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Nordkette Downhill.Pro

„Hier beginnt der Albtraum!“

Die Fahrer des Nordkette Downhill.Pro sind sich nicht ganz einig, ob sie sich auf die einmalige Atmosphäre über Innsbruck freuen sollen. Sie würden ja, wäre da nicht der 3er-Stützen-Albtraum.

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Von Florian Madl

Innsbruck – André Vögele muss Eiswürfel lutschen. Pausenlos. Mit welcher Lockerheit der 18-Jährige am Freitag mit seiner 17-kg-Maschine zum Training des Nordkette Downhill.Pro radelte, erinnerte ein wenig an die Schlussszene von „Arma­geddon“, als Bruce Willis mir nichts, dir nichts die Welt rettete. „Erst vor einigen Wochen habe ich mir die Mittelhand gebrochen“, ergänzt der Lkw-Techniker aus Innsbruck-Hötting scheinbar teilnahmslos. Eine der wenigen Verletzungen in der Karriere des Junioren-Europacup-Fahrers.

Die Streckencharakteristik erinnert mehr an einen Marathonlauf als an einen Downhill (Streckenrekord Nordkette 9:21 Minuten): „Am Anfang nicht zu viel Gas geben, die Kraft fehlt dir unten.“ Dann spricht er über die ersten Serpentinen, beim „3er-Stützen-Albtraum“ ist sogar seinen Worten ein Anflug von Ehrfurcht zu entnehmen. Auf die „Mischwaldsession“ folgt der „Lawinenkegel“ (Nachwuchs-Start) und schließlich aus Zuschauersicht der Höhepunkt – der vier Meter breite „Roadgap“: ein Sprung über die Straße. Fast ein wenig trotzig klingt André Vögele, wenn man ihn auf diesen kapitalen Sprung anspricht, den man bloß nicht mit zu wenig Geschwindigkeit angehen darf (Kante!): „Uns Nachwuchsfahrern ist es nicht erlaubt, drüberzuspringen. Das sei zu gefährlich.“ Das soll nicht heißen, dass er und andere Teenager aus der lokalen Szene diese Passage nicht intus hätten. Eines Tages wird auch André Vögele springen dürfen, heuer bleibt das Assen wie Markus Pekoll vorbehalten, augenblicklich in den Top Ten der Weltrangliste und damit bester Österreicher. Oder den Neuseeländern George Brannigan und Wyn Masters. Oder dem Südafrikaner Johann Potgieter.

Die Locals, die in Tirol beheimateten Sportler, würdigen das Antreten der Stars. Aber ein wenig wollen sie ihnen auch zeigen, dass der Heimvorteil keine Worthülse ist. Benedikt Purner war im Vorjahr, als das Rennen noch ein Teamwettkampf war, Drittschnellster. Heuer geht es um Einzelplatzierungen. Und außerdem um 5000 Euro.

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