung des Terrornetzwerks „Al-Kaida im Islamischen Maghreb“ (AQMI) vorgingen als Mali unter Touré. AQMI ist in den Besitz umfangreicher libyscher Waffen und Rüstungsgüter gelangt. Die Unsicherheit in der Sahelzone nehme dramatisch zu, konstatierte Raincourt.

Tuareg-Rebellen in Nord-Mali - darunter die Befreiungsorganisation „Nationale Bewegung für die Befreiung von Azawad“ (MNLA) -, die teilweise im Sold von Libyens Ex-Machthaber Oberst Gaddafi gestanden waren und jetzt nach Mali zurückgekehrt sind, hatten im Jänner eine Offensive gegen die Regierungsarmee gestartet und eine Massenflucht ausgelöst. Die Tuareg sind ein Nomadenvolk mit kriegerischer Tradition, das in der Sahara und Sahelzone von Mali, Niger und Algerien lebt. Die wegen ihrer traditionell mit Indigo gefärbten Gewänder als „blauen Männer der Wüste“ bezeichneten Tuareg fühlen sich in Mali wie auch in Niger benachteiligt. (APA/AFP)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mo, 26.03.2012  16:30
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