Von Benjamin Kiechl
Innsbruck – Rational statt emanzipatorisch, so lautet die Devise von Anke Domscheit-Berg. Die Unternehmerin aus Deutschland hielt beim Symposium „Leadership-Logiken der Zukunft“ in Igls mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg: Weniger Frauen im Management bedeutet weniger Erfolgsaussichten. „Unternehmen mit gemischten Management-Teams sind nachgewiesenermaßen erfolgreicher. Es gibt eine positive Korrelation zwischen Erfolg einerseits und der Höhe des Frauenanteils andererseits“, sagte Domscheit-Berg.
Ihre Argumentation unterfütterte sie mit einer Studie der London School of Economics: Danach haben gemischte Teams ein höheres Innovationspotenzial, das Optimum liege bei einem Anteil von 45 bis 55 % für jedes Geschlecht. Und gute Ideen seien für heimische Betriebe überlebenswichtig: Mit Ölquellen und billigen Arbeitskräften kann Österreich nicht punkten. Dennoch sind Frauen hierzulande in Führungsetagen unterrepräsentiert. Der „Frauen.Management.Report 2012“ der Arbeiterkammer weist einen Frauenanteil von 5,1 % in der Chefetage der Top-200-Unternehmen aus. Bei Vorständen in börsennotierten Unternehmen liegt der Wert bei 1,7 %. Österreich liegt auf einer Ebene mit Spanien, Portugal, Griechenland und Italien.
Die Unternehmerin ist überzeugt: Männer in Führungspositionen könnten von Frauen „ganz viel“ lernen. Weibliche Chefs würden andere Meinungen besser einbeziehen, Fragen stellen, motivieren und inspirieren. Domscheit-Berg, die in der DDR aufwuchs, traut Frauen genauso viel zu wie Männern. „Ich hatte in der Schule Polytechnik und Werken wie die Buben. Wir hatten praktisch jede Woche Girlsday.“ Auch vor naturwissenschaftlichen Fächern schreckte sie nicht zurück. „Hätte uns jemand erzählt, dass Mathematik, Chemie und Physik keine Mädchenfächer sind – wir hätten uns totgelacht.“
Die Frauenquote hält sie für notwendig. „Wir haben es sehr lange mit allen möglichen freiwilligen Mitteln versucht. Aber es gibt so viele Barrieren, die werden nicht von alleine weggehen“, erklärte sie. Denn die Auswahl von Führungskräften erfolge nach dem Gewohnheitsprinzip: „Wenn ein Chef einen Nachfolger sucht, schaut er in den Spiegel. Und sieht einen Mann.“
So habe Thomas Sattelberger, Ex-Personalvorstand der Deutschen Telekom, erst verstanden, wie schwierig es ist, Frauen in Spitzenpositionen zu etablieren, als er von anderen Vorständen aggressiv angegriffen wurde. Denn er habe Frauen in eine der „letzten Männerbastionen“ gebracht. Domscheit-Berg meinte: „Wir müssen Unternehmer zu ihrem Glück zwingen.“

Kommentieren