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Homophobe Äußerungen

Wirbel um Südtirolerin Biancofiore: Letta zieht die Reißleine

Immer wieder hat sich die italienische Staatssekretärin und Berlusconi-Vertraute Michaela Biancofiore negativ über Homosexuelle geäußert. Jetzt ist die Südtirolerin ihren Job als Beauftragte für Gleichberechtigung wieder los.

Rom – Die Ernennung der Südtirolerin Abgeordnete Michaela Biancofiore, einer Vertrauten von Ex-Premier Silvio Berlusconi, zur Staatssekretärin für Chancengleichheit hat für Wirbel in Rom gesorgt und Premier Enrico Letta unter Druck gesetzt. Die Linkspartei SEL und mehrere Homosexuellen-Verbände protestierten heftig gegen Biancofiore, die sich in den vergangenen Monaten wiederholt gegen die Anerkennung von Homo-Ehen und gegen Transsexuelle geäußert hatte.

„Man fragt sich, welche Chancengleichheit Biancofiore Homosexuellen garantieren wird. Die Ernennung dieser Berlusconi-Vertrauten zur Staatssekretärin ist eine unglückliche Wahl für ein Ressort, das sich auch mit den Rechten der Homosexuellen befassen muss“, protestierte der schwule SEL-Deputierte Alessandro Zan. Kritisch zeigte sich auch Enrico Oliari, Präsident des Schwulenverbands GayLib: „Es ist, als würde man dem iranischen Präsidenten Khamenei einen Preis für seine Rolle zur Verteidigung der Rechte der Frauen verleihen”, ironisierte Oliari. Laut dem Schwulenverband Arcigay sei Biancofiores neues Amt ein „Affront“.

Biancofiore: „Die Italiener sind grundsätzlich gegen Homo-Ehen“

Die Politikerin reagierte gelassen auf die Kritik. „Ich werde diskriminiert, lasse mich aber nicht einschüchtern. Als Katholikin bin ich gegen Homo-Ehen, ich werde mich aber für die zivilen Rechte aller Italiener einsetzen. Die Aktivisten der homosexuellen Verbände kennen mich nicht, sie sollten mich für meine Arbeit bewerten und sich nicht von Vorurteilen leiten lassen“, betonte die Südtirolerin, die sich in der Vergangenheit öfters die Kritik homosexueller Aktivisten zugezogen hatte.

„Die Italiener sind grundsätzlich gegen Homo-Ehen, weil Italien ein tiefkatholisches Land ist. Das bedeutet nicht, dass ich nicht höchsten Respekt für jede Form von Liebe habe“, hatte Biancofiore kürzlich betont. Für Eklat sorgte außerdem ein am Samstag veröffentlichtes Interview Biancofiores mit der römischen Tageszeitung „La Republica“. „Die Schwulen isolieren sich und verteidigen ihre eigenen Interessen“, sagte die Südtirolerin.

Nach Kritik neues Ressort zugeteilt

Die Kampagne der Homosexuellenverbände ließ Premier Letta nicht kalt. Um Polemik mit der SEL-Partei zu vermeiden, beschloss Letta am Samstag, dass Biancofiore zwar weiterhin als Staatssekretärin amtieren wird, sie solle aber nicht für Chancengleichheit, sondern für die öffentliche Verwaltung zuständig sein. „Der Anstand ist gerettet“, lobte der SEL-Chef um Homo-Aktivist Nichi Vendola. (APA)