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Letztes Update am TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe

Landtagswahl 2013

Freude oder Ernüchterung? Die gesammelten Reaktionen zur Wahl

Jubel bei Landeshauptmann Platter, Grünen-Chefin Felipe und Vorwärts-Spitzenkandidat Lindenberger. Ernüchterung bei FP-Chef Hauser, „Fritz“-Listenführerin Haselwanter-Schneider und dem Team Stronach. Alle Reaktionen der Spitzenkandidaten finden sie im Artikel, jene aus dem Bund im Live-Blog.

Innsbruck – Günther Platter war die Erleichterung deutlich anzusehen. Seine ÖVP hat das anvisierte Wahlziel erreicht, die 16 Mandate zu halten. Platter darf sich mit 39,56 Prozent über ein besseres Ergebnis freuen, als ihm in den Umfragen prophezeit worden ist.

Zur bevorstehenden Koalitionsbildung meinte der Landeshauptmann: „Ich werde als erstes Gespräche mit dem Zweitplatzierten führen. Ich spiele nicht die beleidigte Leberwurst was die SPÖ oder Vorwärts angeht.“ Er werde mit allen im Landtag vertretenen Parteien sprechen, um die „bestmögliche Lösung“ zu finden.

Auf einen Termin, wann die neue Regierung stehen soll, will sich Platter noch nicht festlegen. Die konstituierende Sitzung des Landtags muss spätestens am 28. Mai stattfinden.

Reheis „im Wechselbad der Gefühle“

SPÖ-Spitzenkandidat Gerhard Reheis freute sich trotz weiterer Verluste (- 1,7 Prozent) über die Rückeroberung des zweiten Platzes. Dieser war beim vergangenen Urnengang an die Liste Fritz verloren gegangen.

„Ich erlebe ein Wechselbad der Gefühle“, meinte Reheis während den Hochrechnungen. Enttäuschend sei aber das neuerliche Minus. „Wir haben im Wahlkampf eine tolle Stimmung miterlebt“, betonte Reheis. Sein Ziel, neuer Landeshauptmann zu werden, verfehlte er mehr als klar.

Felipe „total happy“

Ingrid Felipe war eigenen Angaben zufolge „total happy“ über die Zugewinne (+ 1,4 Prozent) der Grünen auf 12,1 Prozent. Zwar wurde das Ziel, das beste Ergebnis aller Zeiten zu holen bei weitem verfehlt, aber die Grünen konnten als einzige etablierte Partei Zugewinne verbuchen.

Ob sich eine Regierungsbeteiligung ausgehe, hänge auch an den Inhalten. „Es braucht gewisse Bedingungen und Eckpunkte dafür“, meinte Felipe.

Lindenberger: „Keine Koalition mit Platter“

Vorwärts-Spitzenkandidat Hans Lindenberger betonte, dass er stolz sei, „innerhalb von 100 Tagen“ ein derart gutes Ergebnis erzielt zu haben. Seine Partei schaffte mit 9,2 Prozent der Stimmen den Einzug in den Landtag und holte auf Anhieb vier Mandate. „Das muss uns erst einmal jemand nachmachen“, meinte Lindenberger.

Das Ziel, zweitstärkste Partei zu werden, habe man zwar nicht erreicht. Die Zufriedenheit im Lager von „Vorwärts Tirol“ sei trotzdem groß. Die Koalitionsverhandlungen seien jetzt Aufgabe der ÖVP. Die Aussage vor der Wahl, mit der Platter-ÖVP keine Koalition eingehen zu wollen, gelte nach wie vor, so Lindenberger.

Hauser will „bürgerliche Regierung“

Trotz großer Verluste für seine Partei (- 2,8 Prozent) zeigte sich FPÖ-Spitzenkandidat Gerald Hauser in einer ersten Reaktion nicht entmutigt. Die FPÖ bleibt trotz des schwachen Abschneidens aller Voraussicht nach bei vier Mandaten. Hauser meinte, dass er zu einer „bürgerlichen Regierung“ mit der ÖVP bereit sei, wenn die Freiheitlichen ihre vier Mandate halten. Erwartet habe er sich mehr, trotzdem ist er „nicht ganz unzufrieden“.

Haselwanter-Schneider „nicht ganz zufrieden“

„Nicht ganz zufrieden“ zeigte sich Liste Fritz-Spitzenkandidatin Andrea Haselwanter-Schneider gegenüber der TT. „Wir haben unser Wahlziel, eine Regierung ohne die ÖVP, leider nicht erreicht. Dass wir unter den schwierigen Voraussetzungen den Einzug in den Landtag geschafft haben, freut mich aber sehr.“ Die Liste Fritz kam ohne ihren gesundheitsbedingt zurückgetretenen Listen-Gründer Fritz Dinkhauser lediglich auf 5,6 Prozent (- 12,7 Prozent).

Gurgiser: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“

Fritz Gurgiser hat vorläufig hauchdünn den Einzug in den Landtag verpasst (4,84 Prozent). Mit Hilfe der Wahlkarten (werden am Dienstag ausgezählt) könnte er zwar theoretisch noch den Sprung schaffen, laut Meinungforschern gilt dies aber als sehr unwahrscheinlich. „Die Hoffnung stirbt zuletzt, wir warten ab, bis die letzte Stimme ausgezählt ist“, meinte Gurgiser.

Er betont, dass seine Liste ohne Parteienförderung knapp fünf Prozent geschafft hat. Der ÖVP sei das „Alle gegen Schwarz“-Motto der anderen Parteien zugute gekommen. An seinen Themen sei es sicher nicht gelegen, nur sei den Streitereien innerhalb der anderen Parteien mehr mediale Aufmerksamkeit geschenkt worden.

Enttäuschte Gesichter beim Team Stronach

Enttäuschte Gesichter gab es beim Team Stronach, das mit 3,4 Prozent klar den Einzug in den Landtag verfehlte. Spitzenkandidat Hans-Peter Mayr sagte gegenüber der TT: „Wir haben das Wahlziel klar verfehlt. Das ist schade. Wir haben Fehler gemacht in Tirol und Wien. Durch den Boykottaufruf waren wir in einer sehr schwierigen Situation. Wir wollen die Strukturen in Tirol aber weiter ausbauen. Unser Ziel sind jetzt die Nationalratswahlen.“ (tt.com)