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Weltwirtschaft

G20 dringen auf mehr Wachstum und Arbeitsplätze

Arbeitslosigkeit vor allem von Jugendlichen bleibt weltweit ein großes Problem. Dagegen wollen die G20 nun mobil machen. Zugleich soll aber auch das Ziel, die nationalen Haushalte ausgeglichener zu gestalten, nicht leiden.

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Moskau - Die 20 größten Wirtschaftsnationen der Welt (G20) dringen auf die kurzfristige Schaffung von Arbeitsplätzen. „Das ist eine der großen und wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit“, sagte der deutsche Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Samstag vor Journalisten in Moskau. Nach einem zweitägigen Treffen der G20-Finanzminister und Notenbankchefs in der russischen Hauptstadt mahnte Schäuble auch die Notwendigkeit ausgeglichener Haushalte an.

„Wir haben für möglichst konkrete nationale Strategien geworben“, sagte Schäuble. „Es bleibt wichtig, dass wir angemessene länderspezifische Schuldenziele für die G20-Mitglieder entwickeln.“ Konkrete Zahlen würden aber erst die Staats- und Regierungschefs beim G20-Gipfel am 5. und 6. September in St. Petersburg veröffentlichen.

Arbeitslosigkeit zu hoch

„Die wichtigste Aufgabe ist, Wachstum zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen“, sagte Schäuble. „Die Arbeitslosigkeit in vielen Ländern ist zu hoch.“ Vor allem die hohe Jugendarbeitslosigkeit gilt derzeit als gewaltiges Problem, etwa in Krisenstaaten wie Spanien. Bis zum G20-Gipfel soll nun ein Aktionsplan ausgearbeitet werden. Erstmals hatten sich die Finanzminister in Moskau direkt mit den Arbeitsministern beraten.

„Die Weltwirtschaft bleibt zu schwach, und die Arbeitslosigkeit ist in vielen Ländern zu hoch“, betonte die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, in einer Mitteilung. Trotz positiver Signale aus den USA und Japan halte die Rezession in der Eurozone an und aufkommende Märkte wüchsen langsamer als erwartet. Lagarde sprach von „konstruktiven Diskussionen“ bei dem Moskauer Treffen.

In ihrer Abschlusserklärung kündigten die Minister und die Notenbankchefs zudem an, Änderungen der Geld- und Kreditpolitik präzise abzustimmen und verständlich zu erklären. „Wir bekräftigen ein weiteres Mal, dass die übermäßige Instabilität der Finanzströme und spontane Kursschwankungen verheerende Folgen für die ökonomische und finanzielle Stabilität haben könnten“, hieß es in dem Papier.

Aktionsplan gegen Steuerflucht

Lob erhielten die G20 für ihren verabschiedeten Aktionsplan gegen Steuerflucht und Schlupflöcher, den die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Vortag präsentiert hatte. EU-Steuerkommissar Algirdas Semeta sprach in Brüssel von einem „Paradigmenwechsel“. Der OECD-Plan soll vor allem verhindern, dass multinationale Konzerne wie Apple oder Google legale Schlupflöcher ausnutzen und dadurch weniger oder gar keine Steuern bezahlen.

„Das ist entscheidend, um faire Besteuerung zu sichern. Unsere ehrlichen Bürger und Unternehmen dürfen nicht wegen der Missetaten von Steuerhinterziehen zusätzliche Lasten tragen“, hieß es in der Mitteilung Semetas.

Die aufstrebenden Schwellenländer Brics (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) trieben indes auch in Moskau eine gemeinsame Finanz- und Wirtschaftspolitik voran. Die Notenbankchefs erwägen einen eigenen Stabilitätsfonds, wie der russische Finanzminister Anton Siluanow mitteilte. Dadurch solle im Notfall die Zahlungsbilanz eines Mitglieds gestützt werden. (dpa/tt.com)

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