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Innenpolitik

Linzer FP-Fraktionsobmann tritt nach Wehrsportvideo zurück

Der Linzer FP-Fraktionsobmann Sebastian Ortner war nach dem Auftauchen eines Wehrsportvideos in den vergangenen Tagen für die eigene Partei immer mehr zur Belastung geworden. Nun wurden Konsequenzen gezogen.

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Linz – Der Fraktionsobmann der Freiheitlichen im Linzer Gemeinderat Sebastian Ortner tritt nach der Veröffentlichung eines Wehrsportvideos zurück. „Ich lege mit sofortiger Wirkung mein Amt als Fraktionsobmann und Gemeinderat der Stadt Linz sowie alle Parteifunktionen und die FPÖ-Mitgliedschaft nieder“, teilte er in einer knappen Presseaussendung Donnerstagnachmittag mit.

Ortner war seit Dienstag erneut mit dem Vorwurf der nationalsozialistischen Widerbetätigung konfrontiert, weil er auf einem vermutlich aus dem Jahr 1988 stammenden Wehrsport-Video gemeinsam mit Neonazi Gottfried Küssel zu sehen sein soll. Die Aufnahmen erklärte er zunächst als „jugendliches Fehlverhalten“. Er habe sich von dieser Vergangenheit längst distanziert. Doch danach tauchten Vorwürfe auf, wonach er auch später noch Kontakte zur rechtsextremen Szene gehabt habe. Darauf reagierte er nun mit dem Rücktritt.

In dem am Dienstag vom Kurier veröffentlichten vierstündigen, in der Umgebung von Langenlois aufgenommenen Video zeigen Aktivisten der damaligen VAPO (Volkstreue außerparlamentarische Opposition) in Tarnkleidung, wie sie potenzielle Feinde durch Halsstiche, Kehlkopfschnitte oder Nierenstiche lautlos außer Gefecht setzen. Auch Strangulieren und der Einsatz von Schlagstöcken wird geübt.

Ortner bezeichnete zunächst das Video als „Teil meiner Vergangenheit, von der ich mich längst distanziert habe“. Er sei im Sommer 1988 aus der VAPO ausgetreten. Seit damals habe er zu Küssel keinen Kontakt mehr. Darüber hinaus legte Ortner ein Bekenntnis zur Republik Österreich und zur Demokratie ab. Die FPÖ stärkte ihm daraufhin den Rücken und forderte für ihn nach einem „Irrweg“ in der Jugend die „Chance auf Resozialisierung“. Seit dem Eintritt in die FPÖ 2005 habe er sich nichts zuschulden kommen lassen.

2006 Veranstaltung der NPD besucht

Danach tauchten allerdings Hinweise auf, dass er auch nach seinem angeblichen Austritt aus der VAPO noch jahrelang Kontakte zu rechtsextremen Kreisen gehabt habe. Der Kurier berichtete über Beweise dafür, dass Ortner am 5. August 2006 an einem Fest der rechtsextremen NPD in Dresden teilgenommen habe. Belegt sei auch, dass es dort zwischen ihm und dem NPD-Fraktionsvorsitzenden Holger Apfel zu innigen Umarmungen gekommen sei. Damit konfrontiert bestätigte Ortner die Teilnahme: „Ich bin eingeladen worden und wollte mir einfach ein Bild von der Veranstaltung machen.“

Dem folgte aber die Presseaussendung über den Rücktritt am Donnerstagnachmittag. Im Gespräch mit der APA bezeichnete Ortner diesen Schritt als „persönliche Konsequenz“ aus der Auseinandersetzung im Hinblick auf seine Person und die FPÖ. Er geschehe freiwillig und von ihm aus. Zu seinen Zukunftsplänen stellte er fest, „Es gibt auch ein Leben nach der Politik. Ich bin kein Berufspolitiker. Pläne gibt es immer.“ (APA)

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