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OeNB senkt Prognose: „Euroraum Schwachstelle der Weltwirtschaft“

Österreichs Wirtschaft wächst langsamer als erwartet. Die Oesterreichische Nationalbank hat ihre Wachstumsprognose für die Jahre 2013 und 2014 um 0,2 Prozent gesenkt.

Wien - Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat ihre Wachstumsprognose für heuer und das kommende Jahr um 0,2 Prozent gesenkt. Für das laufende Jahr wird nunmehr ein Wachstum von 0,3 Prozent und für 2014 von 1,5 Prozent erwartet. Grund dafür sei eine schwächere Nachfrage nach österreichischen Exporten, so die Nationalbank am Freitag.

Erst 2015 werde Österreichs Wirtschaft mit 1,8 Prozent wieder im langjährigen Durchschnitt wachsen. „Österreich kann sich der internationalen Entwicklung nicht entziehen, behauptet sich aber angesichts der Rezession im Euroraum bemerkenswert“, so OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny-

„Euroraum Schwachstelle der Weltwirtschaft“

„Der Euroraum ist die Schwachstelle der Weltwirtschaft“, sagte Nowotny. Während in den USA die Rezession eindeutig beendet worden sei, gelte dies für den Euroraum leider nicht. „Der Euroraum ist eindeutig in einer Rezession“, so Nowotny.

Für den Euroraum erwartet die OeNB für 2013 einen Rückgang des realen BIP um 0,6 Prozent, für 2014 eine Zunahme um 1,1 Prozent und für 2015 einen Anstieg um 1,6 Prozent.

Man habe die Dynamik des Abschwungs unterschätzt, so Nowotny. Die Rezession habe nunmehr auch Kernstaaten des Euroraumes wie die Niederlande und Finnland erreicht. „Es fehlt eine Wachstumslokomotive“, so der Notenbankchef. Auch für Deutschland wird für heuer nur ein Wachstum von 0,4 Prozent prognostiziert und 1,9 Prozent für 2014.

Es bestehe aber die Hoffnung, dass der Tiefpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung bis zur Jahresmitte erreicht werde, „und wir dann wieder einen Aufschwung sehen“. Diese Erwartungen basieren laut Nowotny auf einer deutlichen Verbesserung bei den Exporten und der Investitionsnachfrage.

Österreich sei somit einer der wenigen europäischen Staaten mit positiven Wachstum. Auch für Österreich erwartet Nowotny den Tiefpunkt des Einbruches in diesem Jahr, sodass Österreich nächstes Jahr wieder Wachstum haben könnte. Auch hier sollten die Exporte und die Investitionen wieder deutlich anspringen. Insgesamt gebe es in Österreich eine ausgeglichenere Entwicklung als in den anderen Staaten.

„Keine Inflationsgefahr“

Da in wirtschaftlich schwachen Zeiten die Inflation zurückgehe, drohe von dieser Seite her keine Gefahr, es gebe aber auch keine Deflationsgefahr. Österreich habe eine höhere Inflationsrate, weil der Wirtschaftseinbruch auch nicht so groß sei. Nowotny rechnet mit sinkenden Inflationsraten. „Es gibt für die österreichische Wirtschaft eindeutig keine Inflationsgefahr“, betonte er. Dahinter stünden sinkende Energiepreise.

Auch auf den Arbeitsmarkt wirke sich die derzeitige wirtschaftliche Entwicklung negativ aus. Die Arbeitslosenquote sollte nächstes Jahr nicht über 5 Prozent steigen, so Doris Ritzberger-Grünwald, Direktorin der Hauptabteilung Volkswirtschaft. Österreich werde auch in den kommenden Jahren die niedrigste Arbeitslosenrate in der EU aufweisen.

Aufgrund der gegebenen Wettbewerbsfähigkeit sollte sich in den kommenden Jahren auch die Leistungsbilanz positiv entwickeln, führte Nowotny aus. Die OeNB-Volkswirte erwarten geringere Budgetdefizite (ohne Zusatzkosten aus dem Bankenpaket) als das Finanzministerium, nämlich 1,7 Prozent im laufenden und 1,4 im kommenden Jahr. Nur 2015 dürften sie mit 1,2 Prozent höher sein. Hier geht das Ministerium von 0,6 Prozent aus. In der OeNB-Prognose sind nur Zahlen berücksichtigt, für die es bereits Beschlüsse gibt.

„Österreich steht günstig da“

Insgesamt sei der öffentliche Haushalt derzeit auf einem guten Weg, mit dem Konsolidierungspaket seien längerfristige Maßnahmen gesetzt worden, der Konsolidierungspfad an sich existiere, so Nowotny. Die Staatsverschuldungsquoten werden sich laut OeNB von 74,4 Prozent heuer auf 74,0 Prozent und 72,8 Prozent in den kommenden beiden Jahren verringern. Diese Werte liegen über jenen des Ministeriums.

Aufgrund der vernünftigen Politik stehe Österreich längerfristig gesehen vergleichsweise günstig da, so der OeNB-Gouverneur. (APA)