18.01.2012
YOG 2012

Ständig Olympia im Ohr

Das Call-Center der Jugendspiele hilft bei möglichen und unmöglichen Anfragen weiter.

Von Christoph Mair

Innsbruck – Die Anrufer im Call-Center der Olympischen Jugend-Winterspiele (Youth Olympic Games, YOG) geben den in der Mehrzahl weiblichen Mitarbeitern mitunter knifflige Aufgaben auf. Die Frage nach den kuriosesten Anfragen hat sich beim TT-Lokalaugenschein rasch von selbst beantwortet: „Nach wie vielen Metern wird auf der Bobbahn jeweils die Zwischenzeit gemessen?“, will eine Anruferin von Michaela Schwaiger wissen.

Obwohl inzwischen mit fast allen olympischen Wassern gewaschen, kann Michaela die Frage nicht auf Anhieb beantworten. An der Bobbahn will man die Info nicht so ohne Weiteres herausgeben, aber die Dame in der Leitung wird verbunden. Viel öfter lassen sich vermeintlich unlösbare Fragen noch viel leichter klären: So habe eine Frau aus Bulgarien Kontakt mit dem Call-Center der Jugend­spiele aufgenommen und um die Zeiten der Sportübertragungen im bulgarischen Fernsehen gebeten. Damit konnte der YOG-Auskunftsdienst zwar nicht dienen, der Verweis auf einen Internet-Livestream habe die Anruferin aber mehr als zufrieden gestellt, erinnert sich das Team. Prompte Antwort erhalten auch alle, die das Rätsel um den Zusatz „DNA“ im YOG-Logo gelöst haben wollen: „Es steht tatsächlich für Desoxyribonukleinsäure und steht für das olympische Gen, das wir alle in uns tragen“, sagt Daniela Rodriguez Bonelli, Leiterin des Sprachdienstes (language service) der Jugendspiele.

Insgesamt 75 Freiwillige aus aller Herren Länder seien bei Sitzungen und an den Wettkampfstätten im Dienst der Verständigung unterwegs und deckten dabei 17 Sprachen ab, erklärt Rodriguez. Anfragen im Call-Center, das im Zweischichtbetrieb von 8 bis 20 Uhr besetz ist, werden neben Deutsch, Englisch und Französisch auch in Spanisch, Italienisch, Russisch und Chinesisch beantwortet. Die meisten Fragen am anderen Ende der Leitung würden auf Deutsch gestellt, berichten die Mitarbeiterinnen. Meist gehe es um Tickets oder den Weg von A nach B. Oder auch um einen hilfsbereiten Innsbrucker, der autostoppende chilenische Athleten aus dem Küthai mitgenommen und in einem Wagen vergessene Handschuhe entdeckt hatte. Der Kontakt zum betreuenden Freiwilligen war rasch hergestellt und der chilenische Sportler hat seine Handschuhe wieder, schmunzeln die Damen. Was sie nicht schon selbst wissen, steht entweder in einem Handbuch oder sie helfen sich gegenseitig weiter. Wenn das angesammelte Olympiawissen nicht reicht, muss recherchiert werden.

Die telefonische Anlaufstelle der YOG ist seit 9. Jänner in Betrieb. Am Anfang seien in Spitzenzeiten bis zu 250 Anrufe täglich zu registrieren gewesen, erinnert sich Daniela Rodriguez Bonelli. Momentan seien es um die 100. Und noch habe sich jedes Anliegen lösen lassen, zeigt man sich im Call-Center stolz.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mi, 18.01.2012
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