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Israel

Ex-Premier Olmert: Atomgefahr durch Iran wird übertrieben

Es gebe „seit Jahren keine Fortschritte des Atomprogramms“, so Olmert am Sonntag bei einer Konferenz in New York.

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Washington/Jerusalem/Teheran - Nach Ansicht des früheren israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert wird in Israel die Bedrohung durch das iranische Atomprogramm übertrieben. Dieses mache seit Jahren keine Fortschritte und habe noch nicht die von Israels Premier Benjamin Netanyahu gezogene „rote Linie“ überschritten, meinte Olmert am Sonntag bei einer von der „Jerusalem Post“ organisierten Konferenz in New York.

Olmert richtete zugleich eine Warnung in Richtung Teheran und betonte, die Iraner sollten die Erklärungen der USA ernst nehmen, wonach Washington alles in seiner Macht stehende tun werde, damit der Iran nicht in den Besitz einer Atombombe gelangt.

Der frühere israelische Premier (2006 bis 2009) wies darauf hin, dass unter seiner Regierung die Einschätzung von Experten, dass der Iran spätestens 2009 nukleare Fähigkeiten erlangen könnte, sehr ernst genommen wurde. „Jetzt sind wir in der Hälfte von 2013 - uns sie haben sie noch immer nicht“, sagte Olmert.

Außerdem plädierte Olmert leidenschaftlich für eine Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten. Sollte diese nicht gelingen, bestehe die Gefahr, dass Israel in der Weltgemeinschaft isoliert werde, „nicht weil sie Antisemiten sind“, aber weil man die Fortsetzung der israelischen Besatzung der Palästinensergebiete nicht weiter tolerieren werde. Er frage sich, ob die heutige israelische Regierung der größten und wichtigsten Herausforderung gewachsen sei, der sich Israel stellen müsse: „Den künftigen Beziehungen zwischen uns und den Palästinensern“.

Auch der frühere Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, Meir Dagan, kritisierte Netanyahus Politik gegenüber dem Iran. Die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit würde zu sehr auf die Möglichkeit eines israelischen Militärschlags gegen iranische Atomanlagen gelenkt, meinte Dagan gegenüber der „Jerusalem Post“ und der „New York Times“. Die Drohungen mit einem unmittelbar bevorstehenden Angriff seien nicht gut für Israel, so der Ex-Mossad-Chef, der sich um Vorjahr einer Lebertransplantation unterziehen musste. (APA)

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