In inniger Feindschaft verbunden
Von Florian Madl
Innsbruck – Das Geschehen vor dem Bundesliga-Westderby am Karsamstag zwischen Red Bull Salzburg und Wacker Innsbruck (2:0) nährte aus Sicht eines Bloggers Verschwörungstheorien: Als Tiroler Fan-Busse nach dem Grenzübergang Walserberg auf den Autobahnparkplatz Glanegg umgeleitet und die 98 Insassen perlustriert wurden, meinte dieser: „Interessant auch, dass es nur die Busse der Verrückten Köpfe und die der I Furiosi (zwei Fan-Gruppierungen, Anm. d. Red.) getroffen hat.“ Das Prozedere, das „Heer an Uniformierten“, hätte ihn zudem „an Ostblock-Zeiten“ erinnert. Selbst der Gang auf die Toilette sei den im kalten Salzburger Nieselregen Wartenden verwehrt worden. Die eine Seite.
„Alles im Rahmen“, schildert Irene Stauffer, Sprecherin der Salzburger Polizei, auf Nachfrage. Man habe die Einhaltung des Pyrotechnikgesetzes kontrolliert. 214 Böller, 23 Bengalen und acht Rauchkörper, fasst sich das Ermittlungsergebnis in Zahlen. Und weil sich die Wacker-Fans „nicht kooperativ“ gezeigt hätten, wären sie im Anschluss auch zu spät zum Grund ihres Besuchs, dem Westderby, gekommen. Ausweise, Fragen zur Person oder das Öffnen der Taschen, das habe sich „gezogen“. Warum ein fern des Stadions gelegener Parkplatz aufgesucht wurde und nicht der Walser Busparkplatz in Stadionnähe, blieb unbeantwortet.
„Die Stimmung war negativ aufgeladen“, schilderte Armin Weber, Fan-Sozialarbeiter der Wacker-Faninitiative, die Situation. So seien Leute mit Eintrittskarten von Salzburger Einsatzkräften „grob zurückgewiesen“ und am Stadionbesuch gehindert worden. „Das Verhältnis zur Polizei ist nach Aktionen wie dieser ein angespanntes“, meint Weber, der von einem Solidarisierungseffekt des Anhangs spricht. Zur Deeskalation hätte die Exekutive „nicht beigetragen“. Der Tiroler Ärger entlud sich in Form von Feuerwerkskörpern. Bedrückend: Ein verletzter Polizist, ein Familienvater, der mit Verbrennungen unbestimmten Grades ins Krankenhaus eingeliefert und heute operiert wird. Randnotiz: die Gästetoilette – demoliert.
Schauplatzwechsel: Auch am Fennerareal, am Samstag Schauplatz des Westligaspiels zwischen Union Innsbruck und Austria Salzburg, kam es zu einem Polizei-Aufmarsch größeren Ausmaßes. In Ermangelung des Widerparts FC Wacker begnügten sich die Violetten mit dem kleinen Stadtverein. Provokationen hier wie dort, eine Handvoll Aktionisten. Ein vergleichsweise ruhiger Nachmittag für die Polizei, der dem Steuerzahler aufgerechnet wird. Und für ein Spiel der Bedeutungsklasse „zu vernachlässigend“ jedenfalls beschämend.
Übrigens: Kommendes Jahr feiern die Erzrivalen. Die Salzburger Austria ihr 80. Bestandsjahr, der FC Wacker Innsbruck seinen 100er. Die einen wollen zu diesem Anlass national eine Rolle spielen, also in die zweite Bundesliga (Heute-für-morgen-Liga) aufsteigen. Und die anderen tunlichst international, also in den Europacup. Mit den zahmen Fans von RB Salzburg, mancherorts auch „Zuchtbullen“ genannt, will keiner von beiden etwas zu tun haben. Die dienen, wenn überhaupt, als widerwärtiger Kommerzverein. Aber das war es auch schon mit den Gemeinsamkeiten.
Dass Gastspiele der beiden jemals friedlich ablaufen können, davon ist Wacker-Sozialarbeiter Armin Weber überzeugt: „Wäre es so, dass die Nordtribüne aus 1000 Gewalttätern besteht, könnten wir nichts tun. Aber so ist es nicht – ganz im Gegenteil.“



