13.06.2012, 11:14  Aktualisiert: 13.06.2012, 11:46 
Globale Studie

Hoffnungen enttäuscht: Obamas Beliebtheit stürzt weltweit ab

Ob in China, Mexiko oder Deutschland - die Beliebtheit von US-Präsident Barack Obama ist laut einer globalen Umfrage deutlich zurückgegangen.
Mit vielen Vorschusslorbeeren ist Barack Obama in seine erste Amtszeit als US-Präsident gestartet. Entsprechend groß ist die weltweite Enttäuschung darüber, dass sich kaum Fortschritte bemerkbar machten.
Foto: AP

Washington - Die globale Anerkennung für die Politik der Regierung Obama ist deutlich gesunken. Das zeigt eine in 20 Ländern durchgeführte Umfrage des renommierten „Pew Research Center“. Auch die Beliebtheit des US-Präsidenten und den USA insgesamt leidet stark.

Während Europäer und Japaner noch immer relativ positiv gegenüber Obama eingestellt sind - und auch eine zweite Amtszeit unterstützen würden - wird die Öffentlichkeit in muslimischen und ostasiatischen Ländern immer kritischer. Die USA bleibt vor allem in Ländern wie Ägypten, Jordanien, der Türkei oder Pakistan sehr unbeliebt.

Am deutlichsten sank die Unterstützung für Obama jedoch innerhalb der chinesischen Bevölkerung. Seit 2009 nahm dort das Vertrauen in ihn um 24 Prozent ab. Auch in Mexiko und anderen lateinamerikanischen Ländern hat Obama, der vor drei Jahren unerwartet den Friedensnobelpreis gewann, viel von seinem Image als Hoffnungsträger eingebüßt.

Vormachtstellung verloren

Geht es nach den Befragten in Westeuropa, haben die USA während Obamas Amtszeit die wirtschaftliche Vormachtstellung in der Welt verloren. Sowohl in Deutschland (62 %), als auch in Großbritannien (58 %), Frankreich (57 %) und Spanien (57 %) wird China mittlerweile als neue Nummer 1 der Weltwirtschaft angesehen.

Auch jene Attribute, die seinem republikanischen Vorgänger George W. Bush besonders angekreidet wurden, konnte Obama nicht ausräumen. Noch immer wird die USA als sehr unilateral handelnd angesehen, ohne die Interessen anderer Länder zu berücksichtigen.

Unverständnis über Drohnenangriffe

Amerikanische Anti-Terrorismus-Kampagnen in muslimischen Staaten sind nach wie vor sehr unbeliebt. Weltweites Unverständnis herrscht vor allem über US-Drohnenangriffe in Ländern wie Pakistan, Somalia oder Jemen. In 17 von 20 Ländern sind die Menschen gegen den Einsatz der unbemannten Bomber. In den USA selbst sind hingegen 62 Prozent für Drohnenangriffe, wobei die Zustimmung der Republikaner (74 %) deutlich höher ist als jene der Demokraten (58 %).

Die Umfrage bringt auch die Enttäuschung darüber hervor, dass Obama die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen konnte. Bei einer ähnlichen Studie im Jahr 2009 hatten viele Menschen gehofft, dass der neue US-Präsident vom „Ego-Kurs“ der USA abrücken und in Sachen Klimawandel bedeutsame Schritte setzen würde.

Trotz der langsam schwindenden Beliebtheit Obamas ist die generelle Einstellung gegenüber den USA weltweit noch immer positiver als in der Ära Bush. Vor allem in den Europäischen Staaten hat Obama noch nicht seinen ganzen Kredit verspielt. Obwohl auch hier die Beliebtheit der USA in den letzten drei Jahren zurückging, ist sie noch immer 20 Prozent höher als 2008.

US-Lebensstil nimmt überhand

Im Gegensatz zur Politik wird der „American Way of Life“ weltweit immer beliebter. Musik, Filme, Lifestyle und die Art Geschäfte zu machen sind in 18 der 20 Länder stark an das US-Vorbild angelehnt. Vor allem junge Menschen können sich damit identifizieren. Gleichzeitig äußerte aber in 17 Ländern die Mehrheit Bedenken darüber, dass die amerikanische Lebensweise die eigene Kultur verdrängen könnte. (siha)

Alle 20 Länder, in denen die Befragung durchgeführt wurde:

USA, Großbritannien, Deutschland, Polen, Frankreich, Indien, Italien, Tschechien, China, Libanon, Mexiko, Spanien, Japan, Brasilien, Russland, Tunesien, Türkei, Ägypten, Jordanien, Griechenland

Die komplette Studie ist abrufbar unter: http://www.pewglobal.org/

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mi, 13.06.2012  11:14
aktualisiert: Mi, 13.06.2012  11:46
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