28.03.2012
Bundesliga

Wackeres Frage- und Antwortspiel

Der FC Wacker Innsbruck im Zwiespalt: Hier ein solides Budget und ein vielversprechender Tabellenrang. Dort ein Sportdirektor und eine Hand voll Legionäre, die auf ihre Vertragsverlängerung warten.

Von Florian Madl

Innsbruck – Fragt man Wacker-Geschäftsführer Gerald Schwaninger nach seiner Befindlichkeit, so folgt diese dem Biorhythmus des FC Wacker Innsbruck: sportlich zufriedenstellend – gemessen an den Rahmenbedingungen; und finanziell ebenso.

Trotzdem sorgen augenblicklich einige Anhaltspunkte für Unruhe im Traditionsverein. „Dass es uns schlecht geht und wir als Armenhaus der Liga hingestellt werden, stimmt einfach nicht. Wir haben immerhin sieben Millionen Euro zu verteilen“, ereifert sich Schwaninger zu diversen Aussagen aus den eigenen Reihen. Doch so verhält es sich nun einmal mit einem Großverein für Tiroler Verhältnisse: Es redet nicht einer, es reden viele.

Wann wird der Vertrag von Sportdirektor Oliver Prudlo verlängert? Das damit betraute Vorstandsmitglied Hannes Bodner zeigt sich mit Prudlos Arbeit prinzipiell zufrieden. Man habe für den Formal­akt einer Vertragsverlängerung im Übrigen noch bis Juni Zeit und müsse nicht schon im März aktiv werden. Für Prudlo selbst („Ich habe das zu akzeptieren“) scheint die Situation unbefriedigend, Bodner kontert: „Ein Sportdirektor wird wie alle an der Einhaltung seines Budgets gemessen. Prudlo hat eine Vorgabe und soll jetzt die Verträge machen. Dann werden wir das beurteilen und setzen uns wieder zusammen.“ Nachsatz: „Es ist für mich unverständlich, dass Angestellte so nach außen kommunizieren“, stellt Vorstandsmitglied Hannes Bodner zu mancher Äußerung in der jüngeren Vergangenheit fest. Insgeheim hofft mancher im Verein gar auf eine Galionsfigur des Kalibers Didi Constantini. Eine Frage des Geldes, und das steht nur beschränkt zur Verfügung.

Welche Legionäre bleiben? Der Begriff Großverdiener existiert im Wacker-Jargon nicht: „Im Österreich-Vergleich haben wir keinen“, winkt Geschäftsführer Schwaninger ab. Man bedient sich lieber des Ausdrucks „Besserverdiener“ – und dazu zählen mit Stürmer Miran Burgic, Mittelfeldmotor Tomás Abrahám und den Innenverteidigern Martin Svejnoha/Inaki Bea vier. Abrahám, dessen Vertrag bereits verlängert wurde, steht außer Diskussion. „Bei den Übrigen gibt es noch Diskussionsbedarf“, räumt Obmann Kaspar Plattner ein. Das gilt etwa für Burgic, der branchenüblich an Toren gemessen wird.

Welche Sponsoren kommen, welche gehen? Das zur Schultz-Gruppe zählende Skigebiet Hochzillertal zieht sich dem Vernehmen nach zurück. Auch Wettanbieter „digibet“ ist sich über künftige Aktivitäten unschlüssig. Im Gegenzug haben andere Unternehmen ihr Interesse bekundet, was laut Verein auch am Finanzgebaren liegt: „Wir hatten lange mit der Pleite des FC Tirol zu kämpfen. Jetzt sind wir solide aufgestellt, und das merken potenzielle Geldgeber auch. Das schafft Vertrauen“, bekräftigt Schwaninger. Erfreulich auf Ausrüsterseite: Partner Jako verlängerte um drei Jahre, zusätzlich zu Sachleistungen werden Erfolgsprämien in Aussicht gestellt.

Wie viel heimischer Weg steckt im FC Wacker? Am Österreicher-Topf der Bundesliga (5 Mio. €), mit dem der Einsatz heimischer Spieler honoriert wird, partizipiert der FC Wacker nicht im großen Stil. Österreichweit beläuft sich der Anteil der bisher in der Meisterschaft eingesetzten Spieler auf 73,2 Prozent, an der Spitze liegt Wiener Neustadt (95 %). Auf Platz neun und nur von Red Bull Salzburg (38 %) unterboten: die Tiroler (64 %).

Welche Schulden gilt es zu begleichen? Derzeit bereinigt der FC Wacker Altlasten in Höhe von knapp einer Million Euro. Diese werden, etwa durch den dafür vorgesehenen Stadion-Deal mit der Tirol Werbung (1 Mio. € in zehn Jahren), schrittweise abgebaut. Und Überschüsse (200.000 €, Anm.) wie zuletzt beschleunigen den Vorgang.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mi, 28.03.2012
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