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Deutsche Bundesliga

Bremen suspendiert ÖFB-Kicker Arnautovic bis zum Saisonende

Marko Arnautovic und Eljiero Elia flogen beim abstiegsbedrohten Bundesligisten bis zum Saisonende aus dem Kader.

Bremen – Marko Arnautovic hat den Bogen bei Werder Bremen wohl endgültig überspannt. Nach der nächtlichen Raserei mit seinem Clubkollegen Eljero Elia in der Nacht auf Freitag zog der deutsche Fußball-Bundesligist die Konsequenzen und sprach am Montag die Suspendierung des ÖFB-Teamspielers und des Niederländers bis Saisonende aus.

Laut Werder-Mitteilung ist das Duo vom Trainings- und Spielbetrieb der Bundesligamannschaft ausgeschlossen. Diese Entscheidung wurde Arnautovic und Elia in persönlichen Gesprächen durch die Geschäftsführung und Cheftrainer Thomas Schaaf mitgeteilt.

Trainingsprogramm außerhalb des Profi-Kaders

„Wir brauchen im Ligaendspurt die volle Konzentration eines jeden einzelnen Spielers. Wir haben Marko Arnautovic und Eljero Elia noch einmal verdeutlicht, dass ihr Verhalten der Mannschaft in dieser Phase geschadet hat. Beide werden bis zum Ende der Saison ein noch abzustimmendes Trainingsprogramm außerhalb des Profikaders absolvieren“, erklärte Werders Geschäftsführer Sport, Thomas Eichin.

Arnautovic und Elia waren am Freitag um 3.13 Uhr, rund 36 Stunden vor dem Auswärtsspiel gegen Bayer Leverkusen, nach einer nächtlichen Wettfahrt von der Polizei wegen erhöhter Geschwindigkeit gestoppt worden. Die Exekutive musste daraufhin wegen „aggressiven Verhaltens“ der angehaltenen Personen Verstärkung anfordern. Arnautovic bestritt allerdings vehement, sich aggressiv verhalten zu haben. Alkohol war bei dem Vorfall nicht im Spiel.

Bremen sucht Abnehmer für Arnautovic

Der neuerliche Fehltritt des 24-jährigen Wieners dürfte das Fass bei den Bremern endgültig zum Überlaufen gebracht haben. Laut übereinstimmenden deutschen Medienberichten sucht Werder nach einem Käufer für Arnautovic, der noch einen Vertrag bis 2014 besitzt.

Schon in der Vergangenheit hatte sich der im Sommer 2010 für über sechs Millionen Euro von Twente Enschede verpflichtete Arnautovic immer wieder Aussetzer erlaubt. Im Oktober 2010 etwa legte er sich nach seiner Auswechslung gegen Nürnberg verbal mit dem damaligen Werder-Manager Klaus Allofs an, im März 2011 kam es nach dem 0:2 des ÖFB-Teams in der EM-Qualifikation auswärts gegen die Türkei in der Kabine fast zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit Stefan Maierhofer.

Im Juni 2012 soll Arnautovic im Zuge einer Verkehrskontrolle in Wien gegenüber einem Polizisten ausfällig geworden sein und gesagt haben: „Du hast mir gar nichts zu sagen. Ich verdiene so viel, ich kann dein Leben kaufen!“ Bereits damals musste er in Bremen zum Rapport. Zuvor war er schon einmal wegen eines Disco-Besuches aus dem Kader geflogen.

Zuletzt hatte sich Arnautovic auch innerhalb der Mannschaft ins Abseits manövriert. Erst vor einem Monat lieferte sich der Offensivspieler im Training ein Gerangel mit Sokratis. Kapitän Clemens Fritz meinte zum jüngsten nächtlichen Ausflug von Arnautovic: „Da fehlen mir die Worte.“ Auch Zlatko Junuzovic hat offenbar kein Verständnis mehr für seinen Landsmann. „In dieser Situation merkt man, wer bereit ist, alles für die Mannschaft zu geben“, meinte der Ex-Austrianer.

Koller will sich mit Werder-Verantwortlichen kurzschließen

Welche Auswirkungen die Suspendierung für die Nationalteam-Zukunft von Arnautovic hat, ist noch unklar. Teamchef Marcel Koller stellte sich in den vergangenen Monaten fast immer hinter den „Bad Boy“, der trotz diverser Eskapaden und durchwachsener Leistungen regelmäßig zur ÖFB-Stammformation zählte.

Der Schweizer erklärte, er wolle die Vorkommnisse in den kommenden Tagen mit Arnautovic und den Werder-Verantwortlichen besprechen. Auf eine Vorverurteilung des 26-fachen Internationalen (7 Tore) verzichtete Koller.

„Man darf nicht vergessen, dass Bremen und das Nationalteam zwei unterschiedliche Bereiche sind. Beim Team hat er sich bisher nichts zuschulden kommen lassen“, betonte der 52-Jährige und ließ offen, ob er Arnautovic für das kommende WM-Qualifikationsmatch am 7. Juni im Wiener Happel-Stadion gegen Schweden nominieren wird. (APA)