12.06.2012, 18:14  Aktualisiert: 13.06.2012, 06:37 
Tirol

Am Kofel gehen wieder die Lichter an

Der Tourismusverband rettet die Sommersaison der Patscher­kofel­bahn. An der Eiszeit zwischen Be­treiber und Stadt ändert das nichts.
Die dunklen Wolken über der Patscherkofelbahn haben sich dank des Tourismusverbandes zumindest vorerst verzogen.
Foto: TT / Thomas Boehm
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Von Mario Zenhäusern

Innsbruck – Zuerst die gute Nachricht: Die dringend nötigen Reparaturarbeiten an der Pendelbahn von Igls auf den Patscherkofel sind gestern wieder gestartet worden. Bahnbetreiber Peter Schröcksnadel hatte sie bereits in Auftrag gegeben, zwischenzeitlich aber wieder gestoppt, weil er auf den Kosten von 200.000 Euro sitzen zu bleiben drohte. Während nach Angaben des Unternehmers der Tourismusverband sofort seine Bereitschaft erklärte, seinen Teil beizutragen, sei er bei der Stadt auf taube Ohren gestoßen.

Gestern nun signalisierte TVB-Obmann Karl Gostner, dass der TVB die Kosten für die Reparatur übernehme. Schröcksnadel erklärte daraufhin, die Arbeiten sofort wieder aufzunehmen: „Ich stehe zu meinem Wort! Wir werden Gas geben, wenn alles gutgeht, gehen wir in der ersten Juliwoche in Betrieb.“

An seinem Groll auf die Innsbrucker Stadtführung ändert diese Tatsache indes nichts. „So lasse ich mich nicht behandeln, auch nicht von der Bürgermeisterin“, wetterte Schröcksnadel im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung, „dass es die Patscherkofelbahn überhaupt noch gibt, haben die Innsbrucker nur mir zu verdanken“.

Der Unternehmer hatte die Anlagen am Innsbrucker Hausberg vor 16 Jahren übernommen. Mittlerweile hat er rund 25 Millionen Euro investiert, davon allein 1,6 Millionen in die 80 Jahre alte Pendelbahn, 2,6 Mio. in das Bergrestaurant und 450.000 Euro in das Bistro in der Talstation – in Summe also 4,65 Mio. Euro in die Patscherkofelbahn. „Wenn die Bürgermeisterin jetzt sagt, ich hätte in all den Jahren nur in den Olympiaexpress, aber nichts in die Pendelbahn investiert, sagt sie nicht die Wahrheit“, ist der Unternehmer verärgert.

Insgesamt habe er in den 16 Jahren rund 7 Millionen Euro an Verlusten erwirtschaftet – „das ist Geld, das sich die Stadt erspart hat“ – und jetzt müsse er sich wegen der anteiligen Kosten für die Reparatur behandeln lassen wie ein Bittsteller. Das sei umso lächerlicher, als die Stadt offensichtlich bereit sei, für die Gestaltung des Vorplatzes bei der Talstation weit mehr Geld auszugeben: „Die ersten Planungen gehen von mehr als 600.000 Euro aus.“

Per Aussendung sprach sich Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer gestern dafür aus, den Betrieb der Pendelbahn auf den Patscherkofel sicherzustellen. Basis dafür seien u. a. die „Einsicht in die wirtschaftlichen Daten der Patscherkofelbahn durch einen externen Prüfer“ und ein technisches Sachverständigengutachten. Entsprechende Gespräche seien bereits angelaufen.

Ebenfalls per Aussendung reklamierte gestern die ÖVP die nunmehrige Lösung für sich. Der „massive Einsatz der ÖVP“ habe wesentlich dazu beigetragen, dass „der Betrieb im Sommer fortgeführt werden kann“, erklärt Stadtrat Christoph Platzgummer. Die 200.000-Euro-Spritze der Touristiker habe „eine Verstaatlichung abgewendet“.

Schröcksnadel wehrt sich gegen diese politische Vereinnahmung: „Das haben der Karl Gostner vom Tourismusverband und ich ausgemacht – und sonst niemand.“

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Di, 12.06.2012  18:14
aktualisiert: Mi, 13.06.2012  06:37
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