Gipfel soll Europas Bestnoten retten
Keine Aufregung: Die Zinsen für Staatsanleihen blieben vom Rating-Alarm unbeeindruckt
Wien, Frankfurt – Der kleine Club der „AAA“-Staaten droht noch exklusiver zu werden: 14 Länder werden noch von den drei großen Ratingagenturen Standard & Poor‘s (S&P), Fitch und Moody‘s mit der Spitzen-Bonitätsnote bewertet. Nun droht S&P Österreich, Deutschland, Frankreich, Finnland, Luxemburg und den Niederlanden mit einer Herabstufung. Doch wäre ein Verlust der Top-Bonität wirklich so schlimm? Die TT fand Antworten auf die brennendsten Bonitätsfragen.
1 Ist die Herabstufung Österreichs und der fünf weiteren Triple-A-Staaten Europas eine ausgemachte Sache? Nein. Die Chance steht nach Einschätzung von Experten 50 zu 50, dass die S&P die Bonität der Eurozone innerhalb von drei Monaten senken wird. S&P wird die Euro-Zone auf jeden Fall erst nach dem EU-Gipfel Ende dieser Woche neu bewerten. „Eine Herabstufung ist auf keinen Fall sicher“, versicherte S&P-Europa-Chefanalyst Moritz Kraemer. Es sei durchaus auch denkbar, dass alles beim Alten bleibe. Entscheidend sei, dass das EU-Treffen „glaubwürdige und solide Lösungen“ für die europäische Schuldenkrise bringe. Kraemer betonte: „Es ist auf politischer Ebene noch viel Arbeit zu tun zwischen heute und Freitag.“ Gelassen reagierte in der Folge die EU. „Wir müssen wichtige Entscheidungen treffen, nicht weil Ratingagenturen uns dazu drängen, sondern für die Prosperität unserer Bürger“, sagte der Sprecher von EU-Kommissar Olli Rehn. „Das ist eine sehr wichtige Woche für unsere Reaktion auf die Krise.“
2 Die Ratingagentur droht auch dem Rettungsfonds EFSF mit Herabstufung. Warum das? Die Herabstufung würde wohl nur dann geschehen, wenn die Länder mit Top-Bonität wie Österreich oder Deutschland tatsächlich ihr Top-Rating verlieren würden – denn sie garantieren für den Fonds. Der EFSF könnte dann um ein oder zwei Stufen abgewertet werden, teilte S&P am Dienstag mit. Zuerst werde aber geprüft, was der EU-Gipfel bringt.
3 Welche Konsequenzen hat die Bonitätsdrohung für Europas Bürger? Vorerst kaum welche. An der Zins-Front tat sich gestern wenig. Die Renditen für europäische Staatsanleihen haben sich trotz der drohenden Rating-Abstufung nur leicht verteuert. Die Aufschläge für die günstigen Schuldpapiere aus Deutschland mit einer zehnjährigen Restlaufzeit lagen bei 2,13 %, nach 2,09 % am Montag. Die Rendite für französische Anleihen verteuerte sich von 3,12 auf 3,23 %. In den Krisenstaaten Italien und Spanien blieben die Risikoaufschläge unter der kritischen Marke von 6 %. Österreich lag bei 3,24 %.
4 Wäre ein Verlust des Triple A für Österreich wirklich so schlimm? Ein schwächeres Rating bedeutet nicht automatisch auch höhere Zinsen. Obwohl die USA eine Bonitätsstufe schlechter bewertet werden als Deutschland, liegt derzeit die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen mit 2,08 % unter der Deutschlands oder Österreichs. Weil sich die Zinsen bei Anleiheauktionen an den Marktzinsen orientieren, können sich die USA also zu günstigeren Konditionen verschulden – trotz des schlechteren Ratings. (wer, APA, dpa, AFP, Reuters)




Startschuss für neuen Landtag

