28.10.2012, 10:38  Aktualisiert: 28.10.2012, 15:19 
Ski Alpin

Ligety im Schneefall von Sölden in eigener Liga, Hirscher Dritter

In einer wahren Wetter-Lotterie stellte der US-Amerikaner seine Klasse unter Beweis. Marcel Hirscher schaffte mit einem starken zweiten Lauf noch den Sprung auf das Podest.
Behielt im Schneegestöber den Durchblick: Ligety.
Foto: APA/HANS KLAUS TECHT

Sölden – Auch bei den Herren hat der Weltmeister den Söldener Auftakt-Riesentorlauf gewonnen. Trotz erneut grenzwertigem Wetter lieferte US-Star Ted Ligety am Sonntag eine weitere Machtdemonstration ab und siegte unfassbare 2,75 Sekunden vor dem Südtiroler Manfred Mölgg. Und schon bittere 3,12 vor Weltcup-Titelverteidiger Marcel Hirscher, der als bester Österreicher Dritter wurde und sich prompt vor dem Sieger verneigte.

Von Rang neun noch auf das Podest

Für Vorjahres-Sieger Ligety war es der zwölfte (RTL-) Weltcup-Sieg, womit ausgerechnet der heftigste Kritiker der neuen Riesentorlauf-Ski einmal mehr in Sölden in einer eigene Liga fuhr. Zum fünften Mal in Folge kam der Sölden-Spezialist damit auf dem Rettenbachferner auf das Podest. Seine Plätze seit 2007: 2 - 3 - 2- 1 - 1.

„Ich hätte nicht gedacht, dass das heute möglich ist“, staunte Ligety über sich selbst. In beiden Durchgängen hatte der Amerikaner denkbar schlechte Bedingungen gehabt, dennoch deklassierte er den Rest der Welt mit dem siebentgrößten RTL-Vorsprung der Geschichte.

Hirscher katapultierte sich mit drittbester Laufbestzeit noch vom neunten auf den dritten Platz und toppte damit ein passables ÖSV-Ergebnis mit drei Läufern in den Top-Acht. Der Salzburger war aber angesichts seines Abstandes fassungslos. „Meine Position ist super, aber der Rückstand ist schon fast pervers“, sagte der Riesentorlauf-Weltcupsieger aus Salzburg.

Schörghofer als Schneepflug

„Es gibt nur eine Weltspitze und die heißt Ligety, dann kommt der Rest der Welt“, verneigte sich der 23-Jährige auch verbal. „Man fragt sich eigentlich, ob Ted noch mit den alten Ski fährt. Das ist so eine Watschn, dass du es normalerweise gleich lassen musst“, ergänzte Hirscher, dem bewusst ist: „Auf uns wartet noch viel Arbeit.“

Die Durchführung des Herrenrennens war noch grenzwertiger als jenes der Damen am Samstag. Sonntagfrüh war es nach andauerndem Schneefall so schlimm, dass für eine Stunde sogar die Gletscherstraße gesperrt war, womit viele der 12.000 Fans zu Fuß den Gletscher erklimmen mussten. Selbst ÖSV-Präsident Schröcksnadel kam deshalb zu spät.

Er verpasste den ersten Wirbel des Tages. Denn obwohl sich am Start Sonnenschein abzeichnete, schickte man den ersten Läufer pünktlich um 9.30 auf die Piste, obwohl noch Nebel und Schneefall dominierten. Bitter für Philipp Schörghofer, der mit Nummer eins zum „Schneepflug“ degradiert wurde. Der Salzburger musste im flachen Schlussteil sogar antauchen, war mit 4,49 Sekunden Rückstand als 52. chancenlos auf die Qualifikation und ärgerte sich dementsprechend.

Nur zehn Minuten später schien die Sonne, zu spät für die meisten Topfahrer wie auch Hirscher. Aber schon da hatte Ligety als Zweiter hinter dem Franzosen Thomas Fanara seine Klasse gezeigt. Und obwohl im Finale wieder wahres Katastrophen-Wetter herrschte, wurde auch am Sonntag der zweite Lauf durchgepeitscht.

Raich wieder nicht am Stockerl

Mit dem bekannten Ergebnis, wobei Ligety abermals bei schlechtesten Bedingungen überzeugte. Immerhin: Dank verändertem Schuh-Setup brachte der ÖSV mit Hirscher noch einen Läufer auf das Podest, während Romed Baumann von Platz fünf auf Rang 20 abstürzte und Benjamin Raich (8.) auch im elften Sölden-Anlauf keinen Podestplatz schaffte.

Hannes Reichelt rettete als zweitbester ÖSV-Fahrer noch Rang sechs. „Es war ein wilder Ritt, die Sicht war gleich Null. Deshalb bin ich in erster Linie froh, gesund im Ziel zu sein“, gestand der Routinier. Nicht nur ÖSV-Herrenchef Mathias Berthold hinterfragte die Regularität des Rennens. „Man hat es knallhart durchgedrückt. Wir sind Gott sei Dank mit einem blauen Auge davongekommen.“(tt.com/APA)

Endstand Riesentorlauf von Sölden:

1. Ted Ligety (USA) 2:36,02

2. Manfred Mölgg (ITA) 2:38,77

3. Marcel Hirscher (AUT) 2:39,14

4. Thomas Fanara (FRA) 2:39,25

5. Didier Defago (SUI) 2:39,45

6. Hannes Reichelt (AUT) 2:39,62

7. Gauthier De Tessieres (FRA) 2:39,75

8. Benjamin Raich (AUT) 2:39,80

9. Adam Zampa (SVK) 2:39,83

10. Matts Olsson (SWE) 2:40,02

11. Florian Eisath (ITA) 2:40,10

12. Marcel Mathis (AUT) 2:40,34

13. Leif Kristian Haugen (NOR 2:40,36

14. Ivica Kostelic (CRO) 2:40,40

15. Kjetil Jansrud (NOR) 2:40,44

16. Thomas Mermillod Blondin (FRA) 2:40,51

17. Jean-Philippe Roy (CAN) 2:40,77

18. Roberto Nani (ITA) 2:40,93

19. Tim Jitloff (USA) 2:41,03

20. Romed Baumann (AUT) 2:41,60

21. Janez Jazbec (SLO) 2:41,65

22. Dustin Cook (CAN) 2:41,75

23. Christoph Nösig (AUT) 2:41,83

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom So, 28.10.2012  10:38
aktualisiert: So, 28.10.2012  15:19
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