Schiris ohne Zukunftssorgen: „Wir sind sehr gut aufgestellt“
Von Tobias Waidhofer
Innsbruck – Als Schiri-Obmann Reinhard Kaserer in den 70er-Jahren noch selber aktiv über die Tiroler Fußballplätze tingelte, musste auch er sich einiges anhören. „Ich pfiff damals mit einer Brille, da haben die Zuschauer geschrien: ,Du brillerter Hund‘“, erzählt Kaserer. „Das hab ich mir zu Herzen genommen und mir Kontaktlinsen gekauft. Dann haben sie halt gerufen: ,Kauf dir eine Brille‘.“
Eine Anekdote aus dem Leben eines Unparteiischen, die einiges aussagt. „Persönlichkeit ist für einen Schiedsrichter sehr wichtig. Man muss eine dicke Haut entwickeln. Es ist immer noch besser, ein Zuschauer schimpft am Fußballplatz als zu Hause mit seiner Frau“, weiß Kaserer, dass einem Schiri eine gewisse Ruhe und Selbstkritik sehr gut zu Gesicht steht. „Aber wir sind sowieso selbst unsere größten Kritiker.“ Überhaupt brauche es viele Qualitäten, um ein guter Schiedsrichter zu sein. „Die Liebe zum Sport, Fitness, ein anständiger Charakter.“ Das alles sei wichtig, um zu reüssieren.
Insgesamt hat der Tiroler Fußballverband aktuell 220 Schiedsrichter, wobei der Löwenanteil im Raum Innsbruck lebt. „Im Oberland fehlt uns da zum Beispiel ein bisschen die Breite. Da müssen wir oft Schiedsrichter aus dem Raum Innsbruck zu den Spielen einteilen. Das kostet die Vereine natürlich mehr Geld“, erklärt Kaserer. Ständige Weiterbildungen und ein ausgeklügeltes Beobachtungssystem mit halbjähriger Auswertung und Einteilung in die einzelnen Ligen sorgen dafür, dass keiner der 220 Unparteiischen in seiner Entwicklung stehen bleibt.
Nachdem gestern mit Thomas Einwaller (das österreichische Cupfinale war sein letztes Spiel) die Nummer eins unter den Tiroler Schiedsrichtern seine Karriere beendete, stellt sich nun natürlich die Frage nach einem legitimen Nachfolger. Auch darauf hat Kaserer eine Antwort. „Andreas Heiss (Innsbruck) hat sich in seiner ersten Saison in der Heute-für-Morgen-Liga etabliert und gute Kritiken erhalten. Auch Georg Danler (Absam) und Walter Altmann (Wörgl) sind ein Versprechen für die Zukunft. Wir sind gut aufgestellt.“ Ob mit oder ohne Brille.



