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FC Barcelona

Barca unter Schock: Krebs-Rückfall zwingt Vilanova zum Rücktritt

Spanien ist erschüttert: Barcelona-Trainer Tito Vilanova erleidet einen Rückfall seiner schweren Krankheit und muss als Coach aufhören. Nicht Taktik und Tore, sondern der Kampf gegen den Krebs werden das Leben des 44-Jährigen von nun an bestimmen.

Barcelona - Harter Schlag für den spanischen Fußball-Meister FC Barcelona: Lionel Messi, Neymar, Xavi & Co. stehen wenige Wochen vor dem Saisonstart ohne Trainer da. Tito Vilanova trat am Freitag wegen eines Rückfalls seiner Krebserkrankung von seinem Amt zurück. „Die jüngsten Untersuchungen haben diese Woche ergeben, dass die nötige Behandlung von nun an mit der Ausübung einer Trainertätigkeit unvereinbar ist“, erklärte Clubboss Sandro Rosell am Freitagabend vor vielen stillen Journalisten und dem sichtlich mitgenommenen Team.

Während der vierfache Weltfußballer Messi und andere Spieler den Blick gen Boden richteten, versuchte sich Rosell auf der eigens einberufenen Pressekonferenz auf dem Vereinsgelände in aufmunternde Worte: „Das Leben geht weiter, wir haben beim FC Barcelona schon viele Rückschläge überstanden, wir werden auch diesen überwinden.“ Der Name des neuen Trainers solle „schon in den nächsten Tagen“ bekanntgegeben werden, fügte er an. Das für Samstag vorgesehene Testspiel beim polnischen Club Legia Danzig sei aber abgesagt worden.

Die schlimme Nachricht muss Vilanova von den Ärzten wohl ganz kurzfristig am Freitag erfahren haben. Am Vormittag hatte der Coach nämlich noch ganz normal das Training des katalanischen Starensembles geleitet. Kurz vor der Pressekonferenz, als die Gerüchteküche schon heftig brodelte, war die abendliche Einheit aber abgesagt worden.

„Beispielhafte Kämpfernatur“

Die Sportzeitung „AS“ zitierte Spaniens Nationalspieler Jordi Alba: „Das ist eine sehr schlechte Nachricht. Er hat einen großartigen Job gemacht.“ Erschütterung machte sich schnell nicht nur in Katalonien, sondern in ganz Spanien breit. Barcelonas Erzrivale Real Madrid übermittelte Vilanova in einer ersten Reaktionsbotschaft seine „Zuneigung und Solidarität“. Die Zeitung „20Minutos“ schrieb in der Onlineausgabe, der Rückfall der Krankheit sei „eine neue Feuerprobe für einen unermüdlichen Kämpfer“. Das spanische Fernsehen würdigte Vilanova unterdessen als „beispielhafte Kämpfernatur“.

Bei dem Nachfolger des Erfolgscoaches und neuen Bayern-Trainers Josep Guardiola war Ende 2012 ein Krebsleiden an der Ohrspeicheldrüse neu ausgebrochen. Nach einem ersten Eingriff im November 2011 musste der frühere Co-Trainer deshalb am 20. Dezember zum zweiten Mal operiert werden, bevor er im Januar in New York die Nachbehandlung mit einer sechswöchigen Röntgen- und Chemotherapie aufnahm.

Im Winter hatte Vilanova deshalb das Traineramt für rund zwei Monate ruhen lassen, Assistent Jordi Roura übernahm damals das Ruder. Danach führte aber der Mann aus Bellcaire d‘Empordà Barça in der Primera Division zum Meistertitel. In der Champions League scheiterten die Katalanen allerdings im Halbfinale am FC Bayern München.

Ferrer als Interims-Nachfolger gehandelt

In den spanischen Medien wird derweil der jetzige Co-Trainer Joan Francesc Ferrer zumindest als Interims-Nachfolger Vilanovas gehandelt. Der international gänzlich unbekannte Coach war erst vor wenigen Tagen als neuer Assistent verpflichtet worden. Der 43-Jährige, der seit seiner Kindheit wegen der roten Haare „Rubi“ (Rubin) gerufen wird, hatte in der abgelaufenen Saison in der 2. Liga mit dem FC Girona die beste Spielzeit der Clubgeschichte geschafft und nur knapp den Aufstieg verpasst.

„Ich kenne ihn seit vielen Jahren sehr gut, er wird uns besser machen“, hatte Vilanova jüngst bei der Verpflichtung Rubis erklärt. Vielleicht hatte er da schon so etwas wie eine Vorahnung. (dpa, TT.com)