28.02.2012
Österreich

Stunde der Wahrheit für die AUA

Die AUA steht unter Druck: Bis morgen müssen sich das AUA-Management und die Personalvertretung auf einen neuen Kollektivvertrag einigen – sonst übernimmt die Tyrolean den gesamten Flugbetrieb.
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Zahlen & Fakten

Im September 2009 wird die hoch verschuldete AUA nach einem langen Bieterkampf von der deutschen Lufthansa übernommen. Die Lufthansa zahlt keinen Cent dafür und bekommt von der Staatsholding ÖIAG für die Privatisierung noch 500 Mio. Euro.

Nach der Übernahme ist es der AUA nicht gelungen, in die schwarzen Zahlen zu fliegen. 2010 fliegt die AUA einen Verlust von 64,7 Mio. Euro ein, 2009 waren es noch 230 Mio. Euro gewesen. Auch für 2011 wird ein Verlust von etwa 63 Mio. erwartet. Nach mehreren Sparpaketen ist die Zahl der Mitarbeiter auf derzeit rund 6000 gesunken.

Die Tyrolean führt als Kurz- und Mittelstreckentochter mit 1400 Mitarbeitern und 38 Flugzeugen rund 40 Prozent der AUA-Flüge durch. Die in Innsbruck ansässige AUA-Tochter erzielte 2010 damit einen Gewinn von knapp 15 Mio. Euro. Der so genannte „Scope Clause“ legt fest, dass alle Maschinen bis 110 Sitzplätze von der Tyrolean betrieben werden müssen.

Von Beate Troger

Wien, Innsbruck – Morgen Mittwoch ist für die AUA ein Schicksalstag. Vorstandschef Jaan Albrecht muss der Lufthansa bei der Aufsichtsratssitzung ein 220 Mio. Euro schweres Sparpaket vorlegen. Von diesem hängt ab, ob die Konzernmutter weiterhin in ihre defizitäre österreichische Tochter investieren wird.

1Personalkosten: Die Kosten für die rund 6000 Mitarbeiter sind einer der größten Brocken bei der AUA-Sanierung – und der am schwierigsten zu knackende. Gewerkschaft und Betriebsräte stellen sich gegen den Entwurf für einen neuen Kollektivvertrag quer, in der Folge kündigte die AUA vor zwei Wochen den bestehenden Kollektivvertrag des fliegenden Personals auf. Seit vergangener Woche wird in jeder freien Minute wieder verhandelt, wie AUA-Sprecher Peter Thier bestätigt. Doch die Fronten sind verhärtet, ob bis morgen eine Einigung zustande kommt, ist fraglich.

Die Fluggesellschaft muss sich vor allem von Altlasten aus der Ära als Staatsairline trennen. Jährliche Vorrückungen, begrenzte Arbeitszeiten und kostspielige Abfertigungs- und Pensionsregelungen bescheren der AUA ein jährliches Kostenplus von sieben Prozent. So verdient ein Langstreckenpilot mit über 25 Dienstjahren bis zu 15.000 Euro brutto pro Monat und muss dafür an die 700 Flugstunden im Jahr absolvieren. Wird einer dieser alten Verträge gekündigt, fallen Abfertigungen von bis zu 39 Monatsgehältern an.

2Lufthansa macht Druck: Noch heuer muss die AUA in schwarzen Zahlen landen, sonst werden ihr die Flügel gestutzt. Das bedeutet, dass die AUA ihre Langstrecke aufgeben und zu einem Mittelstrecken-Zubringer schrumpfen muss. So wird die indische Wirtschaftsmetropole Mumbai bereits ab Ende März vom Flugplan gestrichen. Gehen die Sparpläne nicht auf, ist die Lufthansa auch nicht mehr bereit, der AUA vier Langstreckenjets und sieben Airbus-Maschinen zu finanzieren.

Von der Lufthansa profitiert die AUA etwa bei der Kerosinbeschaffung und beim Zugang zu neuen Geschäftskunden. Wie AUA-Zentralbetriebsrat Alfred Junghans beklagt, habe sich die Lufthansa aber nie über eine klare strategische Positionierung ihrer rot-weiß-roten Tochter geäußert. Auf jeden Fall wird die AUA Teile ihrer Eigenständigkeit abtreten müssen. Lufthansa-Boss Christoph Franz ist gerade dabei, die Konzernstruktur umzukrempeln, er spricht von „Teilabriss und Neubau“.

3Szenarien: Derzeit bastelt das AUA-Management an drei Zukunftsszenarien. Plan A wäre die Sanierung gemäß dem Kostensenkungsprogramm von AUA-Boss Jaan Albrecht. Da die neuen Kollektivverträge als Knackpunkt für Plan A gelten, hat die AUA mit der Kündigung des Kollektivvertrags des fliegenden Personals bereits Plan B vorbereitet. Dabei würde die in Innsbruck ansässige Regionaltochter Tyrolean den gesamten Flugbetrieb der AUA, inklusive Langstrecke, übernehmen. Über so genannte Änderungskündigungen sollen rund 2300 der 6000 Mitarbeiter zur Tyrolean wechseln, deren Personalkosten um bis zu 25 Prozent niedriger sind. Deren Piloten absolvieren rund 900 Flugstunden im Jahr und verdienen im Schnitt 7000 Euro brutto pro Monat.

Als Plan C wird im AUA-Vorstand auch das Szenario der Insolvenz durchgespielt. Ohne Kursänderung würde die Fluggesellschaft angesichts der angespannten Lage ohnehin in Konkurs fliegen. Die Konzernschwester Swiss konnte sich nach der Pleite der ehemaligen Swissair neu aufstellen und fliegt heute satte Gewinne ein.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Di, 28.02.2012
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