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Korea-Konflikt

Nordkorea droht mit Schließung des Industrieparks Kaesong

Das Tauziehen um den innerkoreanischen Industriepark von Kaesong hält an. Die letzte Gruppe von Südkoreanern wollte aus der grenznahen Sonderwirtschaftszone in Nordkorea zurückkehren. Das Regime in Pjöngjang droht erneut mit dem endgültigen Ende des Projekts.

Seoul – Nordkorea hat erneut mit der Schließung des gemeinsam mit Südkorea betriebenen Industrieparks von Kaesong auf seinem Gebiet gedroht. Die offizielle Zeitung „Rodong Sinmun“ gab Südkorea am Montag die Schuld für die verschärften Spannungen auf der koreanischen Halbinsel. Seoul sei dafür verantwortlich, die grenznahe Sonderwirtschaftszone „in die Gefahr der kompletten Schließung“ gebracht zu haben. Nordkorea werde, „wie bereits vorgewarnt, einen entscheidenden Schritt unternehmen“. Mehrere UN-Organisationen riefen unterdessen zu neuen Spenden für die verarmte nordkoreanische Bevölkerung auf.

Nordkoreas neue Warnung erfolgte nach der Ankündigung Seouls, dass alle noch in Kaesong verbliebenen Südkoreaner zu ihrem eigenen Schutz zurückkehren sollten. Die für Montag geplante Rückkehr der letzten Gruppe von 50 Südkoreanern verzögerte sich. Beide Seiten würden noch beraten, sagte eine Sprecherin des Vereinigungsministeriums in Seoul, ohne Details zu nennen. Das Ministerium erwartete die Gruppe noch vor Tagesende zurück.

Fast drei Wochen nach dem Produktionsstopp in Kaesong waren zuletzt am Samstag 126 Südkoreaner in ihre Heimat zurückgekehrt. Mit dem Abzug ihrer Mitarbeiter waren die im Industriepark tätigen 123 südkoreanischen Unternehmen der Weisung Seouls gefolgte, das kommunistische Nachbarland angesichts der zunehmenden Spannungen zu verlassen.

Das Regime in Pjöngjang hatte zuletzt einen als Ultimatum gestellten Vorschlag des Südens abgelehnt, Gespräche über die Sonderzone aufzunehmen. Nordkorea drohte im Gegenzug mit nicht weiter beschriebenen „gravierenden Maßnahmen“. Pjöngjang hatte Anfang dieses Monats die „vorübergehende Schließung“ des Komplexes angeordnet. Über 50 000 nordkoreanische Arbeiter wurden daraufhin abgezogen.

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel gilt seit dem dritten nordkoreanischen Atomtest im Februar als extrem angespannt. Nordkorea hatte angesichts der Ausweitung von UN-Sanktionen unter anderem den Waffenstillstandsvertrag von 1953 gekündigt.

Man benötige dringend Spenden, um die „kritischsten und lebenserhaltenden Bedürfnisse der Menschen in der Volksrepublik (Nordkorea) in den Bereichen Gesundheit und Ernährung bis Ende dieses Jahres zu erfüllen“, hieß es in einer Erklärung von Unicef. Die fünf in Nordkorea tätigen UN-Organisationen seien „ernsthaft unterfinanziert“. Insgesamt würden in diesem Jahr 147 Millionen Dollar (112 Millionen Euro) benötigt, um die humanitären Projekte zu finanzieren. Bisher habe man aber nur 26,8 Prozent des Betrags erhalten.

In ihrem jüngsten Appell bitten die Organisationen um dringend benötigte Spenden in Höhe von 29,4 Millionen Dollar. Nordkorea ist seit Jahren aufgrund der eigenen Misswirtschaft und nach einer Reihe von Naturkatastrophen auf Hilfe von außen angewiesen. (dpa)