15.04.2012, 09:33  Aktualisiert: 15.04.2012, 18:03 
Video: Der Wahltag

Die Spitzenkandidaten am Wahltag zwischen Hoffen und Bangen

Die Spitzenkandidaten der Innsbrucker Parteien präsentierten sich am Wahltag höchst unterschiedlich. Während die einen im Web noch einmal Stimmung machten, verbrachten andere die Zeit mit Hosen flicken und ähnlichen Ablenkungen.

Innsbruck - Bei trübem April-Wetter, also im Grunde perfekten „Wahlbedingungen“, waren die Innsbrucker heute dazu aufgerufen, den neuen Gemeinderat und den Bürgermeister bzw. die Bürgermeisterin für die nächsten sechs Jahre zu bestimmen. Wahlberechtigt waren 96.861 Personen. 2006 schritten 57,8 Prozent zu den Urnen. Zum ersten Mal konnte auch in der Landeshauptstadt das Stadtoberhaupt direkt gewählt werden.

TT Online hat über den gesamten Wahltag hinweg in einem Live-Ticker über die Geschehnisse berichtet - von der Stimmabgabe aller neun Spitzenkandidaten, samt aktuellen Stellungnahmen, bis hin zu Aktivitäten der Kandidaten in sozialen Netzwerken. Den gesamten Live-Ticker zur Nachlese finden Sie hier: http://go.tt.com/ITzHoA


Den Anfang bei den Stimmabgaben der Spitzenkandidaten machte Rudi Federspiel. Gegen 10 Uhr traf er gemeinsam mit seiner Gattin Birgit in der Pradler Leitgebschule ein. „Nach den unzähligen positiven Reaktionen der Innsbrucker bin ich optimistisch, dass am Ende des Tages ein gutes Ergebnis für uns herauskommt.“ Es sei allerdings unseriös, bereits im Wahllokal irgendwelche Zahlen oder Prozente zu nennen, so Federspiel.

Um 10.30 Uhr schritt Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer in der Volksschule Sieglanger an die Wahlurne. Dabei bedauerte sie, dass „die Innsbrucker Erstkommunions-Kinder ein so schlechtes Wetter“ haben. Zur Wahl sagte sie: „Ich bin guter Dinge und optimistisch. Wir haben hart gearbeitet, ein gutes Programm vorgelegt. Den restlichen Wahltag wollte sie „entspannt zuhause“ verbringen - zumindest bis kurz vor 17 Uhr, denn zu diesem Zeitpunkt kann von Entspannung wohl keine Rede mehr sein.

In sozialen Netzwerken war die Bürgermeisterin übrigens überhaupt nicht aktiv, im krassen Gegensatz dazu präsentierte sich naturgemäß die Piratenpartei im Web. Deren Spitzenkandidat Alexander Ofer vermeldete kurz nach 11 Uhr seine Stimmabgabe in der Volksschule St. Nikolaus.

„Sehr nervös“ zeigte sich Marie-Luise Pokorny-Reitter, als sie in der Volksschule Hötting Dorf die Wahlkabine verließ und sich den Fragen der TT-Reporter stellte. „Normalerweise schlafe ich am Sonntag immer länger, aber heute bin ich schon um halb sieben in der Früh aufrecht im Bett gesessen“, sagte die SP-Spitzenkandidatin. Gefragt nach ihren Erwartungen, wollte sie nichts sagen. Sie hofft aber, dass sie in die Bürgermeisterstichwahl kommt. Zudem schilderte sie ihr Vorhaben, am Nachmittag eine Hose ihrer Mutter flicken zu wollen.

Zwischendurch gab es auch anderweitige Aufregung. Im Wahllokal im Reithmann-Gymnasium ging gegen 8.30 Uhr der Feueralarm los. Eine Person hatte versehentlich den Notausgang benutzt, die Wahl wurde daraufhin kurzzeitig unterbrochen. Kurioses wurde auch aus dem Wahllokal Amras vermeldet. Dort wurde neben Stimmzetteln auch „Aufklärungsmaterial“ von einer Mormonengruppierung verteilt, informierte ein Leser die TT-Redaktion. Die Wahlaufsicht wurde eingeschaltet, um die Aktion zu unterbinden.

Eigenen Angaben zufolge ganz und gar nicht aufgeregt, spazierte VP-Bürgermeisterkandidat Christoph Platzgummer um 11.30 Uhr ins Wahllokal im Botanischen Institut in der Sternwartestraße. Er sei ziemlich „relaxed“ und positiv gestimmt, erklärte er im Gespräch mit TT Online. Er habe ein kurze aber ruhige Nacht hinter sich und war in der Früh um halb sieben Uhr laufen. Danach ging es zur Messe. „Ich rechne mit dem Einzug in die Stichwahl, wir haben alles unternommen, haben ein gutes Team und sind deshalb positiv gestimmt“, so Platzgummer. Auch er war auf Facebook recht aktiv, postete Bilder von sich bei der Stimmabgabe (oder ließ Bilder posten) und rief alle Innsbrucker dazu auf zur Wahl zu gehen.

Doch die stärkste Aktivität in sozialen Netzwerken kam wohl seitens der Grünen. Als einzige Partei nutzten sie den Kurznachrichtendienst Twitter und interagierten mit TT Online durch Postings auf Facebook. Um Punkt 12 Uhr gab deren Spitzenkandidatin Sonja Pitscheider ihre Stimme in der Volksschule Mariahilf ab. In Begleitung ihres Sohnes sagte sie den TT-Reportern, dass „ihre Erwartungen groß seien“. Man hätte gute Arbeit geleistet. Ihre Gefühlslage beschrieb sie als „von nervös bis himmelhoch jauchzend“. Aufgeregt sei sie, weil sie erstmals an der Spitze der Grünen bei der Wahl in Innsbruck antrete. Am Nachmittag wollte sie mit ihrem Sohn Scrabble spielen.

Helmut Kritzinger vom Tiroler Seniorenbund erklärte bei seinem Urnengang, dass er mit einem Mandat rechne und auf ein zweites hoffe. Beim Bürgermeister-Duell rechnet der Seniorenbund-Chef mit einer Stichwahl zwischen Oppitz-Plörer und Platzgummer.

FPÖ-Spitzenkandidat August Penz sagte bei seiner Stimmabgabe in der Volksschule Angergasse ins TT-Mikrofon, dass er „eine gute Gefühlslage“ habe. Er und seine Funktionäre hätten sich bemüht Themen anzusprechen, die „die Menschen interessieren oder unter den Nägeln brennen“. Trotz hitziger Diskussionen habe er das Gefühl, dass er gut angekommen sei. „Das Feedback der Leute war entsprechend“. Sein Ziel sei, die Stimmen zu Verdoppeln, der Einzug in den Stadtsenat, also „so stark zu werden, dass wir mitreden können“.

Als letzter Spitzenkandidat wählte um 14 Uhr Josef Stingl von der KPÖ in der Rennerschule. Er sieht die Chancen seiner Partei 50 zu 50, dass sie den Einzug schafft.

Den Live-Ticker zur Entscheidung im Rathaus finden Sie hier: http://go.tt.com/WahlEntscheidung

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom So, 15.04.2012  09:33
aktualisiert: So, 15.04.2012  18:03
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