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Kreditklemme

EZB droht Banken mit Strafe, wenn sie keine Kredite vergeben

Die Europäische Zentralbank könnte zu drastischeren Mitteln greifen, um Banken dazu zu animieren, mehr Kredite an Unternehmen zu vergeben. Das kündigte EZB-Chef Draghi an.

Brüssel – Banken in der Eurozone können sich noch mindestens ein Jahr lang unbegrenzt Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) ausleihen. Diese Regelung werde mindestens bis zum 9. Juli 2014 verlängert, kündigte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Bratislava an. Ursprünglich wäre die Rundumversorgung im Juli 2013 ausgelaufen.

Vor Ausbruch der Krise hatte die EZB lediglich so viel Liquidität ins Finanzsystem gepumpt, wie sie für richtig hielt. Dabei hatten die Banken in einem Auktionsverfahren um die Milliarden aus Frankfurt bieten müssen, wobei nicht alle Wünsche auch erfüllt wurden. Die Spielregeln dafür wurden im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise geändert und nun – auch auf Grund der weiterhin anhaltenden Rezession – verlängert.

Liquidität gegen Infarkt

Die Versorgung der Geschäftsbanken mit Liquidität war ein Mittel, um einen Infarkt des Kreditgeschäftes zu verhindern. Banken, die sehr oft Geld untereinander leihen, begannen am Höhepunkt der Finanzkrise misstrauisch zu werden und die üblichen Kredite an Partner nicht mehr zu gewähren.

Die unbegrenzte Liquidität, garantiert durch die EZB, entspannte diese Situation. Allerdings tauchten neue Probleme auf, die teilweise bis heute anhalten. Die Banken gaben das Geld nur gebremst an Unternehmen weiter. Alternativ wurde das Geld einfach bei der EZB geparkt, die dafür Zinsen bezahlte. Auch dieser Verfahrensweise begegnete die EZB. Damit das Geld als Kredite an Unternehmen weiterfließt, hat die Zentralbank diese Anlageform unattraktiv gemacht, indem sie den Zinssatz schon auf null gedrückt hat. Dennoch besteht der Engpass an Geldversorgung für die Wirtschaft weiter.

Daher könnte die EZB noch einen Schritt weitergehen: Nach der Senkung der Leitzinsen auf ein Rekordtief von 0,5 Prozent schließt die EZB neue Wege bei der Bekämpfung der Rezession in der Eurozone nicht mehr aus. Die Banken könnten zu einer stärkeren Kreditvergabe animiert werden, indem sie künftig eine Art Strafgebühr zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken.

„Ungewollte Nebenwirkungen“

„Wir sind technisch darauf vorbereitet“, sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, am Donnerstag in Bratislava. „Es gibt noch einige ungewollte Nebenwirkungen, die wir meistern müssen, wenn wir uns zum Handeln entscheiden.“

Zuletzt hat die dänische Notenbank dieses Experiment gewagt. Allerdings haben die dortigen Institute danach wegen der zusätzlichen Kosten ihre Kreditzinsen erhöht.

Draghi kündigte außerdem weitere Initiativen zur besseren Kreditversorgung der Unternehmen an. Mit verschiedenen europäischen Institutionen werde darüber beraten, wie der Markt für forderungsgesicherte Wertpapiere (asset-backed securities, ABS) angeschoben werde könne. Dort können Banken ihre mit Sicherheiten wie Immobilien versehenen Unternehmenskredite zu Paketen schnüren und diese am Markt verkaufen. (tt.com, Reuters)