27.03.2012, 06:17  Aktualisiert: 27.03.2012, 10:22 
International

Warnstreiks im öffentlichen Dienst legen deutsche Flughäfen lahm

Auch in Österreich sind wegen des deutschen Tarifkonflikts Verzögerung möglich.
Foto: EPA

Köln/Bonn - Am Tag vor den nächsten Verhandlungen im Tarifkonflikt mit den öffentlich Bediensteten von Bund und Gemeinden haben die Warnstreiks in der Nacht auf Dienstag auch den deutschen Luftverkehr erreicht. In Köln/Bonn, einem Flughafen ohne Nachtflugverbot und hohem Cargo-Anteil, legten Beschäftigte von Mitternacht an die Arbeit nieder. Das bestätigte ein Flughafensprecher der Nachrichtenagentur dpa. Nach Angaben der Lufthansa sind im Laufe des Tages auch die Flughäfen München, Düsseldorf, Stuttgart und insbesondere Frankfurt/Main betroffen. Zudem hat die Gewerkschaft ver.di Angestellte von Bund und Kommunen im Saarland, Rheinland-Pfalz und Hamburg zu Warnstreiks aufgerufen.

Auf den Flughäfen sollen Beschäftigte von Gepäckabfertigung, Bodenverkehrsdiensten, Technik, Sicherheit und Verwaltung helfen, den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. In den Bundesländern bleiben teilweise die Busse in den Depots und Kindertagesstätten geschlossen. Auch der Müll wird nicht abgeholt.

Ausfälle im Internet veröffentlicht

Der Flughafen Frankfurt/Main dürfte am Dienstag weitgehend lahmgelegt werden. Auf dem größten deutschen Luftverkehrsdrehkreuz sollen nach ver.di-Angaben vom Vormittag an möglichst keine Maschinen mehr abheben. Wie ein Sprecher erklärte, wollen die Beschäftigten des Flughafenbetreibers Fraport von 05.30 Uhr bis etwa 14.30 Uhr ihre Arbeit niederlegen. In Stuttgart soll der Ausstand von 06.00 Uhr bis 11.00 Uhr dauern. In Düsseldorf geht die Flughafenleitung von Störungen zwischen 4.00 Uhr bis 12.00 Uhr aus.

Am frühen Dienstagmorgen hat die Lufthansa im Internet bereits 450 gestrichene In- und Auslandsflüge veröffentlicht. Weitere Ausfälle seien nicht ausgeschlossen und würden sofort im Internet veröffentlicht. Lufthansa versuche einen möglichst stabilen Flugplan aufzustellen. Die Passagiere könnten kostenlos umbuchen oder ihre Flüge stornieren.

Für Inlandsflüge stünden erneut die Fernzüge der Deutschen Bahn als Alternative bereit, teilte Lufthansa am Montag mit. Dafür müssten die Flugtickets auf die Bahn umgebucht werden. Das gehe über die Online-Buchungssysteme wie auch an jedem Lufthansa-Schalter oder Automaten. Ähnliche Maßnahmen hat auch die zweitgrößte deutsche Fluglinie Air Berlin ergriffen.

„Gezielte Nadelstiche für Verhandlungen“

„Unser Ziel ist es ausdrücklich nicht, den gesamten Flugverkehr zusammenbrechen zu lassen“, erklärte der zweite Vorsitzende der dbb-Tarifunion, Willi Russ, am Montag. „Vielmehr wollen wir mit gezielten Nadelstichen dafür sorgen, dass die Tarifverhandlungen, die am 28. März 2012 in Potsdam fortgeführt werden, möglichst zu einem Abschluss kommen.“

Inwiefern sich der Streik auf den Flugverkehr in Köln/Bonn auswirke, war am frühen Dienstagmorgen nach Angaben eines Flughafen-Sprechers zunächst unklar. Bis zum angekündigten Streikende um 10.00 Uhr seien 130 Starts- und Landungen im Personen- und Frachtverkehr geplant.

Folgen weitere Branchen?

Durch die Warnstreiks in Deutschland könnte es auch im österreichischen Flugverkehr zu Verzögerungen kommen. Die Austrian Airlines (AUA) würden aber alle sieben für die Dauer des Streiks vorgesehenen Flüge von und nach Deutschland durchführen, erklärte Airline-Sprecher Michael Braun am Montag gegenüber der APA.

Bei einem Arbeitskampf könnte auf Deutschland eine Streikwelle von Beschäftigten der Metallindustrie, des öffentlichen Dienstes, der Banken und der Telekom zurollen. Am Montag hatte ver.di-Chef Frank Bsirske in Stuttgart angekündigt, dass in diesem Fall in den verschiedenen Branchen „Verabredungen getroffen werden, gemeinsam sichtbar zu werden“. Wenn die Tarifparteien für ihre Bereiche keine Lösung am Verhandlungstisch fänden, könnte es im Mai zu konzertierten Aktionen kommen.

Das bisherige Angebot der Arbeitgeber von 3,3 Prozent mehr Gehalt auf zwei Jahre lehnte Bsirske ab. „3,3 Prozent wären selbst für 12 Monate zu wenig, geschweige denn für 24“, sagte er. Die Gewerkschaften fordern für die rund zwei Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst 6,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro. (APA/dpa)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Di, 27.03.2012  06:17
aktualisiert: Di, 27.03.2012  10:22
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