08.06.2012, 06:36  Aktualisiert: 08.06.2012, 10:02 
Griechenland

Bis zu 45 Milliarden im Jahr: Massive Steuerflucht in Griechenland

„Wenn wir davon auch nur die Hälfte eintreiben könnten, wäre Griechenlands Problem gelöst“, bestätigte der oberste Steuerfahnder.
IWF-Chefin Lagrade hatte Ende Mai kritisiert, Griechenland könne seine wirtschaftlichen Probleme selbst lösen, indem die Bürger ihre Steuern zahlen.
Foto: APA (epa)/OLIVIER HOSLET

Athen - Der Leiter der griechischen Steuerfahndungsbehörde hat sich der umstrittenen Kritik von IWF-Chefin Christine Lagarde an der Steuermoral der Griechen angeschlossen. Er stimme Lagarde vollkommen zu, sagte Behördenchef Nikos Lekkas der Tageszeitung „Die Welt“ (Freitagausgabe). Die Steuerflucht in seinem Land belaufe sich auf zwölf bis 15 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Das sind 40 bis 45 Milliarden Euro im Jahr. „Wenn wir davon auch nur die Hälfte eintreiben könnten, wäre Griechenlands Problem gelöst.“

Lagarde hatte die Bürger im hoch verschuldeten Griechenland Ende Mai in einem Interview zur Steuerehrlichkeit aufgerufen, um das Land aus der Krise zu führen. Kinder in manchen Regionen Afrikas bräuchten „mehr Hilfe als die Menschen in Athen“, sagte sie. Das Interview hatte in Griechenland eine Welle der Empörung ausgelöst.

Steuerfahndungschef Lekkas rügte, viele Ermittlungen scheiterten an mangelnder Kooperation griechischer Banken. Seine Behörde habe mehr als 5000 Fälle Antrag auf Konteneinsicht gestellt habe, doch nur in 214 Fällen sei diese bisher gewährt worden. In 500 Fällen, die Politiker beträfen, warte die Steuerfahndung seit fünf Monaten auf Auskunft. Das verlange natürlich politischen Willen. „Unsere Politiker haben begonnen, das zu verstehen“, sagt Lekkas.

Griechenland befindet sich seit Jahren in der Rezession. Im Gegenzug für Milliardenkredite der Europäischen Union und des IWF hatte sich die Anfang Mai abgewählte Regierung aus Sozialisten und Konservativen zu einem drastischen Sparprogramm verpflichtet. Nach der Wahl, bei der sparkursfeindliche Parteien großen Zuspruch erfuhren, kam keine neue Regierung zustande. Am 17. Juni soll erneut gewählt werden. (APA/AFP/Reuters/dpa)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 08.06.2012  06:36
aktualisiert: Fr, 08.06.2012  10:02
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