Länderspiel-Double hier, Stadion-Posse dort
Stadion Klagenfurt
11. Jänner 2006: Spatenstich für das EURO-Stadion (70 Mio. €), Rückbau von 32.000 auf 18.000 Zuschauer geplant. 16. September 2009: Vertreter der Stadt Klagenfurt und Kärntens einigten sich mit Sportminister Norbert Darabos darauf, das Stadion nicht zurückzubauen. Dann könnten Ländermatches und Großkonzerte veranstaltet werden, so die Argumentation. Der Bund erklärte sich bereit, 15,5 Millionen Euro beizusteuern. Nachforderungen der Baufirmen, Mietkosten, Auflagen, Lärmschutz, Behördenverfahren und Gutachten sind noch zu berappen, die Auslastung lässt zu wünschen übrig.
Von Florian Madl
Innsbruck – Die Fußball-Europameisterschaft 2008 in Österreich setzte mancherorts den Sinn für die Realität außer Kraft. Was den Villachern ihr „Lei Lei“, ist den Klagenfurtern ihr „Blabla“. Und der Narrenruf in der Landeshauptstadt könnte treffender nicht sein. Das mit dem Prädikat „schönstes Stadion Österreichs“ versehene Schmuckstück behielt nämlich entgegen erster Planungen seine Überdimensionierung (32.000 Sitzplätze) auch nach dem Großereignis. Ein kostspieliges Unterfangen, das noch nicht einmal alle Instanzen durchschritt. Zum Ärger des Österreichischen Fußballbunds ist der Oberrang der EURO-2008-Arena zudem noch immer nicht fertiggestellt, weshalb das Testmatch gegen Finnland (morgen, 20.30 Uhr) bis auf Weiteres der letzte Auftritt der ÖFB-Auswahl in Kärnten ist.
Der Verband will sich Länderspiele in einem halbleeren Stadion, in dem derzeit nicht einmal 14.000 Zuschauer zugelassen sind, künftig nämlich ersparen. „Wir können nicht dauernd in einem Torso spielen“, erklärte ÖFB-Präsident Leo Windtner.
Innsbrucks Stadionbetreiber Michael Bielowski (Olympiaworld) sah sich rückblickend bestätigt: „Ich bin froh, dass wir das Tivoli seinerzeit zurückgebaut haben. Das Beispiel Klagenfurt zeigt, wie richtig das war.“ Während in Salzburg Mäzen Dietrich Mateschitz allfällige Kosten trägt und in Innsbruck nach kurzer Diskussion die Vernunft siegte (Rückbau), hält man im ohnehin finanzschwachen Bundesland Kärnten an seiner Ausrichtung fest und bittet die Steuerzahler zur Kasse:
Es passt ins Bild, dass der eben mit einem Insolvenz-verfahren konfrontierte Regionalligist Austria Klagenfurt die Arena als Heimstätte nutzt. Und es passt ins Bild, dass die kostenintensive Austragung von Freiluft-Eishockey-Spielen in einem Stadion stattfindet, das in Sachen Behördenverfahren schon so manche Nuss zu knacken aufgab.
ÖFB-Präsident Windtner drohte: „Es war vereinbart, dass das Stadion in seiner kompletten Kapazität (Anm.: rund 30.000) zur Verfügung steht. Wenn das nicht eingehalten wird, müssen wir eben ausweichen.“ Das vernimmt man in Innsbruck mit Freude. Und deshalb durfte Tivoli- Geschäftsführer Michael Bielowski bereits zwei Termine für die Österreichische Nationalmannschaft blocken:
Am 1. Juni empfängt Marcel Kollers Auswahl die EM- Gastgeber Ukraine, am 5. Juni gastiert ein noch nicht bekannter Gegner am Innsbrucker Tivoli. Möglicherweise ein weiterer Teilnehmer der Fußball-Europameisterschaft 2012, die nur drei Tage später beginnt. Tirol scheint neuerlich en vogue zu sein.



