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Tyson Gay und Asafa Powell gaben positive Dopingtests ab

Tyson Gay, der größte Herausforderer von Usain Bolt, zog bereits seinen WM-Start in Moskau zurück.

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Raleigh/Kingston - Vier Wochen vor Beginn der Freiluft-Weltmeisterschaften in Moskau wird die Leichtathletik gleich von mehreren Dopingfällen hochkarätiger Athleten erschüttert. Am Sonntag gab zuerst US-Topsprinter Tyson Gay bekannt, eine positive Probe abgegeben zu haben. Wenig später folgte der frühere 100-m-Weltrekordler Asafa Powell aus Jamaika. Auch die Staffel-Silbermedaillengewinner von London 2012, Sherone Simpson, war den Fahndern im Juni bei den jamaikanischen Meisterschaften ins Netz gegangen. Dort soll es laut der Nachrichtenagentur Reuters noch weitere drei positive Proben gegeben haben.

Gay ging selbst an die Öffentlichkeit

Der mit 9,75 Sekunden schnellste 100-m-Sprinter des Jahres und schärfste Konkurrent des jamaikanischen Weltrekordlers und Olympiasiegers Usain Bolt bei den kommenden Freiluft-Welttitelkämpfen ging selbst an die Öffentlichkeit. Gay erzählte in einer Telefonkonferenz am Sonntag aus Amsterdam Journalisten, dass er am Freitag von der US-Anti-Doping-Agentur (USADA) über eine positive A-Probe informiert worden sei. Der Test sei im Mai außerhalb von Wettkämpfen vorgenommen worden, über die gefundene verbotene Substanz wollte der 30-Jährige nichts sagen. Die B-Probe wurde noch nicht geöffnet, dies soll schnellstmöglich erfolgen.

Gay sagte bereits seinen Starts beim Diamond League Meeting in Monaco und den Welttitelkämpfen in Russland ab. „Ich habe keinen Bericht über Sabotage. Ich habe jemandem vertraut und wurde im Stich gelassen“, sagte Gay mit tränenerstickter Stimme. Er habe nie wissentlich eine leistungssteigernde Substanz zu sich genommen. „Ich habe einen Fehler gemacht“, gestand er im Trainingslager in Amsterdam ein. Gay erklärte, dass er keine Details preisgeben könne. „Ich darf darüber nicht sprechen. Ich weiß genau, was passiert ist, aber ich kann jetzt nicht darüber reden.“ Seine Familie wisse, dass es „irgendeine Art von Unfall“ gewesen sei.

Gay hatte früher Dopingfreiheit betont

An ein Karriereende denkt Gay aber nicht: „Ich hoffe, ich werde wieder laufen können. Aber ich werde jede Strafe wie ein Gentleman hinnehmen.“ Das alles sei hart für ihn, denn er sei immer ein dopingfreier Athlet gewesen. Gay hat 2008 in Peking eine „100-prozentige Garantie“ abgegeben, dass er nie eine positive Dopingprobe abliefern werde und seine Fans nie wie seine Landsleute Marion Jones oder Justin Gatlin mit einem positiven Dopingbefund enttäuschen werde. „Alles, was man im Verborgenen tut, kommt ans Licht. Man kommt nie damit durch, du wirst erwischt, egal wie sehr du es zu vertuschen versuchst“, hatte der US-Amerikaner betont.

„Das ist keine Nachricht, die wir hören wollen. Zu keiner Zeit und über keinen Athleten“, kommentierte Max Siegel, der Präsident des US-Leichtathletikverbandes (USATF), den jüngsten Dopingfall in der US-Leichtathletik. Man kenne die Fakten noch nicht, das weitere liege bei der USADA, danach werde man den Fall entsprechend behandeln. Nach beschwerlichen Jahren (Probleme mit Bändern, Muskeln, Hüfte) hat Gay heuer eine starke Saison über 100 und 200 m abgeliefert. Der Dreifach-Weltmeister von 2007 schien in der Form seines Lebens und ernsthafter Gegner von Bolt in Moskau im Kampf um die drei Kurzsprint-Goldmedaillen zu sein.

Manager gab Powells Doping-Ergebnis bekannt

Den positiven Test von Powell gab sein Manager bekannt. „Wir arbeiten mit der WADA zusammen und sind dabei zu klären, wie die Substanz in sein System gekommen ist“, sagte Paul Doyle. Der mehrfache Olympia- und WM-Medaillengewinner Powell ging den Dopingfahndern im Juni bei den jamaikanischen Leichtathletik-Meisterschaften ins Netz. Gefunden wurde eine Oxilofrine aus der Reihe der Stimulanzien. „Ich habe nie wissentlich irgendeine Substanz genommen, die gegen die Regeln ist. Ich habe niemals betrogen und ich betrüge jetzt auch nicht“, hieß es in einer Stellungnahme Powells. Er werde die Konsequenzen tragen, sein Fehler sei aber nicht gewesen, dass er betrogen habe, sondern dass er nicht wachsam genug gewesen sei.

Ein weiterer von fünf mutmaßlichen Fällen bei den jamaikanischen Trials betrifft 4x100-m-Olympia-Silbermedaillengewinnerin Sherone Simpson, ebenfalls eine Athletin von Doyle. „Das ist eine sehr schwierige Zeit für mich“, sagte die 28-jährige Simpson. „Als Athletin weiß ich, dass ich dafür verantwortlich bin, was in meinen Körper gelangt. Ich würde nie wissentlich eine illegale Substanz nehmen.“ Gefunden wurde bei ihr nach dem 100-m-Finale in Kingston ebenfalls Oxilofrine. Wer die mutmaßlichen weiteren drei positiv getesteten Athleten sind, ist noch nicht bekannt. Bolt steht laut seinem Manager nicht unter Verdacht.

Mehrere Fälle in Jamaika in letzten Wochen

Herb Elliott von der jamaikanischen Anti-Doping-Kommission (JADCO) bestätigte lediglich, dass man Nachricht erhalten habe, dass es „von der Norm abweichende Analyseergebnisse von A-Proben“ gegeben habe. Weitere Informationen gab es nicht. Nach mehreren Medienberichten soll aber auch Staffel-Olympiasieger Nesta Carter zu den positiv getesteten Spitzenathleten aus Jamaika gehören. Er hatte erst Samstagabend beim Challenge-Meeting in Madrid die 100 m in 9,87 gewonnen.

Die Dopingfälle kommen nur wenige Wochen nach jenem der jamaikanischer Supersprinterin Veronica Campbell-Brown. Die amtierende 200-Meter-Weltmeisterin und dreifache Olympiasiegerin ist von ihrem Landesverband (JAAA) provisorisch gesperrt worden. Die 31-Jährige war im Mai in Kingston positiv auf ein Diuretikum getestet worden. Kurz zuvor war aufgrund ihres bereits zweiten Dopingvergehens deren Landsfrau Dominique Blake für sechs Jahre gesperrt worden. Der 400-m-Läuferin war die Einnahme des Stimulanzmittels Methylhexanamin nachgewiesen worden. (APA/Reuters)

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