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EU-Bericht

Österreichs Wirtschaft erholt sich nur „ziemlich zögerlich“

Das Land sei aber „gut vorbereitet“ für einen allmählichen Aufschwung, so die EU-Experten. Lob gab es von EU-Währungskommissar Rehn für die niedrige Arbeitslosigkeit.

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Wien/Brüssel - Österreichs Wirtschaft erholt sich nach wie vor „ziemlich zögerlich“, wie es im Konjunkturbericht der EU-Kommission heißt. 2012 sei die gesamtwirtschaftliche Nachfrage geschrumpft und zum Jahresende sei sogar das BIP leicht zurückgegangen. Bis Oktober habe sich die Stimmung bei Unternehmen und Verbrauchern merklich verschlechtert. Seitdem sei die Gesamtstimmung zwar wieder etwas besser geworden, es bleibe aber eine „erhebliche Heterogenität“ quer durch die Wirtschaftsbereiche, und im März sei die Stimmung „generell gedämpft“ gewesen.

Für 2014 Wachstum von 1,8 Prozent erwartet

Heuer soll Österreichs BIP nach EU-Prognose daher nur mehr um 0,6 Prozent wachsen, nach einem Plus von 0,8 Prozent 2012. 2014, wo es in fast allen EU-Ländern wieder bergauf gehen soll, wird Österreich ein Wachstum von 1,8 Prozent vorhergesagt.

Der Jahresstart 2013 sei, wenn man die Indikatoren zur wirtschaftlichen Aktivität betrachte, sehr verhalten verlaufen. Die Kapazitätsauslastung habe sich zwar vom Absturz im Vorquartal erholt, eine merkliche Verbesserung gebe es aber nicht. Im Jänner 2013 seien die Auftragspolster in der Industrie sogar weiter geschrumpft, die Auftragseingänge - auch jene aus dem Ausland - hätten sich im ersten Quartal „ziemlich enttäuschend“ entwickelt. Auch die Einzelhandelsumsätze seien in den ersten zwei Monaten 2013 flau gewesen.

Österreichs Wirtschaft „gut vorbereitet“

Trotz dieser schwachen Wachstumsdynamik sei Österreichs Wirtschaft „gut vorbereitet“ für einen allmählichen Aufschwung in den kommenden Quartalen sowie 2014, halten die EU-Experten fest.

Die Unternehmen dürften finanziell keine Schwierigkeiten bekommen, da sie in den vergangenen Jahren einiges auf die hohe Kante gelegt hätten. Bei den Investitionen scheine es eine Zurückhaltung zu geben, günstige Finanzierungsbedingungen dürften da aber in den kommenden Monaten für mehr Dynamik sorgen.

Österreich von Kommissar Rehn gelobt

Auch über den österreichischen Arbeitsmarkt macht sich die Kommission keine Sorgen. Zwar werde die Arbeitslosigkeit 2013 und 2014 steigen; das hauptsächlich, weil die Erwerbsbevölkerung generell zunehme. Von EU-Währungskommissar Olli Rehn wurde Österreich am Freitag sogar lobend als Land mit der niedrigsten Arbeitslosenrate hervorgehoben. „Die Arbeitslosigkeit wird auf 11,1 Prozent in der EU und auf 12,2 Prozent in der Eurozone heuer steigen. Aber es gibt große Unterschiede zwischen den Ländern. In Spanien und Griechenland ist die Arbeitslosenrate von 27 Prozent unerträglich und die Zahlen werden auch 2014 nur leicht zurückgehen. Gleichzeitig hat Österreich 4,7 Prozent und Deutschland etwas über 5,4 Prozent“, so der Kommissar.

Was die generellen Wirtschaftsaussichten betrifft, sieht die Kommission in ihrem Bericht keine allzu großen Risiken. Mögliche Abschwungsrisiken rührten von einer schwächeren Auslandsnachfrage, auf der anderen Seite könnte aber die Binnennachfrage für positive Überraschungen sorgen, so sich dass Vertrauen von Unternehmen und Verbrauchern schneller erholt als erwartet.

Der Inflationsdruck indes dürfte sich nach EU-Vorhersage 2013 bis 2014 weiter abschwächen, auf unter 2 Prozent.

Budgetkonsolidierung kommt voran

Die Budgetkonsolidierung kommt laut den Brüsseler Experten rasch voran. Der gleichbleibende 2012er-Wert von 2,5 Prozent des BIP rühre hauptsächlich von den stabilen Haushaltseinkommen. Die Bankenhilfen im Ausmaß von 0,9 Prozent des BIP hätten eine Verminderung des Defizits verhindert.

Das erwartete Absinken des Defizits heuer auf 2,2 Prozent sei dem im Vorjahr verabschiedeten Stabilitätspakt zu verdanken - dessen Ziele der Bund 2012 übrigens verfehlt hat.

Heuer werde die Budgetkonsolidierung überwiegend auf der Einnahmenseite erfolgen. Wegen der Ausgaben im Bildungsbereich bleibe auf der Ausgabenseite weniger Geld übrig, wenngleich Maßnahmen, die 2013 und 2014 zu erheblichen Einsparungen führten, großteils schon implementiert worden seien.

Trotzdem werden das verlangsamte BIP-Wachstum und die erwartete Entspannung in bestimmten Ausgabe-Bereichen den Anpassungsbedarf einschränken, konstatiert die Kommission. Die budgetwirksamen Bankenhilfen wirkten sich heuer ebenfalls negativ auf die öffentlichen Finanzen aus. Wenn sich dann die Wirtschaft 2014 dynamischer entwickelt und weiterhin im Pensions- und Gesundheitssystem gespart wird, würde sich das Budgetdefizit weiter reduzieren, so die Kommission. Risiken sieht die EU in einer späteren wirtschaftlichen Erholung und einer weiteren Bankenhilfen. (APA)

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