Gebildet durch die Krise tauchen
Von Benjamin Kiechl
Innsbruck – Inmitten der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 baute der Autozulieferbetrieb AL-KO Kober mit Standorten in Ramsau und Zell am Ziller auf Bildungskarenz: „Damit haben wir zwei Ziele erreichen können: Wir haben keine Mitarbeiter entlassen müssen, sondern sie mit zusätzlichen Qualifikationen wieder an Bord geholt“, erklärt Geschäftsführer Klaus Köhlertz. „Zudem darf man nicht vergessen, dass mit der Bildungskarenz eine Kostenentlastung für das Unternehmen einherging.“ Zur Überbrückung in Krisenzeiten habe sich diese Maßnahme bewährt, im Moment sei die Bildungskarenz aufgrund guter Unternehmensauslastung im Zillertal allerdings „kein Thema“.
Für den Arbeitsrechtsexperten Bernhard Achatz von der Wirtschaftskammer Tirol ist die Firma AL-KO Kober ein gelungenes Beispiel unter vielen: „Dank Bildungskarenz sind viele Tiroler Unternehmen aus der jüngsten Wirtschaftskrise gut hervorgegangen“, sagt Achatz. „Bei großen Tiroler Betrieben wird die Bildungskarenz gerne genützt.“ Auch weil das Land Tirol zur Krisenbewältigung im Rahmen der „Bildungskarenz plus“ 50 Prozent der Ausbildungskosten des Mitarbeiters übernommen hat, wenn der Arbeitgeber die Bildungsmaßnahme finanziert hat. In den Krisenjahren 2008 bis 2010 habe die Bildungskarenz, neben der Kurzarbeit, dazu geführt, dass die Beschäftigungszahlen in Tirol weitgehend stabil gehalten werden konnten. Bei schwacher Auftragslage sei es wichtig, die Mitarbeiter zu qualifizieren, anstatt sie freizustellen. „Betriebe sollten alle Möglichkeiten nützen, um Wettbewerbsvorteile zu haben. Unternehmen, die Ausbildung und Motivation des Personals verbessern, investieren in die Zukunft“, meint Achatz.
Tiroler Firmenchefs würden der Bildungskarenz grundsätzlich positiv gegenüberstehen: „Natürlich möchte der Unternehmer, dass der qualifizierte Mitarbeiter dem Unternehmen einen Nutzen bringt und weiter im Betrieb bleibt.“ Nicht gern gesehen werde, wenn sich jemand nach der Weiterbildung selbstständig macht.






