28.01.2012, 07:03 
Innsbruck Land

Tourismus pocht auf große Verkehrslösung für Scharnitz

Die geplante Umfahrung für Scharnitz geht Touristikern nicht weit genug. Auch das Problem Marchklammlawine müsse gelöst werden.
Bei Schneemengen wie in den vergangenen Wochen muss die Lawinenkommission die Straße nach Mittenwald immer wieder sperren.
Foto: Holzknecht

Von Nikolaus Paumgartten

Seefeld, Scharnitz – Anfang Dezember des vergangenen Jahres stellte der Scharnitzer Gemeinderat mit einem einstimmigen Beschluss die Weichen für eine seit Langem diskutierte Ortsumfahrung. Doch das Projekt hat nicht nur Freunde. Wie berichtet, machten einige Anrainer der künftigen Trasse ihrem Ärger Luft. Ihnen wurde schließlich seitens des Landes und der Gemeinde versichert, dass deren Bedenken ernstgenommen werden.

Jetzt wird aber auch aus einer ganz anderen Ecke Kritik an dem Projekt laut. Wolfgang Frost ist Aufsichtsratsvorsitzender des Tourismusverbandes auf dem Plateau, der Olympiaregion Seefeld. Er findet für das diskutierte Umfahrungsprojekt in der vorliegenden Form wenig schmeichelhafte Worte. „Wenn dieser Tunnel nicht gleichzeitig mit der Verbauung der Marchklammlawine über die Bühne geht, ist das ein Schildbürgerstreich“, meint Wolfgang Frost.

Immer wieder muss in den Wintermonaten der Scharnitzer Grenzübergang zu Bayern wegen akuter Lawinengefahr gesperrt werden. „Das führt zu massiven Schwierigkeiten für unsere an- und abreisenden Gäste und zu Riesenverlusten bei unseren Liftgesellschaften“, klagt Frost. „Dabei sind in Tirol fast alle Nebentäler bis hin zu den letzten Bauernhöfen erschlossen. Im Kühtai wurde die Zufahrt für die Innsbrucker Skifahrer gesichert, sogar das Naviser Tal ist bestens verbaut.“

Dass die Verbauung bisher vor allem deshalb gescheitert ist, weil die bayerische Seite nicht voll mitgezogen hat, ist für Frost keine Entschuldigung. „Wenn ein entsprechender Druck aus dem Landhaus auf die bayerischen Kollegen aufgebaut würde, wäre ein Projekt für den Grenzstreifen sicher möglich“, ist Frost überzeugt.

Er fordert, das geplante Umfahrungsprojekt mit einer Lösung für die Marchklammlawine zu verquicken und ein Gesamtkonzept zu erarbeiten. Eine Scharnitzer Umfahrung umzusetzen, ohne das Lawinenproblem aus der Welt zu schaffen, ist für Frost „blanker Unsinn“. Denn wenn man schon einmal ein derart großes Vorhaben in Scharnitz angehen will, könne man die paar vom Lawinenstrich betroffenen Meter bis zur Grenze auch gleich mitberücksichtigen. „Die Erreichbarkeit der Olympiaregion muss nachhaltig gesichert werden. Ich würde mich freuen, wenn das Lawinenproblem in den Köpfen der Politiker einen höheren Stellenwert bekäme.“

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Sa, 28.01.2012  07:03
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